Viennale, die 49ste

Ehe dem Vienna International Film Festival anno 2012 - fristgerecht zum 50er - ein allumfassender Relaunch ins Hause steht, setzt Direktor Hans Hurch auch in diesem Jahr wieder auf die bewährte Mixtur aus Neuentdeckbaren, bekannten Gesichtern und ausgewählten Momentaufnahmen der aktuellen Off-Mainstream Produktion.

Für heuer, stellt die wohl maßgeblichste Änderung im Festivalalltag der Wegfall der Vorverkaufsstellen Generali Center und Stubentor dar, welcher durch einen neuen Container Ecke Mariahilfer Straße / Museumsquartier kompensiert werden soll.

Der Kartenverkauf beginnt am 15. Oktober um 10:00 Uhr, für die ersten beiden Tage wird es Expresskassen im Gartenbau und im Künstlerhaus Kino geben. Die Optionen Telefon (Gratis-Line 0800 664 011) und Onlinekauf bestehen natürlich auch heuer wieder.

Hauptprogramm

Im Rahmen der Programmpräsentation ortete Hans Hurch zwar einen verminderten Anteil großer Namen, nichtsdestotrotz wird das Festival zum einen heuer von Aki Kaursimäki (Eröffnung) und George Clooney (Abschluss) flankiert und zum anderen stehen mit Nanni Moretti, Jean-Pierre und Luc Dardenne, David Cronenberg, Lars van Trier, oder Todd Haynes doch eine durchaus erquickliche Anzahl an garantierten Crowdpleasern am Spielplan.

Das Hauptprogramm setzt sich 2011 aus gut 140 Langfilmen zusammen, wovon über 60 dem Dokumentarfilmbereich zuzuordnen sind. Ein noch verstärkteres Augenmerk als in den letzten Jahren liegt heuer auf der Kurzfilmschiene, welche mit nahezu 100 Produktionen daher kommt.

Neben den bereits erwähnten, etablierten Fixsternen, offeriert die Viennale ihrem Publikum auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit neue cineastische Wege zu beschreiten - mit einem ausgewählten Weltkino-Potpurrie der aktuellen Produktionsaison.

Als erste Empfehlungen lassen sich vorab die neuen Werke von Nicolas Winding Refn ("Drive"), Thomas Heise ("Sonnensystem"), Miranda July ("The Future"), Jörg Burger ("Way of Passion"), Alexander Sokurov ("Faust") und Johnnie To ("Duo Mingjin") ausmachen.

Viennale Events

Zusammengefasst unter einer neuen Schiene, präsentiert die Viennale in diesem Jahr drei Veranstaltungen, welche die bisherige Kampfzone des Festivals ausweiten:

• Ulrich Seidel gewährt Einblick in den aktuellen Stand der Dinge was die Produktion seines Mammutwerks "Paradise" angeht. Ein Work in progress mit zahlreichen Anschauungsmaterialien. Um mit den Worten Hans Hurchs zu sprechen: Karten sichern!

• Aufführung der fünfteiligen TV-Miniserie "Mildred Pierce" von Regisseur Todd Haynes. Mit Sicherheit die einzige Gelegenheit diese HBO-Produktion auf großer Leinwand zu sehen.

• Film, Konzert und Ausstellung von und mit Post-Punk -Legende und fleischgewordenem Kunstobjekt Genesis P-Orridge.

Home Run

18:30 Uhr, Künstlerhaus - das bedeutet in diesem Jahr neues Kino aus Österreich. Dies dürfte zwar all jene enttäuschen, die angesichts des Erfolgs von "Moneyball" hinter der namensspendenden Sportmetapher eine Reihe zum Thema "Baseball im Film" erhofft haben, die Einforderer von mehr Rot-Weiß-Rot im Programm jedoch dafür umso mehr zufrieden stellen. Die Schiene umfasst ein gutes Dutzend Spiel- und Dokumentarfilme, wovon der überwiegende Teil in Wien Weltpremiere feiern wird.

Tributes

• Against all odds. Mit fünf Spielfilmen und einer neuen Dokumentation ("Sing Your Song") ehrt die Viennale heuer den legendären US-Musiker, Schauspieler und Polit-Aktivisten Harry Belafonte. Der 84-jährige New Yorker wird anlässlich des Tributes auch in Wien zu Gast sein.

• Apart from the deal. Mit Jeremy Thomas verneigt sich die Viennale vor einer der zentralen Figuren des europäischen Gegenwartskinos, einem Produzenten, dessen Unabhängigkeit Legion ist. In Anwesenheit des Briten, stehen insgesamt zwölf Filme aus vier Jahrzehnten auf dem Programm.

• Out of the dark. Soi Cheang hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer der spannendsten Stimmen im asiatischen Genrekino entwickelt. Ein Umstand den die Viennale als erstes Festival zum Anlass nimmt, dem Macauer eine umfassende Schau zu widmen.

Special Programs

Dicht gedrängt präsentiert sich heuer die Special Program Spielwiese, finden sich im Katalog doch nicht weniger als sieben inhaltiche Formate.

• Silent Masters. Hier findet die Aufarbeitung der heimischen Stummfilmproduktion ihre Fortsetzung. Kuratiert vom Filmarchiv, musikalisch begleitet von zeitgenössischen Klangforschern stehen heuer die 20er-Jahre im Mittelpunkt.

• Between inner and outer space. In sechs Programmen setzen sich die Kuratoren Christian Helbock und Dietmar Schwärzler mit dem weitgefächerten Ideenkomplex "Kunstraum" auseinander.

• New Americana. Neues vom California Institute of the Arts, dieses Mal aus dem Schneideraum der aus Chicago stammenden Filmemacherin Lee Anne Schmitt. Die Viennale zeigt als erstes Festival das Gesamtwerk der jungen Essayistin.

• Auf der Suche nach dem Glück. Mit Reinhard Kahn und Michael Leiner hat Hans Hurch erneut zwei deutsche Filmemacher gefunden, die in ihrer Heimat kaum noch rezipiert werden. Peter Nau hat für das Wiener Publikum eine Auswahlschau zusammengestellt.

• Straub! Neue Filme von Jean-Marie Straub.

• Leuchtende Filmkader. Die Frage wie es um den heimischen Avantgarde-Nachwuchs steht, wird hoffentlich diese aus ausgewählten Arbeiten der Schule für unabhängigen Film Wien und Filmkoop Wien zusammengesetzte Schau beantworten können.

• Die denkende Form. Architektur, Film und Installation sind nur drei der Räume in denen die österreichische Künstlerin Sasha Pirker wirkt. Zu sehen sind insgesamt neun Arbeiten der Wienerin, zusammengefasst in einem Programm.

Retrospektive

Stand im vergangenen Jahr mit Eric Rohmer noch einer der Mitbegründer der Nouvelle Vague im Mittelpunkt der Retrospektive, so folgt heuer mit Chantal Akerman eine der wohl wichtigsten Stimmen der Post Nouvelle Vague.

Die Werkschau umfasst alle Schaffensperioden der 61-jährigen Französin, von essayistischen Arbeiten bis hin zur schwarzen Komödie. Neben ihren eigenen Arbeiten wird Akerman auch 14 Arbeiten anderer Regisseure präsentieren, darunter Filme von Gus van Sant, Douglas Sirk, Michael Snow und Jacques Demy.

Das Programm ist seit 6. Oktober bis einschließlich 3. November im Österreichischen Filmmuseum zu bewundern.

Bonus

Tagsaktuelle Infos zu Tickets, Events, Parties und Veranstaltungen rund um die Viennale gibt's auf der Homepage des Festivals.

Und ebenfalls immer einen Besuch wert:

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Nicolas Ossberger


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