Here is the damn album "Already"  :  jesus jones :  

1991 hatten sie mit "Right Here, Right Now" einen Welthit (zeitgleich mit EMF's "Unbelievable"). Dann sind sie sukzessive von der Bildfläche verschwunden. Eine Frage, die man  anläßlich des neuen Albums stellen muß: Was ist passiert?  

Vor 6 Jahren waren Jesus Jones zwar heiß und frisch, aber von ihrem musikalischen Höhepunkt noch weit entfernt.  
Die Ungestümheit ihres Debutalbum "liquidizer" (1989) wurde bis zum Nachfolger "doubt" gehörig gedrosselt, der grobe Einsatz von Samples und Gitarren deutlich verfeinert. Der Weg für Charterfolge war geebnet und der Welthit "Right Here, Right Now" schaffte es sogar im Udo-Huber-gekreuzigten Österreich in die Hitparade.  
mike edwards im container1992 hatte Mike Edwards (Stimme, Elektronik, Gitarre, Komposition) gar schon "doubt's" Nachfolger fertiggeschrieben und, seiner Meinung nach, die erste Platte fertiggestellt, die er sich im Gegensatz zu den beiden ersten noch später anhören würde können. In der Tat hebt sich "Perverse" deutlich von seinen Vorgängern ab. Mike Edwards gab sich eindeutig den damals progressiven Einflüssen von Techno hin und produzierte ein außergewöhlich technisches und innovatives Popalbum.  
Doch die Veröffentlichung wurde immer wieder nach hinten verschoben, und mit jedem Tag, der verging, schwanden die Chancen an den Erfolg von "doubt" anzuknüpfen...  

...und so wird man unbekannt.  

Als "Perverse" 1993 erschien, war das Boot noch nicht ganz aus dem Hafen, aber der erwartete Erfolg blieb aus. Hätte Mike Edwards ein paar seichte Songs à la "Right Here, Right Now" aus dem Kopf gezaubert, würde Jesus Jones jetzt vermutlich auch in einer Liga mit Labelkollegen Blur spielen, aber er hatte sich bekanntlich für den harten Pfad entschieden.  
Dennoch kein Grund zur Verzweiflung, Album Vier war bereits im Entstehen und Mitte 1995 praktisch fertig. Bis dahin hatte Mike Edwards 28 neue Songs geschrieben und aufgenommen. Doch die Produktion erwies sich labelseitig als nicht zur Veröffentlichung geeignet (?) und man entschloß sich, auf einen anderen Produzenten (Martyn  Phillips) zurückzugreifen, mit dem es schlußendlich gelang ein Album fertigzustellen.  
Auf den Vorschlag eines Fans hin wurde es dann "Already" als Abkürzung von "Here's the damn album already." benamt.  
Viereinhalb Jahre dauerte es also bis man die neue Platte hören konnte; das Werk war fast zwei Jahre schubladisiert und das mehrmalige Aufnehmen kostete der Band ihren Drummer Gen, der die ewigen Wiederholungen satt hatte und auf halbem Weg zum neuen Album die Band verließ. Ein Verlust, den Jesus Jones leicht verkraften konnte, da ohnehin alles von Meisterkopf Mike Edwards gemacht wird.  

...und so wird man unsichtbar  

Der Flop des neuen Albums hatte sich schon nach der Veröffentlichung von "Perverse" abgezeichnet, obwohl "Already" genau das ist, worauf die Fans nach "Right Here, Right Now" gewartet hatten, nämlich "doubt#2".  
Mike Edwards greift wieder auf den alten Gitarrenpop zurück, den er mit "Perverse" hinter sich gelassen hatte und die erste Maxi "The Next Big Thing" erinnert etwas an "Right Here, Right Now", was will man mehr. Alles in allem, alles beim alten und dennoch eine Enttäuschung, obwohl "Already" ein ausgesprochen reifes, gelungenes Werk ist. (alm)