: mut zur gitarre : frank black is back

text: lou pretterebner

Rock und Innovation. Diese zwei Worte scheinen anno 2001 nicht wirklich zusammen zu passen. Daran ändern auch Frank Black und seine Catholics mit ihrer neuen Platte nichts. Trotzdem ist "Dog In The Sand" mit Sicherheit ein Meilenstein in der einzigartigen Karriere des Ex-Pixies-Masterminds.

"The scene was so tragic, but that was the magic" ("The Swimmer")

Wer sich ernsthaft für Musik interessiert, kommt im Laufe seiner musikalischen Sozialisation an bestimmten Stationen nicht vorbei. Und die bringen Erkenntnis, die beiläufigen Hit-Radio-Hörern entgehen. Daß nämlich Neil Young nicht gleich Phil Collins ist zum Beispiel. Oder daß zwischen dem musikalischen Schaffen der Foo Fighters und Melvins Welten liegen. Daß Limp Bizkit nicht mit Rage Against The Machine zu vergleichen sind. Oder, auf ein Werk bezogen: daß Wolfgang Ambros "Da Hofa" eine andere Qualität hat als sein ungleich bekannteres "Schifoan"...

Und irgendwann kristallisiert sich dann ein individueller Kanon heraus, der sich zu einem Teil mit dem etablierten Kanon deckt. Alles Namen, die durchaus schon davor geläufig waren. Namen, die man in Verbindung mit ihrem Werk akzeptieren kann. In irgendeiner Art und Weise. Und mit Kompromissen. Menschen (zum überwiegenden Teil sind es leider Männer), die man nicht unbedingt wahnsinnig gut finden muß, die man aber eben akzeptiert. Und sei es nur in einer ganz bestimmten Phase ihres Lebens. "Der frühe Ambros" oder "Bowie zu Ziggy Stardust-Zeiten"... Vieles kann im Nachhinein in seiner einstmaligen Bedeutung eben auch nur erahnt werden. Die Medien haben für diese großen, klingenden Namen dann die Bezeichnung "Legende" oder "Altmeister" oder (bei einstmals attraktiven und nunmehr gealterten, reifen Frauen) "Diva" zur Hand. Alles inflationäre Begriffe, keine Frage. Aber trotzdem. Auch um Begriffe lohnt es sich zu kämpfen.

Frank Black ist eine solche Legende. Als Sänger und Gitarrist der Pixies prägte er mit eine ganze Generation von Rockbands, die später einmal mit Nirvana und Pearl Jam an die Oberfläche des Musik-Geschehens gespült werden sollten. Die meisten dieser Bands gibt es mittlerweile nicht mehr. Viele haben sich zur Ruhe gesetzt, einige tummelten sich kurz im Licht der Stadionscheinwerfer und haben sich tot gespielt. Und Frank Black? Der hat sie schlicht und einfach ausgesessen.

Wie zufällig ist es passiert. Plötzlich scheint es, gehört der Name Frank Black in eine Reihe mit Nick Cave, Lou Reed, Neil Young und - hm - vielleicht auch David Bowie. Ein Status, der dem gut beleibten 35jährigen früher als den anderen lebenden Legenden viel an Freiheit einräumt. Freiheit, die er auch nützt und sich ihr ganz hingibt. Derzeit hat Black an den ausschweifenden Siebzigern Gefallen gefunden. Siebziger Rock, gemischt mit ein bißchen Roll und Country. "Dog In The Sand", das neue Album, ist Happy-Sound, der seinen Reiz dadurch gewinnt, daß immer ein wehmütiger, melancholischer Grundton mit vibriert. Und der von Blacks riesigem stimmlichen Spektrum lebt.

Klar hat das auch mit Lifestyle, mit Lebensgefühl zu tun. Sehr viel sogar. Frank Black 2001, das ist als Stimmung in etwa soviel wie "On the Road", aber besser mit einem eigenen Auto samt Schiebedach. Zwölf Songs, die in ihrer Vielseitigkeit, Eindringlichkeit und Überzeugungskraft ohne weiters auch ein Greatest Hits-Album sein könnten und deshalb wie der Soundtrack eines Road Movies klingen. Ein durchaus Hollywood-taugliches Road Movie sogar. Fast ein "Es war einmal in Amerika", eine Fahrt ins Ungewisse, in unterschiedlichem Tempo, in unterschiedlichen Autos, aus unterschiedlichen Perspektiven. "Rasthof zwanzig kilometers bis Rasthof" heißt es schon im Opener "Blast Off", wenig später (in "St. Francis Dam Disaster"): "She had fifty-three miles to go". Und dieselbe Nummer schließt mit einem finalen "And now forever she would go".

Tempowechsel bringt Black ganz souverän über die Runden, auch in ein und demselben Song. Er überspringt einen Gang, kein Getriebekrachen, kein Stocken, und weiter geht`s im doppelten Drive. Alles läuft manuell, Automatik, das ist nicht Blacks Sache. Nein, Purist ist er keiner. Wenn schon, dann ein Rustikal-Ästhet. Einer, der sukzessive die Geschichte der Rockmusik zurück wandert. Diesmal die Siebziger, das nächste Album soll ihn und die Catholics ganz back to the roots bringen. Die nächste Raststation: Die Fünfziger. Wobei er die Situation in einem Interview mit dem Visions-Magazin ganz nüchtern sieht: "Du hast nun mal kein Abonnement auf Innovation. Manchmal bist du mit deiner Musik innovativ, manchmal nur gut und hin und wieder liegst du auch mal schwer daneben". Ein Statement, das von einer realistischen Einschätzung des eigenen Werks zeugt. Aber egal. "Dog In The Sand" ist in jedem Fall ziemlich gut - und deshalb auch schwer zu empfehlen.

: related links :

http://frankblackdirect.com/
http://home.germany.net/100-132380/ Fanseite mit vielen Links
"dog in the sand" rezension