:  Frank Black Is Back!  : 

Nach zweijähriger Abstinenz meldet sich der ehemalige Frontman der stilprägenden prä-Grunge-Band Pixies heuer mit seiner vierten Soloplatte zurück. Laut Presseinfo ist "Frank Black & The Catholics" die beste Platte an der er je mitgewirkt hat. Daß es seine beste Platte ist wage ich zwar zu bezweifeln, aber sie ist überraschend gut gelungen und beweist einmal mehr, was für unwiderstehliche Melodien er immer wieder aus dem Hut zaubern kann. Und dabei wäre sie fast nicht erschienen, weil keine Plattenfirma ein Album veröffentlichen wollte, das in zwei Tagen auf zwei Spuren aufgenommen wurde und nicht mit den neuesten Computertechnologien aufwarten kann. Ein sichtlich gut aufgelegter Charles Thompson (aka Frank Black) gibt am Telefon Auskunft über sein jüngstes Baby: 

Warum ist "Frank Black & The Catholics" das beste Album an dem du je mitgewirkt hast? 

Frank Black: Das hat am meisten damit zu tun, wie es aufgenommen wurde. Wenn du Guitar-based Rock Musik spielst und über Jahre hinweg Overdubbs verwendest, und auf einmal machst du eine Aufnahme, die live auf 2 Spuren, wie man in einem Night Club spielt, eingespielt wurde, dann bemerkt man: Wow, das ist eine lohnende Erfahrung! Das ist einfach viel makelloser und direkter. Natürlich wenn du die Platte nicht magst, ist es egal, wie ich sie aufgenommen habe. Aber wenn sie dir gefällt, kannst du argumentieren, daß sie viel makelloser und direkter ist. 

Die Platte wurde ja schon vor einem Jahr aufgenommen. Bist du noch immer damit zufrieden? 

Frank Black: Ja, sehr! Das ist eine meiner Platten, die ich mir wahrscheinlich immer anhören kann. Ich hab sie ja noch nicht 1000 mal gehört, während sie gemacht wurde. Ich hab sie vielleicht erst ein bißchen öfter gehört als du. Sie klingt also noch immer sehr frisch für mich. 

frankieboyWas hat sich zwischen dem letzten Album und der neuen Platte verändert? Cult Of Ray war ja doch ein bißchen anders... 

Frank Black: Das stimmt schon, obwohl wir bei Cult Of Ray schon ein bißchen in diese Richtung gegangen sind. Wir haben damals auf 16 Spuren reduziert, um nicht einen "overdubbed" Sound zu bekommen. Es war zwar nicht alles live gespielt, aber wir wollten, daß es so klingt. Dieses Mal haben wir einfach zufällig ein Live-Demo gemacht und haben dann entschieden, das reicht, das kann man nicht mehr besser machen, indem man es glänzender macht oder so. Wir haben also da aufgehört und gesagt: "Sorry Leute, aber das ist die Platte". 

Für mich klingt die Platte als ob du mit deinem Leben jetzt zufriedener wärst und weniger zornig und aggressiv. Fühlst du dich so? 

Frank Black: Das haben mir schon viele Leute gesagt. Vielleicht ist auf Cult Of Ray einfach ein bißchen eine zornigere Einstellung zu hören, aber das war mir eigentlich gar nicht bewußt damals. Vielleicht stimmt das also doch. 

Würdest du die Catholics als Band bezeichnen, oder sind das einfach gemietete Musiker, die dir aushelfen? 

Frank Black: Das ist ein bißchen was von beidem. Aber ich bin da ein bißchen kritisch, wenn Leute das kommentieren. Ob Musiker jetzt als Bandmitglied bezahlt werden, oder nur für einen bestimmten Zeitraum, ist ja eigentlich eine Sache zwischen den Musikern selbst, es sollte nicht die Musik beeinflußen. Anyway, ich war ja schon in allen Situationen. Ich war in einer Band, ich hatte Musiker, die nur auf einer Platte gespielt haben, Musiker die nur auf Tour dabei waren, Musiker, die auf einer Tour und einer Platte waren, die aber nicht zwangsläufig immer um mich herum waren. Jetzt ist die Situation schon viel permanenter, aber ist das eine richtige Band? Ich weiß nicht was eine richtige Band ist. 

Aber fühlt du dich als Bandmitglied, oder bist du der Boß, der das letzte Wort hat? 

Frank Black: Well, ich bin der Boß! Wir nennen uns Frank Black & The Catholics, ich bin der Sänger, ich schreibe die Songs. Ich war ja immer schon der Boß, das ist einfach meine Stellung. Viele Leute sind Bosse. Es gibt viel mehr Bosse da draußen als die Leute wahrhaben. Man braucht einfach einen Boß. Man braucht zwar nicht unbedingt einen Boß, aber die Demokratie würde nicht oft funktionieren in der Rockmusik. 

Und man braucht auch Diener? 

Frank Black: Diener ist ein negatives Wort. Die Leute, die für mich spielen sind nicht beeindruckt von mir. Sie sind nicht eingeschüchtert von mir. Sie respektieren mich und sie respektieren sich selbst. Sie spielen mit mir weil sie meine Musik mögen. Sie brauchen mich nicht. Der Schlagzeuger kommt vorbei und sagt: "Ich bin hier um das Scheiß-Schlagzeug zu spielen. Ich mag die Musik, ich glaub nicht, daß das Bullshit ist, ich spiele es". Er sitzt nicht da bei den Proben: "Hey Frank, ich hab da ein paar Songs geschrieben, magst du dir nicht die Demos anhören?" Ich brauche diese Scheiße nicht! Wenn er seine eigenen Songs spielen möchte, soll er verdammt noch mal seine eigene Band gründen, da braucht er mich nicht! Das ist sehr wichtig, das zu erwähnen, daß die Musiker ihre eigene Unabhängigkeit haben. Ich meine, alle Musiker und Künstler haben totale kreative Freiheit und Kontrolle. Du hast nur dann nicht mehr die Freiheit und die Kontrolle, wenn du sie aufgibst! Wenn du sie jemand überträgst. Aber come on, wir sind doch nicht im Gefängnis hier! Wir leben nicht im Kommunismus, um mal zu übertreiben, wir spielen Rockmusik! Alles was du machen mußt, ist deiner Plattenfirma zu sagen: "Fuck you, ich mach das nicht. Ich werde mich nicht kompromittieren. Ich laß euch nicht herkommen und alles verändern!" Musiker hätten die totale Freiheit, aber ich glaube nicht daß Plattenfirmen große, böse Gesellschaften sind. Die üben ihre Kontrolle nur aus, wenn man sie läßt. Sie sagen: "Du willst einen Deal mit uns machen? OK, aber du mußt dafür etwas aufgeben." Viele Leute befinden sich in so einer Situation. Ich hätte auch so enden können, wenn ich nicht sehr früh jemand gefunden hätte, der sagt: "Klar bringe ich deine Platte heraus, ich stelle keine Fragen." Und weil ich diese Freiheit von Anfang an hatte, hab ich sie einfach akzeptiert und immer darauf bestanden. Da ist wirklich nichts dabei. Ich war immer der Führer in was für einer Zusammensetzung ich auch immer gespielt habe. Das hab ich akzeptiert, das ist einfach so. Bis jemand kommt und sagt: "Weißt du Charles, ich hab eine bessere Lösung, wir sollten es so und so und so machen" und er überzeugt mich, daß er recht hat und ich nicht, bis dahin hab ich die Kontrolle. Du mußt einfach Ego haben, sonst bist du einfach ein verwässerter pfffffrrrrggggt (nicht in Buchstaben ausdrückbares Geräusch). 

Du wirst als einer der einflußreichsten Songwriter der späten 80er Jahre angesehen und hattest trotzdem Probleme, eine Plattenfirma zu finden, die die Platte so rausbringen wollte, wie sie war. Was denkst du darüber? 

Frank Black: Ist das nicht typisch? Der Typ der angeblich so wichtig und einflußreich ist, kriegt natürlich keinen Plattenvertrag. Aber ich hab das akzeptiert, so ist einfach das Musikbusiness. Dabei beklagen sich immer alle, daß ich immer über das Business rede und über Geld und so, anstatt über die Kunst. Dafür werde ich immer kritisiert. Aber weißt du was? Genau um das geht es! Jeden einzelnen Tag seit ich 50 Dollar für den ersten Pixies-Auftritt bekommen habe. Seit damals ist es ein Geschäft für mich. Nicht nur weil ich dafür bezahlt werde, sondern auch weil ich von anderen Leuten, den Fans, Geld verlange, um mich zu sehen. Die können mich nicht gratis sehen. Sobald du eine Platte veröffentlichst und die nicht herschenkst, fragst du Leute um ihr Geld, sind die Fans dein Geldgeber. Es ist also sehr wohl ein Business. Und wenn ich dann Leute diskutieren höre über Indie gegen Major-Labels, glaub mir, das ist alles da Gleiche! Plattenfirmen sind darauf aus, Geld zu verdienen. Die können soviel über Kunst reden, wie sie wollen, oder wie sehr sie auf Musik abfahren. Aber nur solange sie sich verkauft. Wenn sie damit Geld verlieren, lassen sie einen fallen wie eine heiße Kartoffel. Ganz egal, ob sie jetzt Sony, Play It Again Sam, 4AD oder sonstwie heißen. Um fair gegenüber 4AD zu sein, ich kenne eine Band, an der sie über Jahre Geld verloren haben, bis es sich schließlich ausgezahlt hat. Aber ich werde nicht verraten, wer das war, weil ich mich nicht in deren private Angelegenheiten mischen möchte. Aber das ist eine einzigartige Situation, da passiert fast nie. 

Das Album wird ja nicht in den USA veröffentlicht... 

Frank Black: Doch, wir wissen noch nicht genau wann, aber wahrscheinlich im September, auf einem Indie-Label. Das ist sehr nett. Ich gebe zwar auch etwas auf, ich werde nicht so viele Platten verkaufen, aber dafür habe ich mehr Freiheit, wann ich meine Platten veröffentliche, was für eine Art und so. Auch was die College Radios betrifft, ist das besser. Vor ein paar Jahren, waren sie ja sehr zynisch und wollten meine Platten nicht spielen, weil ich mit einer großen Plattenfirma assoziiert war. Die gehen also auf diese ganze Diskussion total ein. Ich finde das zwar Bullshit, aber auf einem Indie-Label zu sein hat einen eigenen Charme und ich bin zurück im College-Circuit. 

Wenn wir schon über Bands und Business reden, es gibt ja auch Beispiele von Bands, die sich nicht so dreinreden lassen. Pearl Jam und Fugazi versuchen ja ganz gezielt, ihre Konzertpreise niedrig zu halten... 

Frank Black: Ja, klar und ich habe auch Achtung vor ihnen. Aber sogar für Fugazi ist es ein Business, sie verschenken ihre CDs ja auch nicht. Aber sie versuchen den Leuten für ihr Geld wenigstens einen Gegenwert zu geben, daß sie mit ihrem Kauf wirklich zufrieden sind. Fugazi sind ein gutes Beispiel für unabhängige Geschäftsleute, die sich um ihre Kunst kümmern, die nicht schauen, wie sie am meisten Geld verdienen können, sondern die davon leben wollen und den Leuten ein gutes Produkt geben wollen. 

Kümmerst du dich eigentlich um neue Bands? Was hörst du? 

Frank Black: Als ich auf Promotion unterwegs war, hab ich was von Therapy? gehört, die scheinen ganz nett zu sein. Aber was moderne Musik betrifft, höre ich eigentlich nur, wenn ich auf Tour bin und Festivals oder so spiele oder wenn ich im Hotelzimmer zufällig beim Videokanal hängenbleibe. Aber es ist einfach so viel Scheiße da draußen, es ist schwer herauszufinden. Manchmal bin ich einfach viel glücklicher meine alten Platten anzuhören oder ältere Platten zu suchen. Es gibt ein ganzes Universum an älteren Platten, die ich noch nicht gehört habe. Insofern kümmert mich neue Musik gar nicht so sehr. Ich muß mir auch nicht anhören, was jetzt gerade der "hot new sound" ist, um Rockmusik zu machen. Fuck that! Ich weiß, wie Rockmusik klingt. Ich hab die Scheiße gehört seit ich fünf Jahre alt war. Ich weiß genau um was es geht. Ich sag ja nicht, daß es keine gute Musik gibt, aber heutzutage gibt es ja so viele Veröffentlichungen, wie noch nie zuvor. Es gibt Tausende Releases pro Jahr, wo fang ich an? Woher kriege ich meine Information? Vom Rolling Stone Magazine oder Spin Magazine? Ich glaube nicht. Vom NME oder Melody Maker? Ich glaube nicht. Ich schau mir nicht diese Scheiße an, um mir sagen zu lassen, was gut ist und was nicht. Ich schau mich einfach in Plattengeschäften um, rede mit Freunden und so. Ich bin einer dieser Künstler, der sehr resistent neuer Musik gegenüber ist. Das muß mehr schon richtiggehend serviert werden, es muß der richtige Ort und Zeitpunkt sein, damit ich mich damit beschäftige. Und das lustige an Musik ist ja auch, daß dir vieles, was dir gefällt, nicht beim ersten Mal hören auffällt. Also bei mir ist das oft so, daß Sachen, die wirklich großartig sind, mir beim ersten Mal nicht gefallen haben. Das braucht Zeit. Und je mehr Leute herumrennen und über neue Musik oder einen neuen Film reden, desto weniger will ich mir das dann anhören, bzw. anschauen. Ich sag dann immer, "Noch populärer? Noch populärer? OK, das reicht, ich hör mir das in fünf Jahren an". 

Bist du noch immer an Science Fiction und X-Files und so interessiert? 

Frank Black: Ich mag Science Fiction-Konzepte, aber nicht unbedingt jede Fernsehshow. Die meisten Serien und Filme sind ja schrecklich. Also ich mag mehr die Idee. Es geht mehr um Wissenschaft, Astronomie und den Himmel, Orte außerhalb unsere Welt. Ich bin da einfach fasziniert, wie jeder andere auch. Deswegen sind solche Sachen ja auch in den Nachrichten, was am Mars oder am Mond passiert, oder wenn eine neue Theorie aufgestellt wurde, oder ein neuer Stern entdeckt wurde. So was ist auch auf den meisten Mainstream-Nachrichten, weil es einfach ein steigendes Bewußtsein in der Bevölkerung gibt. Ich bin in der Hinsicht ein ganz normaler Kerl. Vielleicht interessiere ich mich mehr als manche Leute, aber sicher gibt es Leute, die sich viel mehr interessieren. Es hat halt meine Texte sehr stark beeinflußt, was manche Leute positiv fanden und andere wieder nicht. Im Moment vermeide ich aber solche Themen, weil es zu vorhersehbar war. Ich versuche mich halt an Themen, die mehr Leute betreffen. 

Im Sommer wird Frank Black jedenfalls ein paar Konzerte für Pearl Jam eröffnen. Ob es ihn dann im Herbst nach Europa verschlägt, ist vor allem eine Frage des Geldes. Eine Europa-Tournee befindet sich also noch im Planungsstadium, wir können nur hoffen...  

(flo)