:  the supernaturals  :  Begegnung der 3. Art?     
  

Schottland boomt. Nach Travis und den AC Acoustics kommt mit den Supernaturals die nächste Band aus den Highlands. Gegründet im Sommer 1993, ziehen die fünf aus Glasgow also schon einige Zeit durch die Lande, um ihre Musik unter das Volk zu bringen. "Wir machen Songs, die wir mögen. Wenn andere die auch noch mögen, ist das ein Bonus", werden sie zitiert. 

 
Mittlerweile dürften schon einige Leute an diesen Songs Gefallen gefunden haben, immerhin können sie mit "The Day Before Yesterday’s Man" schon eine UK-Top-Ten Single vorzuweisen. Auch Live-Erfahrung gibtís genügend, waren sie doch schon als Support von Tina Turner, Dodgy, Ash Bluetones und Kula Shaker unterwegs. 

 
Jetzt hat sich Robbie Williams die Supernaturals geangelt und so sitzen wir zusammen in der Wiener Arena, während vor der Tür zahllose Teenies schreiend auf den Ex-Take That-Sänger warten. Schlagzeuger Alan Tilston: "Das ist wirklich seltsam. Die verfolgen ihn den ganzen Tag. In München haben wir Fußball gespielt, also die Bands und die Crew. Die Mädchen sind uns vom Hotel auf den Platz gefolgt. Dort haben wir Schottland gegen England gespielt und die Mädchen sind am Platz gestanden und haben die Engländer angefeuert. Und dann sind sie uns wieder zum Hotel nachgegangen. Das war schon seltsam, eine ganz andere Welt. Aber es ist gut zu sehen, wie das alles läuft. Eine einmalige Erfahrung! Unsere Fans in England sind ja doch schon etwas älter, so Studenten und so. Aber wir nutzen das nicht aus, die meisten Mädchen kriegt ja Robbie, er ist ein sehr witziger und cooler Typ!" 

 
Also stimmt das Klischee von "Sex, Drugs & Rock’n’Roll" doch? Sänger James McColl lacht: "Naja, ein bißchen Drogen, nicht sehr viel Sex und nicht sehr viel Rock’n’Roll!"
 

Glauben die Supernaturals eigentlich an übernatürliche Dinge, wenn sie sich schon so nennen? James: "Nein, wir sind total empirisch. Obwohl Alan an UFOs glaubt!" Alan widerspricht sofort: "Ich glaube an Leben auf anderen Planeten, aber nicht an fliegende Untertassen. Ich denke nicht, daß uns Außerirdische besuchen kommen." Das einzig "Übernatürliche", das ihnen passiert ist, war der Diebstahl einer Geldbörse. Gitarrist Derek McManus: "Vor ein paar Tagen, hat mich ein alter Freund angerufen und erzählt, daß ein Wahrsager vorausgesagt hat, daß irgend jemand aus der Band verschwinden würde. Und Alan hat daraufhin seine Geldbörse verloren! Aber das ist wahrscheinlich nur Zufall..." Alan scherzt: "Du hast das ausgenutzt und hast sie gestohlen!!" 
 

Ihr Debüt-Album "It Doesn’t Matter Anymore" wurde mittlerweile auch schon bei einem Major veröffentlicht. Es ist eine herrliche Platte geworden, deren Songs gewisse Anleihen an die Kinks nicht verleugnen können. Wunderschöne Melodien, die die traurigen Geschichten umspinnen, weisen schon in eine ziemlich poppige Richtung. Alan: "Wir sind ja keine Indie- oder Alternativeband, wir sind definitiv Pop! James, der unsere Songs schreibt, steht auf Bands wie Queen, The Move und R’n’B, Reggae und Soul-Musik. Und das kommt am Album schon rüber, aber noch viel mehr bei unseren Live-Shows. Du kannst unsere Einflüsse viel besser erkennen, wenn du uns spielen siehst, als wenn du dir nur die Platte anhörst." Für ihre Live-Shows sind die Schotten berühmt. Sie nehmen sich und das Publikum nicht ernst und es kann schon vorkommen, daß beim Konzert ein paar komische Dinge passieren. James: "Vor der Show in Nürnberg haben wir Ken, unseren Keyboarder, in eine Schachtel für unser Equipment gesteckt und auf die Bühne gerollt. Ich hab dem Publikum dann erzählt, daß Ken die Band verlassen hat, und hab ihn ziemlich geschimpft. Mitten im ersten Song ist Ken dann aus der Kiste gesprungen. Solche Sachen machen wir halt nur zum Spaß!" Alan: "Oder wir ziehen unsere Hosen aus und werfen sie ins Publikum!" 

 
Auf Grund ihrer eingängigen Songs wurden die Supernaturals natürlich sofort in die Britpop-Schublade gesteckt, was ihnen gar nicht recht war. James: "Das sind so viele verschiedene Bands, die kann man alle nicht miteinander vergleichen! Aber das ist ein bißchen so wie in 1979, als Squeeze, The Clash, Elvis Costello und die Talking Heads alle als Punk beschrieben wurden. Das ist doch nur ein Begriff, der von Journalisten verwendet wird."

 
Laut Alan gehören zu einer guten Band "gute Songs, gute Liveshows und Humor. Man muß das alles locker sehen und nicht zu ernst  nehmen!" Wenn das alles ist, was eine gute Gruppe ausmacht, dann sind die Supernaturals eine hervorragende Band! (flo)