Zu
Unrecht mit dem Stigmata behaftet "Deadwood" auf dem Gewissen zu
haben, hatte David Milchs neustes Projekt von Beginn an einen schweren Stand
bei Volk und Presse. Das der Pilot im direkten Anschluss an den Clusterfuck
des Jahres (i.e. das Sopronos-Finale) debütierte, dürfte ebenfalls
kaum hilfreich gewesen sein, das Ergebnis jedenfalls war ein negativer Spin
wie ihn eine HBO-Show so noch nie zuvor erlebt hatte. Zugegeben, Milch macht
es seinen Zusehern alles andere als leicht, werden die - im wahrsten Sinne
des Wortes - wundersamen Geschehnisse rund um den eines Tages aus dem Nichts
ins Leben der nicht gerade mit hohen Sympathiewerten gestraften Surferfamilie
Yost wandernden "John" doch nicht einmal ansatzweise erklärt.
Was sich im weiteren Verlauf als echter Gewinn für all jene entpuppte,
die der Show treu blieben, fesselte einen "John from Cincinnati"
doch allwöchentlich vor's TV-Gerät, wie zuvor nur Serien vom Schlage
"Twin Peaks".
Episode To Watch: 1x06 "His Visit: Day Five"
Mit dem Wissen
im Hinterkopf, dass die zweite Season gleichzeitig auch die letzte sein würde,
beschloss man im Kreise von Team "Rome" sich mit einem Big Bang
zu verabschieden. Ließ man sich im ersten, Cesar-dominierten, Durchgang
mit dem Storytelling noch geflissentlich Zeit, flogen in Runde 2 vom ersten
Gong an die Fäuste. Sei es Kevin McKidds wutverzerrtes Gesicht, Ray Stevensons
Todschläger-Charme oder der von James Purefoy phänomenal in Szene
gesetzte Auf- und Abstieg Marc Antonys - keine andere Show versorgte die TV-Landschaft
anno 2007 mit derart vielen ikonenhaften Auftritten.
Episode To Watch: 2x02 "Son of Hades"
Die zweifelsohne
positivste Überraschung des TV-Jahres 2007 war das von Matthew Weiner
(The Sopranos) erdachte und vom bisher eher selten positiv aufgefallen Cable-Network
AMC produzierte Ensemble-Drama "Mad Men". Angesiedelt in der New
Yorker Advertising-Welt der 60er, überzeugte die Midseason-Show mit Akkuratesse,
Witz und dem aus dem Nichts aufgetauchten Old School Leading Man Jon Hamm
Kritik und Volk - ein Erfolg, der prompt mit zwei Golden Globes Nominierungen
veredelt wurde.
Episode To Watch: 1x12 "Nixon vs. Kennedy"
Im Verlauf
der letzten 12 Monate hat sich "30 Rock" als rechtmäßiger
Erbe des "Von der Masse ignoriert, aber glücklich"-Preises
der Marke "Arrested Development". herauskristallisiert. Ausgestattet
mit einer die Decke durchbrechenden Gags per Minute Quote und einer Cast die
Woche für Woche zur Höchstform aufläuft, hat sich die beißende
NBC-Satire in Nullkommanichts an die Spitze der Halfhour-Comedys gesetzt.
Ein Verdienst, der nicht zuletzt auf das Konto von Schöpferin, Chefschreiberin
und Hauptdarstellerin Tina Fey geht.
Episode To Watch: 2x04 "Rosemary's Baby"
Das
es Show-Creator Rob Thomas trotz zahlreicher Auflagen seitens des CWs (keine
langen Arcs, weniger Episoden, weniger Noir), geschafft hat auch die dritte
Staffel von "Veronica Mars" ohne nennenswerten Qualitätsverlust
über die Bühne bekommen zu haben, rechtfertigt quasi schon allein
den fünften Platz in dieser Wertung. Mögen die Case of the Week
Episoden phasenweise auch ein wenig abgefallen sein, konnte man sich dennoch
stets auf Kristen Bell und ihren unnachahmlichen Charme verlassen. Die Serie
verabschiedete sich jedenfalls zweifelsohne on top und wird garantiert ein
langes Leben auf DVD genießen.
Episode To Watch: 3x20 "The Bitch Is Back"
Orientierte
sich die Debüt-Season von Showtimes fröhlicher Serialkiller-Farce
noch am schriftstellerischen Output von "Dexter"-Erfinder Jeff Lindsay,
schlug man im zweiten Durchgang nun gänzlich eigenständige Wege
ein. Ein Schritt, welcher insbesondere der Weiterentwicklung der von Michael
C. Hall gewohnt brillant in Szene gesetzten Figur entgegen kam, nahm die Dexter'sche
Selbstfindung doch einen nicht unwesentlichen Teil der zweiten Staffel ein.
(Was natürlich nicht ohne blutige Folgen bleiben kann). Und auch wenn
sich die Schreiber schlussendlich gehörig in ein auflösungstechnisches
Eck manövrierten, blieb "Dexter" dennoch auch heuer wieder
eines der ausgesprochenen TV-Highlights.
Episode To Watch: 2x09 "Resistance Is Futile"
Trotz
einer ganz hervorragenden Debüt-Staffel, gelang es "Brotherhood"
weder beim Publikum noch der Presse zu punkten. Und auch im zweiten Anlauf
fristete das grau-in-graue Drama ein stiefmütterliches Dasein, ein Umstand,
der zwar leicht erklärbar, aber nichtsdestotrotz unverständlich
ist. Ähnlich wie HBOs "Tell Me You Love Me", funktioniert auch
"Brotherhood" ob seiner bewusst unreißerischen Erzählweise
wesentlich besser als Gesamtwerk, was jedoch nicht von der Qualität der
einzelnen Folgen ablenken soll. Gekonnt verbindet Creator Blake Masters die
Eckpunkte Politik, Familie und organisiertes Verbrechen zu einem schwermütigen
Ganzen, unterstützt von einer besten TV-Casts der Gegenwart.
Episode To Watch: 2x07 "Only a Pawn... 1:7-8"
David E. Kelleys
"Boston Legal" hat sich im Verlauf der letzten Jahre zu einem TV-Phänomen
der besonderen Sorte entwickelt. Zum großen Frust vieler TV-Kritiker
ein steter Garant für Emmy-Nominierungen, fliegt die Show seit jeher
unter dem Quoten-Radar. Was wiederum bei jeder anderen Produktion längst
das Aus bedeutet hätte, wäre da nicht der Umstand, dass "Boston
Legal" ein Klientel anspricht, das kein anderes TV-Drama auch nur annähernd
erreicht, die Hoch- und Bestverdiener nämlich. Ein Faktum, dass es Kelley
augenscheinlich erlaubt inhaltlich alle Register zu ziehen, lässt die
Show doch kaum ein heißes Thema aus. Getragen von James Spader und William
Shatner, zählt "Boston Legal" deshalb neben "South Park"
zu den politisch offensten Prime-Serien und das hoffentlich nur für lange
Zeit.
Episode To Watch: 3x16 "The Good Lawyer"
Der
Preis für das Cancellation-Eigentor 2007 geht ganz klar an NBC. Zugegeben,
von einem Quoten-Erfolg war "Journeyman" meilenweit entfernt und
auch der Umstand, dass die Fragwürdigkeit der Einstellung überhaupt
zum Thema wurde, beruht einzig auf die außerordentlichen Umstände
rund um den WGA-Streik. Fakt ist, in einer normalen Saison hätte das
Zeitreise-Drama rund um Kevin McKidd vermutlich keine fünf Folgen überstanden,
doch der Mangel an Material veranlasste NBC dazu sämtliche Folgen der
fälschlicherweise als "Quantum Leap"-Dacapo vermarkteten Serie
auszustrahlen, was dazu führte, dass sich das Publikum plötzlich
einer Show gegenüber sah, die nicht nur klickende Figuren, sondern auch
einen Plan hatte. Und so standen am Ende alle Parteein als Verlierer da, NBC,
wo man auf einen potentiellen Sleeper-Hit verzichtete, und das Publikum, welches
nach nur 13 Folgen wieder von den rasch ans Herz gewachsenen Vassers Abschied
nehmen musste.
Episode To Watch: 1x09 "Emily"
Die Frage
nach der Notwendigkeit eines weiteren Cop Procedurals ist sicherlich mehr
als gerechtfertigt, wenn eben jenes jedoch eine allwöchentliche Dosis
Damian Lewis garantiert, kann die Antwort selbstredent nur JA lauten. Dem
Trend der Zeit folgend, dass nur Briten in der Lage sind Amerikaner zu spielen,
gibt der Londoner in "Life" einen zu Unrecht des Mordes verurteilten
Cop, der nach 12 Jahren aus der Haft entlassen wird. Trotz Abfindung in Millionenhöhe,
kehrt er in den Dienst zurück, Fruchttick und Zen-Lehre inklusive. Lewis
und sein Sidekick Adam Arkin stellen die Show klar über die Konkurrenz
und da der "Who framed me?"-Plot ebenfalls glänzend funktioniert,
gibt es einen Platz in den Top 10.
Episode To Watch: 1x08 "Farthingale"
Man
wird erst am Tag der letzten "South Park" Episode
wirklich wissen, was man an Trey Parker und Matt Stone gehabt hat. Klar ist,
Season 11 - und hier insbesondere der dreiteilige Geniestreich "Imaginationland"
- war erneut Top 10 Material. Ebenfalls in höheren Gefilden hätte
sich eigentlich auch "Friday Night Lights" wiederfinden
sollen, zählte die erste Staffel doch mit zu den besten Debüts der
letzten Jahre. Leider sackte der Beginn von Season 2 deutlich ab, abgeschrieben
ist die Show jedoch noch lange nicht! Den umgekehrten Weg ging "Lost",
wo das Jahr abyssisch begann, zum Ende hin jedoch noch einmal kräftig
Holz nachlegte.