: blacksad : schwarzer schatten auf der seele

text: lou pretterebner

Mit dem ersten "Blacksad"-Band hat sich das spanische Autoren-Duo Juan Diaz Canales / Juanjo Guarnido über Nacht in die Oberliga der internationalen Comic-Szene gehievt. Der sexy Kater und Detektiv Blacksad begibt sich im Großstadtdschungel auf die Suche nach dem Mörder seiner großen Liebe.

Comics leben von Klischees. Deshalb sind auch viele Comics schlecht. Oder sie erreichen gerade einmal das Mittelmaß aller Dinge. Daher ruht auch der nach wie vor schlechte Ruf des Genres. Und daran ändert es auch nichts, daß aufgeklärte Menschen Comics nahezu a priori "gut" finden müssen...

Der erste "Blacksad"-Band ist ein guter, gelungener Comic. Weil er mit Klischees spielt, sowohl sprachlich, wie zeichnerisch. Da ist der attraktive muskulöse Held Blacksad. Ein schwarzer Kater, Kettenraucher und notorischer Einzelgänger, den nur sein Trenchcoat und seine harte Haut im Großstadtdschungel am Leben halten. Und da ist eine tote Schönheit, eine verflossene Liebe des Katers, der immer wieder an den schwarzen Panther Baghira aus dem "Dschungelbuch" erinnert. Seine große Liebe genau genommen.

Blacksad begibt sich auf die Suche nach ihren Mördern und gerät dabei unwillkürlich an Extreme. In die Welt des dekadenten Lifestyles genauso, wie in die Abgründe der Reptilienwelt. Gegeneinander. Geld gegen häßlichen Reptilien, größtenteils gewaltbereites Echsen- und Schlangen-Proletariat, das alles für Geld tun würde - und es auch tut. Und deshalb haben es auch ein paar Echsenwesen ganz nach oben geschafft. Am American Dream scheitern und zerbrechen sie aber alle. Säugetiere mit dickem Fell ein bißchen seltener, Echsen ein bißchen häufiger.

Auch wenn Juan Diaz Canales (Szenario) und Juanjo Guarnido (Zeichnungen) in der Comic-Welt bis dato No-Names waren - dem Metier sind sie nicht ganz fremd. Beruflich verdingen sich beide nämlich in der Disney`schen Trickfilmabteilung. Und von dort haben sie wohl auch ihr Gespür für Atmosphäre (meist düster, traurig und bedrohlich), die Liebe zum Detail und die präzise Mimik in (Tier-)Gesichtern. Genau deshalb wäre "Blacksad" wohl auch als Zeichentrickfilm interessant. Freilich ohne die Disney-typischen Sing-Sang-Einlagen. Wenn, dann schon eher unterlegt mit traurigem Blues, melancholischer Elektronik und zerbrechlichen Frauenstimmen. Das will das Klischee. Und davon lebt eben auch die Atmosphäre.

"Blacksad. Irgendwo zwischen den Schatten" Aus dem Französischen von Harald Sachse. Carlsen Comics, Hamburg 2001, 48 Seiten, ca. ÖS 218,-



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