:  shy  :  Die Liebe zum Leben, sie ist gar nicht platonisch 

Shy - dieser Name spricht für sich: Keine Aggression und keine Attacken, statt lächerlicher Provokation versuchen die fünf Linzer einmal einfach nur nett auf sich aufmerksam zu machen. Shy erzählen uns kleine Geschichten. Und das ist gut so, denn es werden ohnehin immer weniger Geschichten erzählt, meint Thomas Weber. 

„In dieser Stadt sehen Schwiegersöhne anders aus“. In Textzeilen wie dieser sagen uns Shy durch die Blume, daß sie mit ihrer Heimatstadt nicht so ganz zufrieden sind. Gleich zwei der dreizehn Songs auf ihrem neuen Album „Pullover“ beziehen sich auf diese Stadt, „Schlafstadt“ und eben „die Schwiegersöhne“. „Nicht nur die Vorstadtgegend, sondern die ganze Stadt hat sehr viel Provinzielles an sich,“ beklagt sich Keyboarder Peter am Telephon. „Die Lokalszene, einmal abgesehen von der verschwindend kleinen KAPU (Kulturverein, Anm.) Szene, ist sehr schlecht.“ „Die ist auch langsam am Abklingen,“ entgegnet er, als ich ihn auf die weithin bekannte Linzer HardCore Szene anspreche. „Fuckhead oder Wipeout, auch die gehen immer mehr in eine experimentelle Richtung. Mehr und mehr Auftrittsmöglichkeiten verschwinden, es gibt ganz einfach keine Plattform mehr.“ Schuld sind seiner Meinung nach die großen Medien, die interessante Musik weitestgehend unterdrücken. „Die Hitberieselung von Ö3 ist unglaublich, so werden die Leute nie aufwachen. FM4 bietet da die einzige Alternative.“  
„Wir haben zum Glück gute Kontakte nach Deutschland,“ sieht Peter die Situation der Band trotzdem optimistisch. Mit den Lassie Singers verbindet sie sogar eine intensive Freundschaft, und auch viele Hamburger Musiker zählen sie zu ihrem „Freundschaftskreis“. In Österreich steht zwar auf dem diesjährigen „Holzstock“-Festival in Ebensee noch ein großer Auftritt an, sonst werden sich Shy mit dem im Januar aufgenommenen „Pullover“ und etlichen neue Nummern im Gepäck („wieder um Ecken anders“) nach Deutschland begeben und dort über einen Vertrieb verhandeln.  
Dabei gehen ihnen die ständig auftauchenden Vergleiche mit Heinz ziemlich auf den Geist. Über den Vergleich von Shys Arrangements mit denen der Smashing Pumpkins zeigt sich Peter schon eher zufrieden. Der ist auch viel eher angebracht, denn Shys Musik ist um einiges facettenreicher und komplexer als die von Heinz. Immer wieder zitiert sie die 80er, nimmt Anleihen an der Neuen Deutschen Welle. Da taucht ein nostalgisch angehauchter französischer Walzer auf, und auf einmal gibt es „Keinen Mann auf dem Mond“, in dem Ennio Morricone auf Pop, Streicher und eine die „Raumschiff Enterprise“ Titelmelodie persiflierende Opernsängerin trifft; und für alldiejenigen, die gerne das Tanzbein schwingen, wirds demnächst auf Vinyl eine Remix Maxi Single geben. Daran beteiligt sollen „DJs aus der deutschen und österreichischen DJ-Szene“ sein.