:  pearl jam  :  Früchte des Zorns?    
 

In letzter Zeit ist es um die Mannschaft von rund um Eddie Vedder ja ein bißchen still geworden. Jetzt melden sie sich mit einem neuen Album zurück - meldet Florian Bauer
 

Die letzte Veröffentlichung der fünf aus Seattle stammt auch schon wieder aus dem Jahr 1996. "No Code" wurde in kurzer Zeit mit dem neuen Schlagzeuger Jack Irons eingespielt und die Verweigerung von Interviews und Videos zu der Platte wirkte sich auch negativ auf die Verkaufszahlen aus. Gerüchte von Band-internen Streiterein machten die Runde. Anläßlich des neuen Albums "Yield" lassen die medienscheuen Musiker wieder etwas von sich hören. In einem Interview mit Dave Marsh für Epic Records erzählen sie über das neuen Album. "Ich glaube, wir sind eine Zeitlang durch’s Feuer gegangen", erklärt Gitarrist Stone Gossard, "wir haben aufgehört, Interviews zu geben und Videos zu machen. Dadurch hat sich alles ein bißchen beruhigt, und wir haben uns gedacht, "wir machen diese Sachen jetzt nicht mehr und trotzdem läuft alles weiter. Wir können einfach nur mehr Platten aufnehmen, vielleicht verkaufen wir nicht mehr soviel, aber alles geht weiter". Ich glaube, da durchzugehen, hat uns sehr geholfen unsere persönlichen Probleme zu bewältigen und die wahren Hintergründe unserer Streits zu erkennen." Drummer Jack Irons fügt hinzu: "Diese Band will einfach zusammen sein. Wir hatten unsere Schwierigkeiten, das ist jetzt vorbei. Wir müssen zwar noch immer damit umgehen, aber irgendwie hat es seinen Einfluß auf uns verloren. Jeder kriegt jetzt eine Chance zu sprechen und niemand muß etwas unterdrücken. Also wir sind einfach gute Freunde, die zusammenkommen, Musik machen und die Leute mögen es." 

 

Aus diesen Streitigkeiten sind Pearl Jam mit neuer Kraft herausgegangen, man merkt es der Platte an. Obwohl das sogenannte Mediending "Grunge" tot ist, ist "Yield" ein sehr lebendiges Album geworden, Hard-Rock und Punk sind wieder zu treibenden Einflüssen geworden. Bei Songs wie "Do The Evolution" oder "Pilate" lassen sie eher den Rocker heraushängen, während andererseits auch sehr nette Balladen ("Low Light", "In Hiding") auf dem Album sind. Jack Irons hat sich endgültig in die Band integriert und einen nicht unwesentlichen Anteil am frischeren Sound. Pearl Jam beweisen mit "Yield", daß sie noch lange nicht zu der aussterbenden Gattung der Rock-Dinosaurier gehören. Im großen und ganzen sind die Songs zwar einfacher gestrickt als etwa auf "No Code", aber dafür merkt man ihnen auch wieder Spielfreude an. "Was das Songwriting betrifft" versucht Bassist Jeff Ament den Entstehungsprozeß zu umreißen, "sind wir diese Platte ganz anders angegangen. Ich glaube, es ist das erste Mal, daß fast jeder zu den Proben mit Demos von kompletten Songs, Song-Teilen oder Ideen gekommen ist. Ich glaube, von daher waren wir einfach viel mehr zusammengekommen." Auch Jack Irons schlägt in diese Kerbe: "Diese Platte war viel entspannter. Wir haben uns absichtlich mehr Zeit genommen, um Songs aufzunehmen und dann wegzugehen und eine Perspektive zu kriegen, wo wir außerhalb des Aufnahmeprozesses standen. Dann kann man leichter zurückkommen und die angebrachten Veränderungen machen. Wir haben uns nicht beeilt, damit fertig zu werden. Die Kreativität hat so viel natürlicher fließen können, als wenn wir versuchten hätten, alles in sechs Wochen runterzuspulen." Pearl Jam haben im Laufe der Jahre also endlich zu sich selbst gefunden, ihre urtümliche Energie haben sie auf diesem Weg aber nicht verloren. "Ich glaube schon, daß wir uns verändert haben", meint Gitarrist Mike McCready, "wir sind einfach nicht mehr so verrückt, wie wir waren, als wir anfingen. Wir sind mehr mit uns und unserer Musik zufrieden. Teile dieser Platte erinnern mich aus irgendwelchen Gründen an die Spannung der ersten Platte. Also gibt es etwas, das sich nicht verändert hat." Und sie haben endlich auch ihre innere Ruhe gefunden. Sänger Eddie Vedder. "Wir sind jetzt wirklich über den Berg. Jetzt geht es weiter, wir sind wieder eine Band und machen was wir wollen. Wir haben das etabliert was wir machen und verteidigen uns nicht mehr. Wenn jemand das nicht mag, "Fuck Off!". Ich hab wirklich keine Zeit mehr zuzuhören. Ich mache etwas Gutes mit meinem Leben und fordere alle auf, dasselbe zu machen." Ein nettes Schlußwort.