:  crustation  :

"Our sound is rural", erklärt Stig  und nimmt es im nächsten Satz  auch gleich wieder zurück, weil  ihm der Ausdruck doch zu bäuerlich ist. Sind Crustation etwa gar Landeier?  
 
Nein - was er eigentlich meinte war, daß Crustation soundmäßig in der Natur, zu Hause sind und die Natur ist bekanntlich eher am Land anzutreffen. "Tricky, Massive Attack, Portishead are urban", fügt er hinzu und grenzt sich damit auch gleich von den eben genannten ab.  
Trotzdem  klingen sie wie Portishead, was aber  weder  Zufall, noch bloßes kopieren ist. Denn Crustation kristallisierte aus der gleichen Bristoler Nährlösung  wie ihre populären Freunde. Die Musiker kennen einander und haben zum Teil an denselben Bandprojekten partizipiert - doch mit unterschiedlichem Erfolg wie man sieht und hört. 
Das zuvor erläuterte Unterscheidungsmerkmal, die Natürlichkeit der Klänge war  Stig immer besonders wichtig. So wichtig, daß er daraus den Bandnamen ableitete. "Der  Sound war  mir immer zu rein. "Make it crustier ", sagte ich zu Mark, "Sound has to be crusty". Wir trachteten ständig danach von den sauberen Presets wegzukommen." 
Dieser  Prozeß  heißt klarerweise Crustation und so kann man es auch auf ihrem Debutalbum "Bloom" lesen. Doch hinter dem Bandnamen steht als Zusatz  "with Bronagh Slevin", was eine gewisse Sonderstellung impliziert. Fragt sich nur ob innerhalb oder  außerhalb der  Band oder sollte man sie/ihn (Der Name läßt keinen Schluß auf das Geschlecht zu.) etwa gar schon kennen? 
Diese Unklarheiten wurden bei ihrem Kurzbesuch in Wien beseitigt. Die Sängerin heißt Bronagh Slevin und kommt aus Irland.  Außerdem ist sie fertig studierte Rechtswissenschafterin. Offenbar geht es dort nicht mit rechten Dingen zu, sonst hätte sie es wohl bei einer Burschenschaft  zu einer Trinkliedmitsängerin gebracht, wie es sich für ordentliche Jusstudentinnen und -studenten (z.B. österreichische) geziemt.  
Bronagh kam 1995 als letzte zu Crustation als die Band bereits mehr als ein Jahr alt war. Bis dahin werkten Stig, Mark und Ian instrumental und veröffentlichten sogar zwei EPs auf Vinyl, die aber nur schwer zu bekommen sein dürften. 
Schon damals machten sie elektronische Musik. Den Einsatz von Gitarre und Bass kann man auch jetzt getrost als Einfluß bezeichnen. Die Band sieht das aber etwas anders. "Die Vorproduktion ist zwar elektronisch, aber auf der Bühne werden wir alles live umsetzen." , meint Stig. Und wie? 
"Bronagh singt, Mark , Ian und ich spielen die Instrumente: Bass, Gitarre, Keyboards, elektronisches Schlagzeug, Synths und Turntables. Damit wir wirklich alles ohne Hilfe von Band spielen können, mußten wir noch drei Gastmusiker engagieren."  Insgesamt bevölkern  7  Leute die Bühne, genau soviele wie Apollo 440, benötigen, um ihr Programm live  umsetzten zu können. 
Stig,”Für uns ist es wichtig das Tempo selbst bestimmen zu können und das geht nur wenn alles live gespielt wird.” 
  
Anfang November gingen Crustation dann erstmals auf Tour. Das erste  Konzert in Brüssel war nicht nur der erste Auftritt von Crustation überhaupt, sondern sogar  Bronaghs Bühnendebut, deren musikalische Karriere - wie soviele  - zufällig begann. 
Durch das Geschick eines Studentenfreundes stolperte  sie  in den Proberaum von Crustation,  wo  sie sich nötigen ließ  zu singen und obwohl ihr das Ergebnis nicht ganz geheuer war, erklärte  sie sich bereit  einige Tracks aufzunehmen. In dieser Zeit war der Kontakt zur Band noch ziemlich lose. Ihre jetzigen Kollegen kannte sie nur vom Proberaum, war mit ihnen weder befreundet noch sonst irgendetwas  und mußte noch dazu 1996 ein Jahr nach Sevilla , wo sie ihr Studium abschloß.  Bei ihren spärlichen Heimaturlauben erledigte  sie die restlichen Gesangsspuren, die für das Album benötigt wurden, an dessen Fertigstellung Stig mit seinen Kollegen werkte. 
"Als wir den Plattenvertrag mit Jive unterzeichneten, wußten wir nicht so recht ob Bronagh überhaupt in der Band sein wollte. Sie war damals noch in Spanien und nur schwer zu erreichen." , erzählt Stig. Und so kam es zum Appendix "with Bronagh Slevin", der mittlerweile obsolet geworden ist, da sie nun Vollmitglied ist. Ob wir sie jemals sehen werden, ist eine andere Frage. Ein Österreich-Konzert ist nämlich nicht in Aussicht. (alm)