: papa roach : son of a bloody kakerlake :

text: space cap

Papa Roach schaffen mit ihrer Musik ein Ventil für den Wohlstandsfrust unzähliger weißer Kids. Songs wie "Last Resort" und "Broken Home" belegen einmal mehr, daß der schon Mitte der 90er totgesagte Crossover-Sound noch lang nicht ausgedient hat.

Wenn Paperlak und Frontman Coby Dick in kafkaesken Ängsten reale Bilder vom "Last Resort" oder "Broken Home" beschwören, dann hat das in psychosozialer Form bei den Kids sicher einen vergleichbaren Effekt, der damals für die gleichaltrigen Fans der frühen Stones bei "Satisfaction" oder "Get Off Of My Cloud" den Aufschrei nach Revolte und Sprengen elterlicher beziehungsweise gesellschaftlicher Ketten zum berechtigten Lebensgefühl werden ließ. So wenig haben sich die Zeiten geändert. Und es ist auch gut so, daß sich neben der absoluten Mainstream-Popkultur ein weiteres Sprachrohr westlichen, hauptsächlich amerikanischen Mittelstandfrusts ventilisiert hat.

Auf diesen Zug sind Papa Roach bewußt oder unbewußt und sicherlich dank gute vorausgeplantem Management aufgesprungen. Den Stones war damals ja auch das Image der bösen Buben zugedacht, obwohl diese "Lifestyle"-Schiene andere damalige Bands wie etwa die Pretty Things viel ehrlicher auslebten.
Aber es gibt ja auch noch Leben nach, vor und neben Papa Roach. So wird die Spirale Lebensgefühl prägender Kultgruppen zum Möbius´schen Band der stetigen Wiederkehr.

P-Roach, wie die Nordkalifornier von ihren Fans genannt werden, treffen genau den kollektiven Nerv vieler Kids. So handeln ihre vornehmlich aus der Ich-Perspektive erzählten Lyrics von so alltäglichen Themen wie Alkoholmißbrauch ("Binge"), Trennungsängsten ("Broken Home") oder Selbstmordgedanken ("Last Resort"). Doch statt eines moralisierenden Zeigefingers machen Papa Roach eine Faust. Oder sie zeigen über ihre Fans deren Establishment-Feindbildern den Stinkefinger. Und Papa Roach zeigen auf, welch gefahrvolle Gipfel und Untiefen im Leben zu meistern sind, und daß jeder letztenendes selbst entscheiden muß, ob der Weg nach oben oder nach unten führt.

Einer Gratwanderung kommt auch die Musik der Vier gleich. Der aktuelle Longplayer "Infest" ist nur Highlight verschiedenster musikalischer Gehversuche seit dem 1995 erschienenen Erstling "Caca Bonita". Nachfolger wie "Old Friends From Young Years" (1997), "5 Tracks Deep" (1998) und "Let Em Know" (1999) pendeln jedoch alle irgendwo zwischen Funk, Punk, Hardcore und Hip Hop hin und her. Sie waren es, die Papa Roach in den Olymp des immer wieder totgesagten Crossover-Sounds erhoben haben. Neben musikalischer Komplexität ist sicher das dynamische Gemeinschaftsgefühl und der ständig präsente Überlebenswille im täglichen Concrete Jungle eine Stärke und Erfolgsgarant der Band.

Ob die Band jedoch (wie ihre Namenspaten, die Kakerlaken) auch so resistent ist, gegen die schädlichen Umwelteinflüsse mit denen sich angehende Pop Stars immer wieder infizieren, wird die Zeit weisen. Live zu sehen sind Papa Roach unter anderem am 24.2.2001 in der Wiener Libro Music Hall.

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www.paparoach.com - tourdaten etc.