:  P  :  Dancing Queen?   
 
 

Am 12. Dezember 1997 sollte ein auf den ersten Blick doch denkwürdiges Ereignis in Wien stattfinden: Hollywood-Rebell Johnny Depp beehrte mit seiner Band P anläßlich der Präsentation einer österreichischen Modefirma die Hauptstadt. Daß das Ganze dann doch relativ überzogen war, wird sehr schnell klar.

 

Schauplatz 1, 10:10: U-Bahn Station Karlsplatz, Aufgang Wiedner Hauptstraße

Zwei Straßenmusikanten erfreuen Passanten mit Zigeunerliedern. Ein kleiner Mann mit langem Mantel, Sonnenbrille und einer Pizza-Schnitte, erst bei genauerem Hinsehen als Johnny Depp, der Star, zu identifizieren, gesellt sich dazu. Nach einer Spende von 100.-, macht er sich zum Hotel auf. Auch nur ein Mench also.

 

Schauplatz 2, 10:30: Hotel Triest

Die Pressekonferenz beginnt mit einem für Unbeteiligte doch recht amüsanten Foto-Shooting. 20 Fotografen versuchen, teilweise übereinanderstehend, in drei Minuten das beste Foto von Johnny Depp beim Zigarettendrehen zu schießen.  Anschließend gewährt uns die Band die Gnade, ein paar Fragen an sie zu richten:
 

Ob es einen großen Unterschied zwischen Schauspielerei und Musik machen gibt, wollen wir wissen.

Johnny Depp: "Es ist ein großer Unterschied! Ich war ja schon lange Musiker noch bevor ich Schauspieler wurde. Musik ist ein viel organischeres Ding, viel mehr für den Moment, beim schauspielen sind ja so viele Leute, die für ein Ding arbeiten und du weißt, was am Ende dabei rauskommt. Wenn man Musik macht, weiß man das nicht so genau, speziell bei einer Band wie P!"

Die Frage nach dem absoluten Flop ihrer Platte stellt sich natürlich auch.

Johnny Depp: "Wir haben der Plattenfirma damals verboten, Werbung mit uns zu machen. Sie durften sie nicht über unsere Namen verkaufen, es gab keine Fotos, Videos und so. Wir wollten ja keine Verkäufer für irgendetwas sein. Und sie haben sie tollerweise genau zur selben Zeit veröffentlicht, wie die Beatles-Anthology. Das war ein genialer Weg, um sie zu begraben."

Aha, so ist das also...

Ansonsten gab es nur mehr oder weniger lustige flapsige Bemerkungen zu hören. 
 

Schauplatz 3, 00:25: Sofiensäle

Nach einer wirklich sehr professionell gestalteten Modeschau von Estebe ist es soweit: P betreten die Bühne. Sänger Gibby Haynes (unter anderem auch bei den Butthole Surfers beschäftigt) macht das, was er immer macht: sich lustig aufführen und mit seinem Stimm-Verzerrer spielen. Johnny Depp spielt einen soliden Part als Rhythmus-Gitarrist, auch die anderen Musiker geben sich keine Blöße und das Konzert ist eigentlich sehr unterhaltsam. Dem Publikum (hauptsächlich junge Mädels mit sehr wenig an und älteren Herren im Anzug) wird das laute gegrunge aber doch schnell zuviel und der Saal leert sich. Nach 40 Minuten wird Gibby Haynes mehr oder weniger gewaltsam von der Bühne entfernt, allerdings nicht ohne zuvor noch einen Stuhl anzuzünden. 

Soweit der offizielle Teil des Wien-Besuches von P. Der inoffizielle hatte aber noch einiges zu bieten. Zwei Tage später folgt ein umjubelter Gig im U4, wo P auch viel besser hinpaßt, als in die Nobelhütte Sofiensäle. Am Mischpult saß kein geringer als die mitgereiste Produzenten-Legende Rick Rubin und so wird das Konzert viel entspannter als der erste Auftritt und mit eineinhalb Stunden auch um einiges länger.

Was war sonst noch? Horden hübscher Mädchen beim Meet & Greet, eine Privatführung im Schloß Schönbrunn und angeblich ein durch eine seltsame Zigarette ausgelöster Feueralarm im Hotel...