:  supergrass  :        
  

Als Supergrass im Sommer 1995 ihr famoses erstes Album "I Should Coco" veröffentlichten, konnten sich die Medien vor Begeisterungsstürmen kaum mehr zurückhalten. Das englische Musikmagazin "Q" schrieb damals: "Britain’s Best New Band". Danach ist es um die drei Burschen aus Oxford ein bißchen still geworden. Als sie heuer den Nachfolger "In It For The Money" präsentierten, wurde schon deutlich, daß auch Supergrass mit dem "Zweites-Album-Syndrom" zu kämpfen haben. Man wollte kein kommerzielles Werk aufnehmen, Zeit zum Songschreiben war eigentlich auch keine vorhanden, da man ja auf Tournee war und so ist "In it For The Money" eine Platte geworden, um die lang nicht soviel Aufhebens gemacht wurde, wie um das Debüt. 

Aber Supergrass sind trotzdem eine Band, die es versteht, wunderbar eingängige Songs zu schreiben und dabei nicht den Fehler macht, sich zu wiederholen. Ihr Auftritt in Wien gab mir die Gelegenheit, mit Gaz Coombes (guit., voc.), Mick Quinn (bass) und Danny Goffey (drums) zu reden. 
  

Seid ihr das erste Mal in Österreich? 

Gaz: Als Band schon. Ich war allerdings mit Mummy und Daddy schon vor ein paar Jahren hier schifahren und Pferdekutschenfahren. 

Seht ihr irgendwas von den Städten, in denen ihr seid? 

Gaz: Ja, manchmal. Heute waren wir zum Beispiel beim Ku Kuns Kunstwasser-Haus! (Hunderwasserhaus, Anm.) Das war super, aber ein totales Touristen-Ding. 

Was denkt ihr über euer neues Album "In It For The Money"? Seid ihr damit zufrieden? 

Gaz: Es ist ok. Es hat seinen Zweck erfüllt und ein Loch ausgefüllt. 

Warum glaubt ihr, ist es nicht so erfolgreich wie das erste? 

Gaz: Aber ist es doch, sogar noch erfolgreicher! 
Mick: Es ist vielleicht nicht so kommerziell, aber... 
Gaz: Wir haben davon mehr verkauft, als vom ersten, also was soll das heißen? 

Aber glaubt ihr nicht, daß ihr ein bißchen zu lange mit der Veröffentlichung gewartet habt? 

Gaz: Nein, auf keinen Fall. Weil wenn ihr es früher veröffentlicht hätten, dann wäre es ein Scheiß-Album geworden. Wir hatten uns soviel Zeit gelassen, wie wir konnten. 
Mick:  Außerdem haben wir nach dem ersten Album eineinhalb Jahre getourt. 

Also hattet ihr auch keine Songs übrig? 

Gaz: Nur ein paar. Wie ich schon sagte, es warís nicht wert, uns irgendwie zu stressen und schnell ein neues Album rauszuwerfen. 
Mick:  Aber ich glaube wir haben uns sogar sehr beeilt. Weil sobald die Tour vorbei war, sind wir sofort wieder ins Studio gegangen. Wir haben gar nicht soviel Zeit gehabt, um die Songs zu schreiben. 

Was hat sich zwischen dem ersten Album und jetzt verändert? 

Gaz: Ich weiß nicht, es ist jetzt alles irgendwie arbeitsreicher geworden und so. Aber eigentlich hat sich überhaupt nichts verändert. Wir haben damals das gemacht, was wir jetzt auch machen: Touren und ins Studio gehen und Songs aufnehmen. 

Und was bedeutet das Touren für euch? Ich meine, die erste Tour muß ja noch total aufregend sein, aber ist es jetzt auch noch aufregend oder ist es "just a job"? 

Gaz: Ach, das ist unterschiedlich. Manchmal ist es echt aufregend, manchmal ist uns auch ziemlich fad. Es ist so wie alles andere auch. Du genießt die guten Teile und du haßt die beschissenen Teile. 
Mick: Es wird halt ein bißchen langweilig, wenn du ein Jahr andauernd die selben Songs spielst. 

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Publikum in England und in Kontinentaleuropa? 

Danny: Nicht wirklich. Die rufen halt in englisch dazwischen. 
Gaz: Die Nationalitäten tanzen alle ein bißchen unterschiedlich. 

Ich hab viele Beschwerden gehört, daß wir Kontinentaleuropäer so ruhig sind und nicht viel Stimmung ist bei den Konzerten, im Vergleich zu England. 

Mick: Ja, das hängt davon ab, wo du bist. Natürlich gibt es bestimmte Regionen, die eher ruhig sind, aber die gibt’s in England genauso. (Eine Diskussion folgt, welche englischen Städte gutes Publikum haben und welche nicht: "in Midlands stehen die nur rum", "Nein, Midlands ist super, Birmingham oder Wolverhampton dort ist es schlimm") 

Wie steht ihr zu der ganzen Britpop-Geschichte? Ist es nicht so, daß in Kontinentaleuropa, jede Musik mit Gitarren aus England in eine Schublade gesteckt wird, wo Britpop draufsteht? 

Gaz: Aber das ist doch ganz falsch! Es weiß eigentlich eh keiner was das überhaupt ist! Das ist ja nur ein Jounalistending. 
Danny: Da brauchen wir gar nicht drüber reden! 

Aber glaubt ihr, daß es eine richtige Britpop-Szene in England gibt? 

Gaz: Also es gab einmal eine. Als wir unser erstes Album veröffentlicht haben, da war dieses ganze Britpop-Ding ganz groß... 
Danny: Das war die New Wave Of New Wave. 
Gaz: Das hat uns wahrscheinlich schon geholfen, aber wir haben uns nie als Teil davon gesehen. Ich hab dieses Britpop-Ding auch nie so ganz verstanden... so klingen wir irgendwie wie Journalisten, die irgendjemanden zitieren.  

Was denkt ihr über eure Vorgruppe "Stereophonics"? Die sind ja definitiv nicht Britpop. 

Danny: Warum redest du die ganze Zeit von Britpop, wenn du selber sagst es weiß keiner, was das eigentlich ist? 
Gaz (lacht): Das ist Welsh-Pop oder Scot-Pop oder was immer. Nein: die sind sehr gut. Sehr einfache Musik, die hören viel AC/DC. Das ist super! 

Wo seht ihr Euch in der britischen Musik-Szene? 

Gaz: Du kannst dich irgendwie nicht selber sehen. Du kannst nicht aus dir raussteigen und dich irgendwo hinstellen. 
Danny: An der Spitze!! 
Mick: Am Weg nach oben 
Danny: Naja, genau in der Mitte. 
Mick: im Landeanflug! 

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Seht ihr das jetzt als kürzere Geschichte in eurem Leben, veröffentlicht zwei Alben, löst euch auf und macht nach 10 Jahren ein Reunion-Tour, oder... 

Gaz: Ja, wie Supertramp! 
Mick: Ein paar Alben kommen sicher noch. 
Danny: Solange wir es genießen und uns nicht langweilig ist... 
Gaz: Naja, das Leben geht halt so, man weiß nie was kommt. Wir schauen eigentlich nur bis zum nächsten Album 

Was können wir vom nächsten Album erwarten? 

Danny: Mehr Lieder. 
Mick: Wir wissen auch noch nicht, was wir erwarten können. Die einzige Erwartung ist, ein besseres als das letzte zu machen. Wir warten einfach bis wir dort angelangt sind und schauen dann, was passiert. 

Habt ihr schon irgendwelche Ideen oder neue Songs? 

Gaz: Wir haben noch keine fertigen neue Songs, aber ein Menge Ideen. 
  
Wir entsteht überhaupt eure Musik? Gibt es ein Mastermind? 

Gaz: Wir haben keine Regeln oder einen Plan. Entweder stehlen wir irgendwas oder uns fällt was ein während wir jammen. 

Habt ihr irgendwelche Idole? 

Danny: Ja, Billy Idol!! 
Mick:  Idole in dem Sinn haben wir keine mehr. Es gibt eine Menge Leute, die wir respektieren, aber wir heben niemanden heraus, also keinen einzelnen Künstler. Jeder ist aus anderen Gründen gut. Naja, ok: Mick Jagger und David Bowie und Frank Black. 
Danny: Charly Chaplin! 
  
Was denkst du von David Bowie und seiner neuen Platte? 
  
Mick: No comment! 
Gaz: Ich glaube, er sollte mehr rausgehen, der Typ hat zuviel Angst vor Amerikanern!! (Bowies neue Single heißt "I`m Afraid Of Americans", Anm.) 
  
Was für Musik hört ihr sonst so? 

Mick: Zuviel zum aufzählen. "OK Computer" von Radiohead war super oder das Album von Beck, das Foo Fighters Album, Frank Black "Teenager Of The Year". Kein Britpop auf jeden Fall.  
Danny: Hör endlich auf Britpop zu sagen! 
Mick: Was soll ich sonst sagen? Zeitgenössische moderne britische Gitarrenbands? Aber eigentlich höre ich noch immer die alten 60s, 70s-Sachen. Bowie, Pink Floyd.  

The Who? 

Mick: Zu denen hab ich irgendwie keinen Zugang gefunden. Ich glaub die sind eher eine Live-Band. "Live At Leeds" ist eine gute Platte. 
Danny: Ich mag die Idee, wie sie Konzepte für ihre Platten zusammenstellen. 
Mick: Auch wenn man sie nicht wirklich hört, muß man sie für das, was sie geleistet haben, bewundern. 

Könnt ihr euch vorstellen ein Konzeptalbum wie Tommy oder Quadrophenia aufzunehmen? 
  
Danny: Ein ganzes Konzept-Album nicht, aber Filmmusik oder sowas in die Richtung, schon. 
Gaz: Musik die Gefühle rüberbringt, aber keinesfalls Liftmusik oder Supermarkt-Musik. 

Was können wir vom Konzert erwarten? 

Danny: Kopfweh. 
Gaz: Nasenbluten. 
Danny: Ohrenschmerzen. 
Gaz: Tolle Lichteffekte! 
Danny: und einen guten Sound. Nette T-Shirts, Gitarren, Schlagzeuge, Roadies, die am Bühnenrand herumhängen... 
  

Die Lightshow war dann für Szene-Verhältnisse wirklich sehr nett, auch wenn man sowas mit Pink Floyd natürlich nicht mithalten kann... Nachdem die Stereophonics die Latte schon sehr hoch gelagt hatten, zeigen Supergrass, daß die vielen Konzerte, die sie in den letzten Jahren gespielt haben, schon ihre Spuren hinterlassen haben: enorm routiniert spielen sie ihr Set herunter, manchmal vielleicht eine Spur zu routinert. Alles in allem aber ein hervorragendes Konzert! (flo)