:  Leistungsschau der Hamburger Oberstufe  :  

text: richard pettauer

Pures Gift - Genre für die Ohr'n,
ungestreckte Hits
von Dynamite Deluxe.
Ihr braucht nur einen Druck,
um gut drauf zu sein,
und zwar auf "Play" in eurem Tapedeck,
wenn unser Tape drinsteckt.
   (Sammy Deluxe)

Rock it to the Dome: langsam aber sicher entwickelt sich das WUK zum Leckerbissen für Liebhaber deutschsprachigen Hip Hops - wo sonst in Wien treten innerhalb von vier Wochen Schönheitsfehler, Hausmarke und Freunde, Ferris MC, Doppelkopf, Dynamity Deluxe, Fünf Sterne Deluxe und Wahre Schule auf. Den Auftritt Deluxe beim FM4-Geburtstagsfest hatten noch viele im Hinterkopf, da waren sei schon wieder da, um die Wiener daran zu erinnern, daß in Hamburg noch einiges geht.

Der Tobi und das Bo plus Marcnesium und Coolmann - das ergibt natürlich fünf (Sterne), und die flashen deluxe ab, besonders wenn sie gleich ihre besten Kumpels mitbringen, um zusammen einen lustigen Abend bei Spiel, Spaß und Tanz gestalten. Die Show eröffnen durfte am 10. Mai Ferris MC, den viele noch kennen werden als früheres Mitglied der ABE Crew. Gemeinsam mit seinem Ex-Partner Flow war "das Monster" einer der distinktivsten deutschen MCs, freestylte von Jam zu Jam und endete schließlich, und das nicht zum Nachteil des Publikums, als Solo-Künstler. Live tritt Ferris mit Tobi als Turntabelist auf.

Das Mikro übernahmen anschließend Doppelkopf, die für sehr ruhigen, introvertierten Hip Hop stehen. Trotz großen Engagements gelang es den Janus-Freaks nicht wirklich, das Publikum auf eine Reise zum Mond mitzunehmen. Aber dann kamen sie - Mr. Sammy Deluxe ist Dichter und Verfasser, DJ Dynamite sorgt für den Ghettoblaster. Dynamite Deluxe nennen sie sich, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen. Mag die Namensähnlichkeit dazu führen, daß sie von Unkundigen für ein Split-Off Projekt der 5 Sterne gehalten werden, weiß Sammy sich dagegen zu wehren: "Ich trete schon lange unter diesem Namen auf, die Gleichheit ist wohl nicht ganz zufällig. Wir haben aber nichts dagegen." So cool, so überlegen, so abgehoben bewegen sich nur wenige deutsche MCs auf der Bühne. "Ich mag komplexe Lyrics. Sonst wird das ganze viel zu schnell langweilig," ist sich Sammy sicher, und mit ihm das Publikum. Von "Deluxe Stylee" über "Pures Gift" bis zu "Kein Scheiß" spannt sich der musikalische Bogen des Duos, manchmal rappt Sammy über relaxten Dopebeats, dann fährt Dynite plötzlich schwere Jungle-Geschütze auf und zitiert in der nächsten Minute ausgiebig Ragga - daß nach diesem Auftritt noch eine Steigerung folgen könnte, haben sich wohl nur "Willst Du mit mir geh'n"-Fans erwartet. Und so sollte es sein.

Während des Auftritts der 5 Sterne kam doch über große Strecken der Verdacht auf, daß man es hier mit Hip Hop Clowns und Partyrappern zu tun hat, auch wenn sich die Hamburger gegen solche Vorwürfe wehren. Viertelstündige Kasperltheater-Einlagen lassen jedenfalls keine gesteigerte Freude aufkommen. Sehr lecker allerdings waren die Gastauftritte von Ferris und Sammy. Besonders zweiter freestylte mit Bo, daß es eine reine Freude war. Am Ende des Abends konnte man sich auf jeden Fall einer Sache sicher sein: Besser "Rock it to the Dome" als "The Dome" auf RTL2.