:  hausmarke und freunde  : 
zu gast bei den turntablerockern   
 

 Wo aus "Throw you hands in the air" ein nicht minder energisches "Hände in die Höh, dort wo ich sie seh" wird, kann Michael Beck a.k.a. Dee Jot Hausmarke nicht weit sein. Deutscher Rap, dem bis noch vor vergleichsweise kurzer Zeit der Nimbus schlechter Produktion, aber dennoch fetter Lyrics anhing, hat sich aus seiner Gruft auf den Siegeszug rund um die Viva-kompatiblen saftigen Weiden des Kommerz gemacht. 
 

Und, wo sind sie alle hinverschwunden, die früher in kleinen Clubs aufgetreten sind? Zwischen Firmendebuts, Solo-Attituden und politisch unkorrekten coolen Sauereien tummelt sich vieles, was früher nur in kleinem Kreise respektiert wurde, auf breiten Bühnen.

 Michi Beck gehört nicht zum jenem Underground, der im Zuge eines momentanen Hypes an die Oberfläche der kollektiven Popkultur gespült wurde. Michi Beck hat den deutschen Hip Hop quasi miterfunden. In seiner Eigenschaft als langjähriger DJ und Produzent der Fanta Vier kollektiv als der langhaarige Turntabelist wahrgenommen, entschloß sich der Kölifornier den Schritt in die grenzenlose Freiheit des Solodaseins zu tun, und der Welt sein Verständnis von Hip Hop nahezubringen: Produziert ganz allein vom kongenialen Thomilla schlug das Album "Weltweit" auch ein wie die sprichwörtliche Bombe: Manche rannten vor der Explosion weg, andere freuten sich über ohrwurmartige, smooth produzierte Sounds, sozusagen die neue Dimension des Kopfnickens.

 Die Skepsis, einen der ganz großen eines der ganz kleinen Konzerte spielen zu hören, wischte Hausmarke im WUK problemlos von der Tischfläche. "Wo sind die Partyleute, wo sind die Partyleute, wo sind die gottverdammten Partyleute?" fragten sich Afrob und der Star des Abends in den ersten Sekunden des Konzerts - wahrlich, eine rhetorische Frage bei so viel Begeisterung für den Benztown-Sound der beiden MCs. Schon angeheizt von den zu Höchstform auflaufenden Schönheitsfehlern, die ihren fetten "Hampty Dampty" auf der Bühne herumspringen ließen, sprang der Funke mit Lichgeschwindigkeit aufs Publikum über. Nach den ersten vier Nummern dann eine kurze, aber durchschlagende Ankündigung Hausmarkes: "Begrüßt auf der Bühne: einen jungen Mann aus meiner Heimatstadt." Smudo. Punkt.

 Mit dreifacher Manpower auf der Bühne schafften es die Musiker, einige Stücke des Albums, die von der Präsenz der Gastrapper (Freundeskreis, Mele Mel, Scorpio, Wyclef Jean) leben, kongenial umzusetzen. Hausmarkes Musik pendelt zwischen Beat-Minimalismus, Hooklines und butterweichen Samples - New Yorker Einflüsse streitet er auch gar nicht ab. Neben der fantastischen Stimmung wäre auch noch der äußerst faire Eintrittspreis von 120,- ÖS zu erwähnen, zumal Thomilla, Hausmarke und Böahstab es sich nicht nehmen ließen, nach dem Konzert noch ausgiebig aufzulegen - sehr zur Freude der versammelten Kopfnicker.
 

 von: Richard Pettauer