:  monster magnet  :  zelebrieren den Exzeß 

Dave Wyndorf im Gespräch

"Sex, Drugs & Rock’n’Roll gehören zusammen wie Ham & Eggs. Du mußt nur mal drei Tage in den Tour-Bus steigen und es endet mit Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Das Klischee ist noch sehr stark am Leben!" Ein gut aufgelegter Dave Wyndorf erklärt gleich mal, wo der Bartel den Most herholt. " Ich kann mir nicht vorstellen, Straight Edge Hardcore zu sein, du verleugnest dich und deine grundlegenden Freuden im Leben damit. Das kann eigentlich nur zu einem Nervenzusammenbruch führen, das ist eine Art Faschismus." 
Man schreibt das Jahr 1995, eine bis dato eher Insidern bekannte Band aus New Jersey bekommt das süße Aroma des Erfolgs zu schmecken. Mit einer abgefahrenen Mischung aus 70er Jahre Hardrock, ausgespacten Effekten und lustigen Instrumenten bereichern Monster Magnet die Musikwelt mit der Platte "Dopes To Infinity". Das ausgeflippte Video zu "Negasonic Teenage Warhead" kommt zu MTV-Ehren und Aussagen zu ihrem Drogengebrauch machen in diversen Magazinen die Runde. Eine ausgedehnte Welttournee folgt und Mastermind Dave Wyndorf setzt sich 1996 an den Schreibtisch, um Bilanz zu ziehen. Von finanziellen Angelegenheiten etwas ernüchtert, hält es ihn trotzdem nicht im stillen Kämmerlein und er stürzt sich wieder in die Arbeit. 
Das Ergebnis ist das neue Album "Powertrip", das im Juni erscheinen wird. "Ich habe viel gelebt dazwischen.", erzählt Wyndorf, "Wir waren auf Tour, das war die längste, die ich in meinem Leben gemacht habe. Aber das, was sich hauptsächlich verändert hat, ist, daß wir im wirklichen Leben ein bißchen erwachsener geworden sind. Die Welt ist doch viel größer, als ich gedacht habe." Eine Horizonterweiterung also, die sich auch musikalisch niederschlägt. Die Songs auf "Powertrip" strotzen durchwegs von Energie, auf überladene Effekte hat man diesmal aber weitgehend verzichtet. Zum Songschreiben hat sich Dave Wyndorf nach Las Vegas zurückgezogen, um einerseits Abstand zu gewinnen, andererseits konzentriert an den Liedern arbeiten zu können. "Las Vegas ist einfach verrückt. Ich mußte einfach allein sein, um neue Songs zu schreiben und Las Vegas ist ein Symbol für die Dinge, mit denen ich mich beschäftigt habe, als ich mit den neuen Songs angefangen habe. Ich hab mich mit einer Menge Business- und Finanzdingen auseinandersetzen müssen, die halt auf eine Rock’n’Roll Band zukommen. Ich mag da zwar gar nicht daran denken, aber ab und zu muß man sich damit beschäftigen. Aber anstatt abzuschalten und die Probleme zu vergessen, hab ich mich entschlossen, an den verrücktesten und symbolträchtigsten Ort, der für all das ganze Geld und den Rock-Stuff steht, zu gehen und dort meine Zelte aufzuschlagen. Ich hab mich in einem Hotel isoliert, das war eine ziemlich verrückte Erfahrung. Las Vegas ist nicht unbedingt der Ort, an dem du alleine sein willst, aber ich hab das gemacht." Und er hat sich zur Aufgabe gestellt, jeden Tag einen Song zu schreiben: "Es ist zwar nicht möglich, jeden Tag einen großartigen Song zu schreiben, aber es ist möglich jeden Tag einen Song zu schreiben. Ich hab 21 Songs geschrieben und von den 21 haben wir dann 13 für die Platte verwendet. Da war also auch ein großer Teil beschissener Songs dabei. Aber das gute an der Sache war, daß ich meine Intuition verwenden mußte und nicht zu lang über ein Problem nachdenken konnte. Anstatt viel Zeit für einen Song zu verwenden, habe ich so wenig Zeit wie möglich genommen, um den Song so spontan, wie es nur geht, zu gestalten. Das ist Rock und so sollte Rock’n’Roll auch gemacht werden. In sehr kurzer Zeit, unter sehr großem Druck." Druck, den sich Wyndorf aber vor allem selbst auferlegt. Im Studio seine Ideen zu verwirklichen ist oft nicht einfach. "Es ist schwierig", sagt er, "weil so viele Leute mit denen du arbeitest, nicht verstehen, von was du redest. Und manchmal tendiere ich auch dazu, mehr zu wollen, als was technisch möglich ist. Wenn ich also möglichst nah an das herankomme, was ich mir vorstelle, bin ich sehr, sehr glücklich. Auf dieser Platte wollte ich einfach so "live" und unmittelbar wie möglich klingen." Fünf Leute am Mischpult pflastern den Weg zum optimalen Sound von Powertrip: "Die waren alle überzeugt davon, daß ich wieder eine spacige Platte machen wollte und wollten nicht wahrhaben, daß ich es roh haben wollte. Das ist so, wie wenn du mit jemanden ins Kino gehst und der den Film nicht mag, dann wirst du ihn nicht davon überzeugen können, daß er ihm gefällt. Aber wenn du mit jemanden gehst, der so drauf ist wie du, dann kommst du gut mit ihm aus. Das ist das selbe. Ich hab einfach fünf Mischer gebraucht, bis ich an den richtigen geraten bin."
Und wie kommt man auf so außergewöhnliche Songtitel wie "Baby Götterdämmerung"? "Vielleicht hab ich zuviel Wagner gehört. Nein, mir hat einfach die Idee der Götterdämmerung gefallen. Im Song geht es einfach nur darum, daß ich realisiert habe, daß man Leuten mit der Wahrheit genauso weh tun kann, wie mit Lügen. Ich hab in meinem Leben viele Lügen erzählt, ich hab mich jetzt entschlossen, die Wahrheit zu sagen in persönlichen Beziehungen, mit Frauen und so. Das war irgendwie das Ende meiner bisherigen Daseins und ein Wort wie "Götterdämmerung" war da einfach passend."
Monster Magnet bereiten sich gerade auf die Tour zur Platte vor. Im Juni geht's in Amerika los, im Sommer kommen sie nach Europa. Österreichdates sind für den Herbst in Planung. 
Was kann man von einem Monster Magnet-Konzert erwarten? Bombastische Licht-Effekte und Explosionen...? "Ja! Soviel wir kriegen können! Hoffentlich haben wir genug Geld für Explosionen. Normalerweise sind Monster Magnet-Shows ja die Zelebrierung des Exzeß. Exzeß des Sounds, Exzeß des Lichts... Ich möchte auch Tänzer auf der Bühne haben. Monster Magnet-Konzerte sind ja eine Art Massenveranstaltung! Eine psychedelische Hardrock-Massenveranstaltung." So wie GWAR? Mit Blut und Puppen und so...? "Ja, vielleicht. Aber ich bin ja nicht so heiß auf Blut, mehr das Feuer- und Nackte-Frauen-Ding!"

Das klingt ja recht vielversprechend...(flo)