:  helmet  :  Helm auf Post ab!

Helmi ("Augen auf, Ohren auf...") kommt nicht von Helmut, sondern von Helm (rot-weiß-rot gestreift); Helmet heißt zwar Helm, kommt aber von Helmut. . .  

Ebendieser ist der dt. Kanzler Kohl, der sich bei Page Hamiltons Austauschstudium in dessen Kopf breit gemacht hat. Soviel zur Etymologie des Namens, offenbar ein Symbol für Rundheit. Nebst Bandnamen hat Page aber noch etwas aus seiner Studienzeit in Deutschland mitgebracht: profunde Sprachkenntnisse. Beim Interview brachte er diese gekonnt zur Anwendung und hier ist es ungeschönt abgedruckt.   

Wie lange hast Du eigentlich in Deutschland studiert?helmet : sehr lustig  

Page Hamilton: Ein Jahr, leider viel zu kurz, aber das ist schon lange her. Das war 1982. Das war ein Austauschprogramm mit Baden-Würtemberg und dem Bundesstaat Oregon, wo ich aufgewachsen bin. Jetzt zum Beispiel würde ich natürlich gerne in Wien wohnen oder irgendwo in Österreich, das ist ganz anders als Deutschland. Das ist eine wunderschsne Gegend. Wien finde ich eine schöne Stadt. Very inspiring, würde ich sagen.   

Ihr wart ja schon recht oft in Österreich. Kannst Du Dich noch erinnern wie oft?  

Page Hamilton: Zum ersten Mal waren wir, glaube ich, 1990 in der Szene Wien mit "Strap It On", dann mit "Meantime" in der Arena, letztes Jahr beim Holzstockfestival in Ebensee - das hat Spaß gemacht - und im Juni waren wir in Wels.  

Im August hättet ihr mit Marilyn Manson in Wien spielen sollen. (Eine ungewöhnliche Verbindung, die durch das gemeinsame Label Interscope gestiftet wurde. Doch Helmet sagte ab. Großzügigerweise gewährten die Veranstalter den Zuschauern eine Refundierung von öS 30.- in Form von Essensmarken (Eintritt: öS 320.-). . . Anm. d. A.), Dieses Konzert ist ja leider ins Wasser gefallen.  

Page Hamilton: Wir haben mit Interscope gesprochen und die wollten, daß wir in den USA bleiben. Eigentlich wollte ich hierher kommen und habe mich schon darauf gefreut, aber es ist zur Zeit nicht einfach bei uns Rockmusik zu spielen. Jeder will Techno hören. Man muß ständig unterwegs sein und wir hatten eine so gute Tour im Sommer in den USA, daß wir einfach weiterspielen mußten.  

Die Mischung Marilyn Manson und Helmet paßt ja nicht unbedingt zusammen.  

Page Hamilton: Stimmt. Wir haben fünf Wochen zusammen in den USA getourt. Es war nicht schlecht, ziemlich nett. Naja, sie ksnnten nett sein, aber die Musik und die Gothic-Kleidung passen nicht zu uns. Außerdem machen sie eine Show - wir machen natürlich keine Show und das klappt nicht immer. Wir sind aber offen dafür und wollten es versuchen. Wir hätten ja auch in Wien miteinander gespielt, sogar im Freien, glaube ich...  

Von Februar bis Weihnachten waren sie fast ohne Pause unterwegs, um das zu Beginn der Tour noch neue Album "aftertaste" zu promoten. Von Ausgebranntheit oder Schalheit war am 8. Dezember im Wiener Rockhaus - einer der letzten Gigs - aber nichts zu bemerken. Page Hamilton hat aber auch schon ca. 1500 Konzerte in den Ellbogen. So seine Schätzung.   
Einer, der dieses Vergnügen sicher noch nicht so oft hatte, ist Chris Traynor (früher bei Orange 9mm), Helmets neuester Mann an der anderen Gitarre und erstmals mit auf Tour. Sein Vorgänger Rob Echeverria, sein neuer Arbeitgeber ist Biohazard, mußte ja ebenso nach "betty" seine Mütze nehmen, wie Peter Mengede nach "meantime".  

Peter hat euch nach "meantime" verlassen. Rob war der nächste. Habt ihr mit Chris den richtigen Gitarristen gefunden?  

Page Hamilton: Ich weiß nicht, ich denke schon. Er spielt gut und ist ein guter Typ. Ich mag ihn. Peter und ich waren zwei Jahre Freunde. Er war ok, aber dann ist er irgendwie losgegangen (?). Er spielte außerdem nicht so gut, er spielt ok, aber als Mensch fand ich ihn ein bißchen, wie sagt man, selfish. Egoistisch. Deshalb haben wir uns von ihm getrennt. Dann war er natürlich bsse und hat "Sachen" gesagt. Dann haben wir Rob kennengelernt. Er konnte ziemlich gut spielen, sehr "tight", gut zusammenspielen, aber sein Gefühl war nicht ganz "swing", nicht ganz richtig. Deswegen haben wir uns von ihm getrennt. Das war nicht einfach, weil wir ihn msgen. Er ist ein ganz guter Typ und wir sind immer noch Freunde. Aber wir haben das mit ihm drei Jahre gemacht und das ist genug Zeit, um zu wissen, daß er die Musik nicht beeinflußt. Wir wollten jemand, der Persönlichkeit miteinbringt. Ich kann nicht sagen, was du spielen sollst. Ich schreibe die Musik, ich spiele Gitarre und ich mache was ich mache. Die zweite Gitarre spielt genau, was ich spiele - rhythmisch. Und ich will lieber jemand haben, der sagt, "Wenn ich das mache klingt es etwas anders, aber es ist schön.", wenn er tolle Sachen spielt - wenn er Scheisse spielt, geht es nicht.   
Und mit Chris unterhalte ich mich viel über Musik. Er interessiert sich, hört viel Musik und er ist sehr offen. Er spielt toll. Auf der Bühne ist er auch begeistert, bewegt sich, ist nicht langweilig. Es macht Spaß Rockmusik zu spielen.   
Ich weiß nicht, was wir mit Helmet machen werden, aber mit Chris würde ich auf jeden Fall weiterarbeiten. Nächstes Jahr werden wir eine Platte aufnehmen. Die erscheint dann hoffentlich im Januar/Februar 99.   

Auf dem aktuellen Album "aftertaste" hast Du alle Gitarren eingespielt?   

Page Hamilton: Ja. Ich könnte das eigentlich immer machen, aber wenn man einen Gitarristen hat, soll man versuchen diesen auch zu benützen, sonst setzt er sich ins Studio und fragt, "Bin ich in der Gruppe oder was?" Für mich war es einfacher zu sagen, ich spiele die Gitarren und so habe ich die Platte nur mit John (Schlagzeug) und Henry (Bass) gemacht.  

Du sagst Du schreibst die Nummern. wie machst Du das mit Bass und Schlagzeug? Schreibst Du das auch?  

Page Hamilton: Nein. Wir spielen "in unison". Ich schreibe die ganze Musik, d.h. die Arrangements und Texte. Wenn du Bass spielst, mußt du das Ding einfach spielen. Natürlich muß er (Henry) die Fills und das Gefühl dafür selber finden. Auch John. Ich kann furchtbar schlecht Schlagzeug spielen und er kann das ganz toll.   
Wenn du Gitarre spielst - und ich habe das genau so gespielt, muß man, wenn man "tight" bleiben will, so spielen, nicht so: bchhhhrrr.   

"meantime" war ja ein ganz schsnes Stück akzentuierter als "betty" und "aftertaste". Es gibt da einen Artikel vom Rolling Stone 1992 , der da heißt, "Big Boom in Industrial Metal". Helmet und Industrial die Kombination ist gar nicht so weit hergeholt, obwohl ihr mit Elektronik eigentlich nichts am Hut habt. Eure Nummer auf "Judgement Night" mit House Of Pain hat ja ganz gut funktioniert. Gibt es irgendwelche Pläne Singles remixen zu lassen?  

Page Hamilton: Vielleicht werden wir das nächstes Jahr machen. Wir wollen nächstes Jahr ein paar Lieder schreiben und eine EP rausbringen Wir wollen im Juli wieder nach Europa kommen und auf Festivals spielen und ohne neue Platte hat das wenig Sinn. Und da würde ich das gerne machen. Ich habe schon mit Jim Thirlwell (Oha, Foetus! Anm. d. Red.) gesprochen - er ist ein guter Freund von uns. Aber es ist auch ziemlich teuer - 10 000 Dollar so ein Remix. Wir werden sehen.   
Einmal hat Hank Shockley von Public Enemy einen Remix von "unsung" gemacht.   

Wo bekommt man den?  

Page Hamilton: Nirgendwo. Der war schlimm, ganz schlecht. "Weich". - Das habe ich gehaßt. Ich habe natürlich auch mit Lethal von House Of Pain deswegen gesprochen, der spielt jetzt bei Limp Bizkit. Der ist ganz in Ordnung.  
Wir machen zwar Rockmusik, aber ich möchte was Neues spielen. Ich möchte immer noch Helmet bleiben und harte Musik machen, auch mit Popmusik, aber nicht so wie Nine Inch Nails. Elektronische Musik kann ganz toll sein, aber für uns wäre das unnatürlich. Ich habe schon einige Ideen und wenn Chris, John und Henry auch versuchen etwas Neues zu spielen weden wir es schaffen. Ich werde eine neue Platte machen - ich hoffe, daß es Helmet ist.   

Du hast auch gemeinsam mit Caspar Brstzmann eine Platte aufgenommen (Zulutime/Atvistic).  

Page Hamilton: Wir haben einfach drei Tage zusammen in einem Studio gespielt. Zwei laute Gitarren und wenig darüber gesprochen. Wir haben gegessen, geplaudert und zwischendurch 20 Minuten gespielt. Geraucht, Kaffee getrunken, in die Kneipe gegangen. Wieder gespielt...  
Wir wollten nicht über die Musik reden. Über Musik schon, aber nicht über das, was wir spielen. Es hat total Spaß gemacht. Es ist aber nicht einfach die Musik zu hören.  
Er kann super spielen und er hat mich sehr beeinflußt. Es ist sehr organisiert, aber auch untypisch, irgendwie so Jimi Hendrix mit etwas Neuem, so daß es Kunst war. Die Lieder können 15 Minuten lang sein, aber nicht einfach. Es ist keine Popmusik. Er ist ein toller Gitarrist und ein guter Mensch auch. Diese Platte, die wir gemacht haben. Es machte unheimlich viel Spaß, nicht in meinem Zimmer zu sitzen und Lieder zu schreiben. Es ist einfach Musik zusammen machen, hören und sich musikalisch unterhalten.  
Ich mag die Platte, aber mache Freunde sagen, "Helmet ist toll, aber diese Platte...nein". Das verstehe ich. Das ist ok. Es gibt auch Leute, die Helmet mögen, aber keinen Jazz. Ich spiele ab und zu Jazz zusammen mit Freunden.  

Wie sieht Euer Publikum jetzt aus. Sind es immer noch die alten Fans, die kommen oder auch neue?  

Page Hamilton: Ich weiß nicht. Sie sind ziemlich jung. In Paris haben wir nach einem Konzert 15 oder 20 junge Leute getroffen, die einen französischen Fanclub machen wollten. Vor sechs oder sieben Jahren kamen nur Jungs auf unserer Konzerte. Die Musik verändert sich: z.B. Bush macht jetzt Pop. Laute Gitarren, aber Pop. Die Leute wollen etwas Interessanteres hsren. Die Musikindustrie glaubt, daß die Leute blöd sind. Das sind aber die 30-40-jährigen, die Bryan Adams oder Billy Joel hören. Junge Leute wollen was Neues hören.   
Nicht immer. Aber Paris ist eine große Stadt oder z.B. bei uns in NY oder Washington DC . In den kleinen Städten haben sie nur MTV. Da hsren sie dann Bush oder No Doubt.  
In Europa ist es momentan sehr anstrengend, weil Technomusik ganz stark ist.  

Aber Techno ist ja keine Konkurrenz zu Helmet. Man hört ja nicht auf Helmet zu hören, weil man jetzt Techno hört.  

Page Hamilton: Na hoffentlich. Einige Sachen liebe ich auch; wie Squarepusher .  

Ihr habt ja eine Internetseite: www.helmet.org . Ist das eine Offizielle?   

Page Hamilton: Kann sein. Ich kenne mich da nicht so aus mit dem Internet. Ich weiß, das ist schlimm. Aber jemand hat mir gesagt, daß wir 22 oder 23 Seiten haben. Das ist toll, aber die meisten sind Fans. Es gibt aber nur einen, der für uns arbeitet.   
Ich engagiere mich zur Zeit mehr für mein Studio, das bei mir zu Hause entstehen soll. Ich bin interessiert an analogem Equipment.  

Synths?  

Page Hamilton: Mischpulte, feine Röhrenverstärker. Eventuell lege ich mir einen Computer zu, um Parts für andere Musiker zu schreiben. Streicher oder so.  

Nuff said. Thanks. (alm)