:  space monkeys  :   

... there was a time when rock and roll was easy ...        
   

Ein reuloses Bekenntnis ("I shot dead the last Beatle") und eine gnadenlose Gleichgültigkeit ("I hear they plan to build a dancefloor on your grave") chrakterisieren die Space Monkeys. So ganz ernst gemeint können die beiden, vom Verfasser dieser Zeilen aus dem Zusammenhang gerissenen, Zitate aber dann doch nicht sein. Denn was sollten wir sonst von einer Band halten, die supercool (und fast schon programmatisch) die Losung "Acid House Killed Rock and Roll" verkündet, selbiges fast stolz mit auf sich nimmt, lauthals die Liebe zum Breakbeat hinausschreit, sich textlich auf Bob Dylan beruft und dann ihr musikalisches Output wieder in einen Rock'n Roll-Kontext stellt? 

             :  THOMAS WEBER  :
Richard McNevin-Duff, Sänger, Gitarrist und erstes Sprachrohr der Band, sieht darin absolut nichts Widersprüchliches. Die Space Monkeys sehen sich selbst als moderne Rockband mit starken Jungle und HipHop-Einflüssen. "Zwar haben wir alle in den letzten Jahren die Rockmusik irgendwie hinter uns gelassen, aber eben auch nicht. Wir kommen alle aus der, nennen wir es ‘DJ culture', aber davor haben wir alle in Bands gespielt, und die Bandidee ist für uns sehr wichtig." Zwar waren alle vier Bandmitglieder irgendwann einmal in einer - mehr oder weniger - Punkband, der Independent-Mentalität (oder -Politik) haben sie aber allesamt nie etwas abgewinnen können. "Die Idee war nie fünf oder fünfzig Platten zu verkaufen. Wir fänden es auch nicht cool oder so, fünf ‘fucking White Labels'zu verkaufen. Wir wollen Millionen Alben verkaufen. That's what's always been us!" Dementsprechend ist auch der Sound des Erstlings ‘The Daddy Of Them All" ein durchaus für riesige Hallen, Stadien und Festivalgelände kompatibler. Die Space Monkeys wollen nicht nur den Erfolg, sie sind auch bereit hart dafür zu arbeiten. "Es gibt genug britische Bands die ständig darüber jammern, daß es in Amerika so schwer ist, Fuß zu fassen. Klar will jede britische Band auch nach Amerika. Wenn Du allerdings denkst, daß zwei Gigs, einer in New York und einer in L.A., ausreichen um die Amerikaner zu interessieren, dann liegst Du völlig falsch. Wir sind monatelang durch die Staaten getingelt, haben in jedem zweiten Nest ein Konzert gespielt, und haben in nur drei Monaten über 100.000 Alben verkauft. Auf unserer Amerika-Tour haben wir beides vereint: riesige Gigs, gemeinsam mit Smash Mouth und in ausverkauften Basketball Arenas, und Clubgigs and DJing. Wir brauchen beides: Weite und kleine Clubs in denen der Schweiß von der Decke tropft!" 
Keine Frage, die Vier aus Manchester haben nicht nur das Zeug für, sondern auch die richtige Einstellung zum Erfolg. Gerade so, als mischten sie seit Jahrzehnten mit im Geschäft, erklären sie ihre distanzierte, abwegende Haltung gegenüber der mächtigen, britischen Musikpresse: "Das wollten wir von Anfang an vermeiden, irgendwie in diesen Londonzentrierten Media-Hype hineinzustrudeln. Eine Woche lieferst Du die Single der Woche ab, die Woche darauf rammen sie Dir das Messer hinten rein. Aber, nicht mit uns! Deswegen bringt uns auch nichts dazu Manchester zu verlassen und nach London zu gehen, was uns viele geraten haben."  
Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, sind sowohl der New Musical Express alsauch der Melody Maker den Space Monkeys gegenüber äußerst positiv eingestellt. "Aber ein Gefühl kann durch nichts ersetzt werden. Stell Dir vor: sonniger Tag, wir sitzen in unserem Van, fahren irgendwo von einer kalifornischen Stadt in die nächste, sind irrsinnig gut drauf. Tony dreht am Radio herum, und da: sie spielen unsere Single ‘Sugar Cane'."  

Auch was es mit Pop an und für sich auf sich hat, das haben die Space Monkeys ganz einfach raus. Das zeigt sich als Sänger Richard, der durchwegs auch für die Lyrics verantwortlich zeichnet, den Song ‘Smile America', bzw. den Zusammenhang zwischen dem Inhalt dieses Songs und seinem Titel erklären soll: "Der Inhalt und der Titel dieses Songs stehen in keinerlei Zusammenhang. Eigentlich war allein ‘Smile' als Songtitel gedacht, das erschien uns dann aber zu langweilig. Also stellten wir einen absolut künstlichen Zusammenhang zu Amerika her. Wir dachten, scheiß drauf, vielleicht fliegt uns deshalb jemand rüber nach Amerika. Na ja, wie Du siehst, es hat geklappt!" Die Lyrics selbst haben für Richard einen extrem hohen Stellenwert: "Immerhin war es Bob Dylan, der mich dazu gebracht hat, selbst Songs zu schreiben. Es ist wahnsinnig einfach einen guten Song zu schreiben, Du darsft Dich nur nicht dazu zwingen, selbst unter Druck setzen. Ich habe prinzipiell immer Zettel und Stift dabei ... ... wobei, die meisten Ideen kommen mir ohnehin beim Duschen."  
 Richards Stimme und seine Lyrics, das ist auch der Trumpf, den die Band  gegen die Ewigkeit in der Hand hat. Sie allein wird letztlich verhindern können, daß die elektronisch durchtränkte Rockmusik (oder eben die erdig-rockige Elektronik) der Space Monkeys der sonst fast zwangsläufigen Vergessenheit anheimfallen wird.