:  junkie xl  :  Xpanding Limits On Saturday Nights...

Tom Holkenborg, war mit dem letzten Album seiner Band Nerve nicht zufrieden, "Ich mochte das erste Album, das hatte eine Menge Breakbeats und war mehr elektronisch, aber das zweite klang mehr nach Metal, weil der Produzent es mehr auf Ministry trimmen wollte. Aber das war nicht mein Weg..."  Von : Paul Litschauer : 

Mit Junkie XL befindet sich Tom genau dort, wo er immer sein wollte: im musikalischen Schlaraffenland. Nach der Auflösung von Nerve fand er im Rapper/Singer Rudeboy (Urban Dance Squad) eine zu ihm passende Ergänzung, "Ich habe bei Nerve gesungen und viel geshoutet, ich mochte damals aggressive Musik, es konnte gar nicht hart genug sein, aber es kam dann der Punkt, wo ich einfach nicht mehr singen wollte. So wollte ich dann einen wirklich aggressiven Rapper wie Rudeboy (a.k.a. Microphone Nazi). Das wollte aber Phil nicht, und das Projekt fiel entgültig auseinander." Der holländische Elektroniktüftler begann also alleine weiterzuarbeiten, die Breakbeats des ersten Nerve Albums wurden mit "heavy guitars" und mehr Dance Influences gemischt, was im Endeffekt das Junkie XL Album daraus ergab.  
XL steht für Xpanding Limits, "Ich höre alle Arten von Musik...halte meine Augen offen für alle Richtungen und mache mein eigenes Ding daraus...das Junkie steht nicht für einen Drogensüchtler, ich bin eher ein Workoholic, verbringe viel Zeit im Studio...daher nennen mich meine Freunde Junkie"

Sind denn nun Junkie XL Wellenreiter oder gar ihrer Zeit voraus? "Der größte Unterschied zwischen all den BigBeatbands wie Prodigy, Chemical Bros., Fatboy Slim und uns ist, daß alle von der Danceszene kommen, und ich von der Rockmusik. Wenn du dir Prodigy anhörst, erkennst du genau, das war eine Danceband, aber wenn du dir Tracks wie Saturday Teenage Kick reinziehst, wird schon schwerer. In dem Genre arbeiten wir mehr mit Popsongs als die anderen. Ich denke, die nächste Chemical Bros. wird um einiges mehr Vocals draufhaben, genauso wie die neue Prodigy mehr Pop orientiert werden wird. Anfangs war die Stimmung so, daß Junkie XL für einen billigen Prodigy Rip Off gehalten wurde, aber nun ändern sich die Dinge, und Prodigy sollte sowas wie wir machen. Außerdem können Songs vom ersten Nerve Album wie Daedalus heute genauso gespielt werden. Daher muß ich vor den Leuten, die die Scheibe haben, nicht rechtfertigen woher ich komme. Ich arbeite ja schon seit 8 Jahren mit Elektronik und Gitarren.
Wenn man jedoch Nerve mit Junkie XL vergleichen will, stehen da einander Verkausfzahlen von 5000 und mehr als 100.000 gegenüber. 
Da gibts' zum Beispiel Bands wie Lunatic Calm oder Pitch Shifter, die mehr als Industrialband begonnen haben, und für die ist es jetzt ziemlich schwer diesen Crossover einem Publikum näherzubringen, weil sich alle denken, oh, das ist diese Industrialband...Rudeboy kann jedoch shouten, rappen und singen wie er will, und jeder findet es cool, weil er ursprünglich ein Rapper ist. Puff Daddy kann Nummer Eins in den US Charts werden, wenn er über eine harte Gitarrenspur der Foo Fighters rappt, weil er eben Puff Daddy heißt. Würden Ministry den Song machen, wären sie nicht Nummer eins, weil sie eben diese seltsamen Indusrtrial Typen sind. Wenn also die neue Junkie XL das 3. Nerve Album wäre, hätten wir ein großes Problem. Es würde nicht akzeptiert werden. Weil ich also dieser seltsame Kerl aus Holland bin, der mit dem Gitarristen von Fear Factory arbeitet und einen Industrial Background habe, dann bin ich also ein billiger Prodigy Rip Off..... solange, bis sie uns live sehen." 
Prodigy Rip Off... das gleiche meinen Prodigy über Apollo 440, vielmehr, sie finden sogar Apollo einen äußerst schlechten Rip Off (Obwohl @440 total anders klingen und live auch richtig spielen können...). Dazu Tom, "ich finde es grundsätzlich ziemlich dumm über andere Bands so herzuziehen. Wenn du deinen Wert dadurch zu beweisen hast, indem du sagst, jemand anders ist scheiße, dann hast du wohl ein Problem. Jeder hat das Recht Alben rauszubringen, aber...was hältst du von der Band...die sind scheiße...oder von der...they suck...es sagt nichts von deiner Musik aus."
 
In der Arena konnten Junkie XL ihre spielerischen Qualitäten unter Beweis stellen. Man merkte die Bemühung um eine mitreißende Umsetzung des Studiowerkes, und das tat ihren ohnehin dancefloorlastigen Songs gut. Jedoch schien manchmal der Wunsch, besonders viele Musikrichtungen darzubieten etwas zu künstlich: Der Sänger/Rapper hätte mehr den charismatischen Frontman mimen sollen als den Boygroup Tanzbär, denn manche melancholisch anmutenden (Gitarren-) Popsongs schrien förmlich nach mehr darstellerischem Tiefgang. Wäre also die Bandshow eher auf Rock, und nicht auf DJ Bobo (ein Tänzer kam manchmal dazu) ausgelegt gewesen, hätte es der durchaus erwachsenen Audienz sicher nicht mißfallen. Doch das Publikum blieb - wie von Wien zu erwarten - lange Zeit sehr distanziert. Es ist halt ziemlich dämlich, die schon spärlich besuchte Arena an einem Dancemusic Gig hintenrauf im Sitzstreik zu besetzen, um so vorne ein fast beängstigendes Loch "schauen" zu lassen. Die meiste Energie verbreitete der hinter Elektronik und Mischer verbarrikarierte Tom, der es im orbitanten Herumtolltaumel manchmal mit dem Fade in und Fade out der Spuren etwas übertrieb... mein Tip: Live gewechselte Seiten von  Frontman und Elektriker würden Junkie XL auf ihrem Gebiet perfektionieren.