:  planet e   :  text: karina schwann

"When you're up when you're down it's like a Roller Coaster on the end of town" (Textsequenz aus einer ihrer Maxi-Singles) - wie dieser Roller Coaster (zu Deutsch Berg- und Talbahn) zogen wir von einer Bar in die nächste, um die coolsten Trinkstätten des 4er, zur Zeit 5er Ensembles Planet E (Gaststar Ritchie Glamour - jazziger Trompetenengel mit Teufelsmimik) genauer auszuforschen. Durch die Techno Bewegung verbinden viele den Namen der Gruppe mit der Designerdroge Extasy. Diese Assoziation liegt weit entfernt von der bandeigenen Interpretation: Planet jo eh' oder Planet Elvis, ziehen den funkigen Live-Act Spezialisten das wirkliche Image über. Laut Hannes Duscher, Sänger und Gitarrist der E-Formation, bezeichnen sie sich als österreichische fin de siecle oder die end-of-the-century Protagonisten: "Vorher hat es uns nicht gegeben, später wird's uns auch nicht mehr geben". Der Musikstil der Space-Virtuosen ist ein undefinierbares Hybrid aus groovigen Drum & Bass, TripHop oder Progressiv-Hip-Hop Rythmen, die sich in ihrer Gesamtheit als lebendige, einlullende, elektronische Musik zum Einefolln präsentiert. Die Elektronik wird bei Planet E nur als Mittel zum Zweck gesehen, wie ein Kochtopf indem alle Zutaten zu einem leckeren Brei verkocht werden. Die Texte sollen, ähnlich wie bei Attwenger, Keywords sein, die nicht in ihren einzelnen Konstellationen, sondern im zwischen den Zeilen hören als Message zu verstehen ist - eine herkömmliche Musikanalyse wären wie die Saiten einer Gitarre ohne dem passenden Hohlkörper. "Wir sehen uns als Dreamcatcher emotionaler Schwingungen", wirft Dr. Bush, Drummer Mex, ein.

Freitag 23.00 Uhr - Tatort: Blue Box (7, Richtergasse 8): H-nes, Bandvati und DJ bei Planet E, ist der Verantwortliche für die an diesem Tage vollgestopfte Blue Box. An die Wand projezierte Herzerln und Kerzen servieren Weihnachtslaune auf Kitsch-Kult-Basis. Quatsch, Tratsch und Mex, k(w)uscheliger Langhaar-Drummer, verfällt in eine tiefe Diskussion über den heutigen Wert der Musik: "Die menschliche Nähe und die Stars zum anklammern fehlen in der heutigen kalten Hi-Tech-Society. Steriles, fades Techno-BumBum war für tausende Jugendliche der Grund ihrer, von der Gesellschaft ausgegrenzten Einzelhaft." Diesem übertriebenen Individualismus will Planet E durch Elektronik einerseits und Live-Band zum Angreifen andererseits ein Ende bereiten. Inspirieren lassen sich die fünf schnuckligen Space-Kadetten mit Echtheits Zertifikat, durch diverse andere musikalische Ohrenschmäuse, Filme und Girls. "Daher ist die Blue Box, durch die stetige Präsenz live amtierender DJ's, ein Muß für Musikinteressierte", meint die österreichische Hip-Band. Auch das flinke und attraktive Personal ist vom Inhaber Herbie Molin bestens auserkoren, um das zu später Stunde servierte Gulasch noch gschmackiger dem hungernden Knülch einverleiben zu können.
Ihre erste Maxi Green Girl handelt nämlich von der Begegnung mit einer außerirdischen Schönheit an Nachbarsecke. Die grünen Girls animieren somit nicht nur Akte - X Experten zu neuen Höhenflügen durchs weite All, sondern auch g'standene österreichische Musik-Fantasten. So kam es, daß Planet E zunächst unter dem Label Uptight (Werner Geyer) und nun mit Universal (a:head) Hamburg (u. a. Sofa Surfers), einen Plattenvertrag unterzeichneten. Gemeinsam schweben wir also weiter zum coolen Roxy (4, Faulmanngasse 4), um mit außerirdischen Lebensformen schmusend in der mit Tiger-Applikationen und rotem Schummerlicht ausgestatteten Kuschelecke, der Nacht ein Ende zu bereiten.

Montag 21.00 Uhr - WUK (9, Währingerstraße): Mohn- oder Schokoladekuchen? Auch wenn die beiden sich zum Verwechseln ähnlich sehen, entscheiden wir uns für Flüssignahrung - BIIEEER. Ein echtes Kühles holt auch Super Gergi, alias Gerhard Wieser (Baß und Programm) wieder auf den Boden der Realitäten zurück: "Eigentlich sind uns hier die Dancefloor-Veranstaltungen in den hinteren Räumen des WUK sehr ans Herz gewachsen (inkl. Tomtschek's H.A.P.P.Y). Das WUK-Beisl, als virtuelles Flashback der normal sterblichen Erdbewohner, hat schon auch seine nützlichen Seiten - ehrliches wienerisches Gesudere oder tirolerisches Dischkutarieren, sollten in der Welt eines Musikers nicht fehlen. Nein, wir heben uns nicht in den Musikerhimmel der Unantastbaren - wenn ihr es auch nicht tut." Seit 2 Monaten treiben sich die Jungs sowie die weiteren Mitgliedern der Wiener Beat-Familie - Kruder & Dorfmeister, Pulsinger & Tunakan, Cpt. Joghurt, Demon Flowers (Werner Geier), Hergo, Makossa etc. im eigenen Studio herum und nehmen ihr neues Album auf. Daher bleibt im Moment nur wenig bis gar keine Zeit dem Live-Konzert-Spektakel nachkommen zu können.
Montag 24.00 Uhr - Schauplatz FLEX(1, Donaukanal, Augartenbrücke):Das damalige alte Flex im 12. Bezirk kommt ins Gespräch. Lautes Gelächter - Jugenderinnerungen werden wach - Tischfußballspielen, Punkkonzerte, Gulaschkanone. "Trotzdem ist das alte Flex mit dem Heutigen am Donaukanal nicht zu vergleichen", so Bandvati DJ H-nes. "Sie machen einfach alles richtig - relativ niedriger Eintritt, exzellente Location auch für Spechtler (1. Stock) geeignet, für Kids als auch für älteres, anspruchvolleres Publikum genial und sie lassen sich von ihrer unabhängigen, eigensinnigen Linie durch nichts und niemanden abbringen - sie kralln niemanden in Orsch", bringt Super Gergi die Sache auf den Punkt. Pappbecher, Graffiti und schummriges Licht sind mitunter die Initiatoren einer ungezwungenen Stimmung. Das - wie schaust denn Du aus - Syndrom, fällt weg. Tom Eller, Flex-Promoter, hat neben der Vielfältigkeit des musikalischen Angebots (Sugar B, Gü-Mix, Sweet Susie, Drehli Robnik's Sonntagscafé Soft Egg) einen jugendkulturellen Trend-Club der späten 90iger aus der Grube gehoben. Und zwischendurch und mitten drunter, verschönern zahlreiche Internationale Gastmusikanten noch zusätzlich das tolle Flex.

Dienstag 21.30 Uhr - Pulse (7, Schottenfeldgasse 8): Die vibrierende Barlounge mit hochqualitativen DJ - Sequenzen (Crazy Sonic, DJ Urbs, Sweet Susie, Demon Flowers uva.) hält uns in einer virtuellen Welt der Videoanimationen gefangen. Der Planet-Insidertip wenn man am Puls der Zeit ein paar Vodka kippen will. Dienstag 23.00 Uhr - Chelsea (8, Lerchenfeldergürtel 29): Das Chelsea hat Magnetcharakter. "Man follt immer wieder eine", bestätigt Österreichs blonder Planet-Iggy Pop Hannes. Das alldienstägliche Meeting hat sich für Szene-Hipster als eine Institution entwickelt. Trotzdem verschlägt uns der nächtliche Hunger ins Freihaus (4, Schleifmühlgasse 4), um bei Hühnerbrust und Blattspinatsalat die letzten Feinheiten der Planeten gemütlich zu diskutieren.

PLANET E - LOKALITÄTEN

UPPERS
- guter Sound
- schöne Frauen
- originelles Ambiente Kollektion Staubfänger getönter Spiegel am Klo
- laaaange Öffnungszeiten
- kein Sperrstundlicht
- toller Tresen mit Stützcharakter
- Séparées
- Mischpulte
- witziges Personal
- Bier aus der Flasche
DOWNERS
- besoffene Stänkerer
- Restlverwertung der CD
- abgestandenes Bier
- Dosenbier
- Neonlicht am Häusl
- Sportartikelhändler als Türsteher
- Gaffer und Suderanten
- Hardrock Cafe's
- Lokale mit der Aufschrift: "hier spielt man Darts"
- Studentenfeste