Viennale, anno 2013

Nach den letztjährigen, sehr ausführlichen Feierlichkeiten zum 50er-Jubiläum zieht heuer wieder relative Normalität ins Festivalleben ein.

Geblieben ist der Viennale, neben dem adaptierten Zentrum in der ehemaligen Postzentrale in der Dominikanerbastei, u.a. auch das mittlerweile geschlossene Stadtkino (hier: Kino am Schwarzenbergplatz) und dessen neue Destination, das Künstlerhauskino (hier: Stadtkino im Künstlerhaus).

Der Kartenverkauf beginnt am 19. Oktober um 10:00 Uhr, für die ersten beiden Tage wird es wie gehabt Expresskassen im Gartenbau und im Künstlerhaus geben. Die Optionen Telefon (Gratis-Line 0800 664 013) und Onlinekauf (Vorabregistrierung möglich) bestehen natürlich auch heuer wieder.

Hauptprogramm

Wie Katalog und Programmpräsentation zeigen, setzt Direktor Hans Hurch auch weiterhin auf seine Erfolgsmischung aus frischen Säften und alten Weinen. Auch heuer gibt es wieder einige junge Filmemacher zu entdecken und auch Freunde großer Weltkinonamen kommen voll auf ihre Rechnung.

Am Programmumfang der letzten Jahre hat sich erwartungsgemäß wenig geändert. Wie immer räumt die Viennale sowohl dem Dokumentar- als auch dem Kurzfilm viel Raum ein.

Die Viennale offeriert ihrem Publikum ein Potpourri aktueller Weltkinoproduktionen, welches sowohl Hurch'sche Dogmatismen wie Jean-Marie Straub und Klaus Lembke, als auch die neues Produktionen von den Coen-Brüdern, Woody Allen, Johnnie To, Volker Koepp und Francois Ozon beinhaltet.

Als erste Empfehlungen lassen sich vorab die neuen Werke von Frederik Wiseman ("At Berkeley"), Joshua Oppenheimer ("The Act of Killing"), Shinji Aoyama ("Tomogui"), Jia Zhangke ("Tian Zhu Ding"), Kelly Reichardt ("Night Moves") und Andrew Bujalski ("Computer Chess") ausmachen.

Tributes

Will Ferrell. Als erstes internationales Festival widmet die Viennale Will Ferrell ein großes Tribute, welches neben Klassikern wie "Zoolander" und "Old School" auch weniger bekannte Arbeiten wie "Casa De Mi Padre" beinhaltet. Insgesamt werden zehn abendfüllende Programme des US-Komikers gezeigt, der im Rahmen einer Galavorführung von "Anchorman" auch persönlich anwesend sein wird.

Gonzalo García Pelayo. Der spanische Filmmacher Gonzalo García Pelayo gilt als einer der großen vergessenen Regisseure seines Heimatlandes. Sein zwischen 1978 und 1982 entstandenes Oeuvre umfasst fünf Langfilme, welches er in diesem Jahr, nach dreißigjähriger Pause, mit "Alegrías de Cádiz" erweiterte. Die Viennale zeigt das Gesamtwerk des Spaniers.

In Focus

John Torres. Nach Lav Diaz und Kahvn da la Cruz macht sich mit John Torres ein weiterer Vertreter des neuen philippinischen Kinos dazu auf, die internationale Festivalwelt in seinen Bann zu ziehen. Die Viennale zeigt sowohl, nahezu vollständig, die Kurzfilmproduktionen des radikalen Filmemachers, als auch dessen drei Langfilme.

Special Programs

Realitäten. Das diesjährige Programm des Filmarchiv Austria widmet sich der Frühgeschichte des österreichischen Dokumentarfilms. Zu sehen sind Arbeiten aus den Jahren 1909 bis 1930, darunter zahlreiche Neurestaurationen.

Wilde Ethnografie. Sicherlich angespornt durch den letztjährigen Erfolg von "Leviathan", taucht die Viennale heuer noch tiefer in die Arbeitswelt des Harvard Sensory Ethnography Labs. Zu sehen sind zwei Kurz- und sieben Langfilme, darunter auch der aktuelle Locarno-Gewinner "Manakamana".

Asian Delights. Wer sein Genrekino bevorzugt ohne Brille betrachtet, wird mit der heurigen Mitternachtsschiene vermutlich nicht glücklich werden, setzt sich ebenjene doch ausschließlich aus aktuellen Asia-3D-Produktionen zusammen. Mit im Programm sind u.a. aktuelle Filme von Andrew Lau und Stephen Fung.

Die Geographie des Labyrinths. (Vermutlich) das Phänomen des Binchwatchings als Anlass nehmend, widmet die Viennale in diesem Jahr gleich zwei Serials ein Special Programs. Zum einen dem rund siebenstündigen, 12-teiligen Episodikum "Tih-Minh" aus dem Jahre 1918 (Louis Feuillade), zum anderen Jacques Rivettes in seiner Gesamtheit bisher so gut wie nie zu sehender, zwölfstündiger, Episodenfilm "Out1: noli me tangere".

Das Rohe und das Gekochte. Anschließend an das letztjährige Special Program "Five Women", werden im Rahmen dieser Schiene wieder fünf vorwiegend avantgardistische Arbeiten gezeigt, von Künstlern mit jeweils ganz eigenen Zugängen zur Praxis des Filmemachens..

Retrospektive

Die diesjährige Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums ist keinem Geringeren als Jerry Lewis gewidmet. Eine, zumindest ob der Außenwirkung des Festivals, spannende Wahl, gilt der cineastische Katalog des 1926 in New Jersey geborenen Komikers doch nur in wenigen Zirkeln als wirklich essentiell.

Ein Urteil, über das sich nun über fünf Wochen hinweg ein eigenes Bild machen kann, kommen Viennale-Besucher im Rahmen der Retrospektive doch in den Genuss von über 30 Spielfilmen, ausgewählten Fernseharbeiten und einer umfangreichen Dokumentation.

Das Programm ist von 18. Oktober bis einschließlich 24. November im Österreichischen Filmmuseum zu bestaunen.

Bonus

Tagsaktuelle Infos zu Tickets, Events, Parties und alle Veranstaltungen rund um die Viennale gibt's auf der Homepage des Festivals.

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Nicolas Ossberger




















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