Viennale, 52. Aufl.

Win some, lose some! Mit dem Ende der Ära des Stadtkinos am Schwarzenbergplatz, ändert sich auch das Gesicht der Viennale. Pünktlich zum Festivalstart präsentiert sich das Metro-Kino nicht nur in neuem Glanz, sondern auch um einen zusätzlichen Saal erweitert.

Mit der Entscheidung das Festival bei gleichbleibender Programmdichte um einen weiteren Tag zu verlängern, kommt die Viennale einem alten Besucherwunsch nach. Ein großer Schritt, der sowohl Dauerbesuchern als auch Einmalblitzern den Festivalalltag entstressen wird.

Der Kartenverkauf startet am 18. Oktober um 10:00 Uhr, für die ersten beiden Tage wird es wie gehabt Expresskassen (Gartenbau, Künstlerhaus) geben. Das Metro-Kino fungiert in diesem Jahr erstmals ebenfalls als Vorverkaufsstelle. Die Optionen Telefon (Gratis-Line 0800 664 014) und Onlinekauf (Vorabregistrierung möglich) bestehen natürlich auch heuer wieder.

Das Festival startet am 23.10. und läuft bis inklusive 6.11. Bespielt werden das Gartenbau Kino, das Stadtkino im Künstlerhaus, die Urania sowie das neu adaptierte Metro-Kino.

Hauptprogramm

Vom hauseigenen Erfolgsrezept, der Mixtur aus cineastischen Neuentdeckungen und alten Bekannten, weicht die Viennale natürlich auch 2014 nicht ab, auffallend sind jedoch die in diesem Jahr doch wesentlich stärker als in der Vergangenheit vertretenen Publikumshits anderer Festivals.

Mit rund 150 Spiel- und Dokumentarfilmen, hält das Hauptprogramm den Schnitt der letzten Jahre, am Spielplan finden sich u.a. neue Arbeiten von Jean-Luc Godard, Joe Dante, Jessica Hausner, Olivier Assayas, Jean-Pierre und Luc Dardenne, Woody Allen, James Benning, Jonas Makas, Takashi Miike und Lars von Trier. Ein Mangel an großen Namen lässt sich also nicht ausmachen.

Empfehlungen im Langfilmbereich sind u.a. die aktuellen Filme von Ana Lily Amirpur ("A Girl Walks Home Alone At Night"), Alejandro González Inarritu ("Birdman"), John Michael McDonagh ("Calvary"), Sakamoto Ayumi ("Forma"), Andrey Zvyagintsev ("Leviafan"), Alex Ross Perry ("Listen Up Philip") und Aleksei Germans meisterhafte Strugazki-Verfilmung "Trudno Byt' Bogom".

Im Dunstkreis von Geschichte und Gesellschaft, Politik und Kultur, Wahn und Weltgewissen, bildet der Dokumentarfilm eine Hauptsäule des Viennale Programms. Mit Spannung erwartet werden dürfen die neuen Produktionen von Jordi Morato ("Sobre la Marxa"), Sergei Loznitsa ("Meidan"), Mikheil Antadze ("The Many Faces of Comrade Gelovani"), und Frederick Wiseman ("National Gallery").

Tributes

Viggo Mortensen. Mit Viggo Mortensen feiert die Viennale einen der gleichermaßen erfolgreichsten wie vielschichtigsten Schauspieler der Gegenwart. Gezeigt werden sieben ausgewählte Arbeiten des dänischstämmigen Amerikaners, darunter auch seinen aktuellen Bravourritt im heuer in Cannes abgefeierten Emigranten-Epos "Jauja".

Harun Farocki. Der im Sommer verstorbene deutsche Filmemacher und Videokünstler Harun Farocki zählte über Jahrzehnte zum Inventar des europäischen Essay- und Dokumentarkinos. Zum Gedenken zeigt die Viennale ein mehrteiliges Programm seiner herausstechendsten Arbeiten.

In Focus

Tariq Teguia. Als einer der zentralen und gleichzeitig auch radikalsten Regisseure Nordafrikas, gilt Tariq Teguia heute als einer der interessantesten politischen Chronisten des "Arabischen Frühlings". In Anwesenheit des algerischen Filmemachers werden sowohl dessen drei Langfilme, als auch eine Auswahl an kürzeren Arbeiten gezeigt.

Special Programs

Revolutionen in 16mm. Wie der Titel bereits verrät, setzt die Viennale in diesem Jahr dem 16mm Film in Form eines eigenen Programms ein kleines Denkmal. Ob im Eigenheim, der Industrie oder am Kriegsschauplatz, der Schmalfilm revolutionierte den Umfang mit und die Verbreitung von Film. In dreizehn Blöcken zelebriert die Sonderschiene die unendlichen kreativen Weiten dieser Technik.

Das Gedächtnis des Films. Mit dem in Wien geborenen Fritz Kortner ehrt die Viennale heuer eine der schillerndsten und interessantesten Film- und Bühnenpersönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Ob als Schauspieler, Drehbuchautor oder Regisseur, der Drang zur Authentizität stand stets im Vordergrund - weshalb Kortners Gesamtwerk auch heute noch gleichsam herausfordernd wie unterhaltsam ist.

Cinq fois Godard. Zum Anlass von Jean-Luc Godards aktueller 3-D-Anwandlung "Adieu" (zu sehen im Hauptprogramm), lud die Viennale fünf französische FilmemacherInnen dazu ein, sich mit je einem Werk des Altmeisters persönlich wie fachlich auseinanderzusetzen. Mit im Boot sind dabei Olivier Assayas, Pascale Ferran, Jean-Pierre Gorin, Luc Moullet und Agnès Varda.

Broken Sequence. Quasi als Fortsetzung des letztjährigen Special Programs "Das Rohe und das Gekochte", widmet die Viennale dem aktuellen experimentellen Kino auch 2014 wieder eine eigene Schiene. Präsentiert werden in diesem Jahr die aktuellen Arbeiten von Kevin Jerome Everson, Dorit Margreiter und Deborah Stratman.

Retrospektive

Und wer in Sachen Qualität und Unterhaltung heuer ganz auf Nummer sicher gehen will, für den bietet die diesjährige Retrospektive großes Kino am laufenden Band. Denn mit John Ford ehrt das Filmmuseum einen der größten Regisseure der nordamerikanischen Filmgeschichte, dessen sechs Jahrzehnte umfassendes Oeuvre zentrale Werke ("The Grapes of Wrath", "My Darling Clementine" "The Searchers", u.v.m.) im zweistelligen Bereich umfasst. Das Programm ist von 16. Oktober bis 30. November im Filmmuseum zu bestaunen.

Bonus

Tagesaktuelle Infos zu Tickets, Events, Parties und alle Veranstaltungen rund um die Viennale gibt's auf der Homepage des Festivals. Die Festivalzentrale befindet sich auch in diesem Jahr wieder im Gebäude der Alten Post.

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Nicolas Ossberger


















































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