: having a good time : queens of the stone age

text & interview: holger fleischmann

Das Rock-Jahr 2000 schwemmte vor allem Bands wie Limp Bizkit und Papa Roach an die Charts-Oberfläche. Mit musikalischen Gegenentwürfen zum Metal-Rap-Einheitsbrei konnten nur wenige Heavy-Bands breitenwirksam punkten. Eine davon waren die Queens Of The Stone Age, die mit "Rated R" auch gleich eines der besten Rockalben des Jahres ablieferten. Wellbuilt sprach mit Queens-Bassist Nick Oliveri.

Erschienen ist "Rated R" bereits Mitte 2000. An Anziehungskraft hat es aber seitdem kaum verloren. Hatte sich die Band schon mit ihrem selbstbetitelten Debut weitgehend vom mächtigen Kyuss-Erbe - jener legendären Band, die "Stoner Rock" quasi initiiert hatte und zu deren Köpfen der jetzige Queens-Boss Josh Homme zählte – emanzipiert, so gehen die Queens mit "Rated R" noch einen Schritt weiter. Anstatt sich wie andere Bands des Genres nach wie vor auf mächtige Seventies-Riffs zu verlassen, öffneten sie sich mit ihrem zweiten Longplayer verstärkt Einflüssen aus Blues, Punk oder gar Pop. Ihrem ureigenen Stil blieben sie dennoch treu – und wurden somit zu Recht als eine der besten Rockbands des vergangenen Jahres gefeiert...

Euer neues Album wurde vielerorts beigeistert aufgenommen. Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür – und habt ihr diese rundum positiven Reaktionen erwartet?

Im Grunde machen wir einfach Musik, die wir selber hören würden und mit der wir zufrieden sind. Es ist großartig, dass uns so viele positive Reaktionen entgegengebracht werden. Wir hatten allerdings keine Ahnung, was uns erwarten würde.

"Rated R” unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von eurem ersten Album. Was wolltet ihr dieses Mal anders machen?

Wir wollten die Songs auf diesem Album unterschiedlich anlegen. Das war uns sehr wichtig. Die vielen Gäste, die bei "Rated R" mitwirkten, haben uns dabei geholfen, den Songs verschiedene, eigenständige Profile zu verleihen. Wenn wir alles alleine gemacht hätten, wäre das Album wahrscheinlich geradliniger und rauher ausgefallen. Keiner weiß, wie es weitergehen wird. Ich denke, die Unterschiede zwischen den einzelnen Songs von "Rated R" lassen für das nächste Album vieles offen.

Es war also ein erklärtes Ziel, ein breites Spektrum verschiedenartiger Songs auf "Rated R" zu versammeln.

Absolut. Das war unsere Absicht von Anfang an. Wir wollten das Album in Bewegung halten – und zwar nicht vorwiegend für uns, sondern für die Hörer. Es sollte kein Album werden, das wie ein einziger, langer Song erscheint.

Gab es besondere Inspirationen für das neue Album?

Wir versuchen, eine Menge von Einflüssen unter einen Hut zu bekommen. Aber anstatt sich großzügig bei einer oder zwei Quellen zu bedienen – und dann auch genauso zu klingen – haben wir es bevorzugt, uns ein klein wenig von unzähligen Einflüssen zu nehmen. Ich glaube aber, eine der wichtigsten Inspirationen war einfach der Fakt, dass wir an diesen abgelegenen Ort in der Wüste fuhren, um das Album zu schreiben. Wir hatten nur das Notwendigste mit, um es eine Woche auszuhalten. Diese Abgeschiedenheit und die damit verbundene Möglichkeit, sich nur auf die Arbeit, das Schreiben der Songs zu konzentrieren, hat uns sehr viele Impulse gegeben. Keine Sirenen, kein Großstadtlärm – einfach nur wir mit unseren Instrumenten. Das war brilliant und sehr inspirierend.

Die Lyrics von "Feel Good Hit of the Summer" bestehen im wesentlichen aus einer Aufzählung diverser berauschender Substanzen – von Alkohol bis Kokain. Welche Intention steckt dahinter?

Es geht um Erfahrungen und Dinge, die wir erlebt und ausprobiert haben. Aber im Prinzip wollten wir einfach eine Liste daraus machen und in einen Sing-Along-Song stecken. Es sollte "catchy" und "Punkrock" sein. Es war echt spaßig, diesen Song zu machen – und es ist es nach wie vor jedes mal, wenn wir ihn live spielen. Mit solchen Songs versuchen wir ab und zu, die Sache für uns selbst spannend zu halten und einfache eine gute Zeit zu haben.

Having a good time – ist das eines der Grundprinzipien der Queens?

Yeah, that’s what Rock’n’Roll is supposed to be. Das gilt besonders für diese Band. Es geht definitiv darum, Spaß zu haben und sich von allem loszureißen. Enjoy yourself. Einer der spaßigsten Momente, an den mich erinnern kann, war bei unserem letzten Gig hier in Wien in der Arena. Während Josh Interviews gab, trank er innerhalb einer Stunde eine ganze Flasche Vodka. Kurz bevor wir auf die Bühne gingen – das Intro hatte bereits eingesetzt – bemerkten wir, dass Josh eingeschlafen war. Wir mussten ihn ohrfeigen, um ihn wach und auf die Bühne zu bringen. Für Josh war das einer dieser Momente, wo dein Körper "Nein" sagt. Darum versuchte er dann auf der Bühne, sich gegen den Mikrofonständer zu lehnen – in der Hoffnung dass ihn dieser abstützen würde. Natürlich fiel er prompt auf die Nase...

Was halten Queens Of The Stone Age von sogenannten "New Metal"-Bands wie Limp Bizkit und Konsorten?

Ich mag das Zeug überhaupt nicht, aber die Kids lieben es – vor allem in Amerika. Sie kaufen es, wie wenn es all die Bands morgen schon nicht mehr geben würde. Möglicherweise ist es ja auch so. Ich jedenfalls war immer ein Fan von Musik, die an die zehn Jahre zurück lag. Und es ist doch weit cooler und erfüllender, Musik zu kreieren, die auch noch in fünf Jahren gehört wird, anstatt ein Hitalbum hier und jetzt zu haben und das größte Ding überhaupt zu sein – und morgen bist du schon längst wieder vergessen und keiner kümmert sich einen Dreck darum. Uns war es daher immer wichtig, langsam zu wachsen und unsere Fans zu halten. Uns liegt viel daran, nach wie vor Respekt von jenen zu genießen, die von Beginn an dabei waren und neue Einflüsse behutsam einzubauen. Nur weil Rap im Metal gerade in ist, springen wir noch lange nicht auf den Zug auf. Das würden wir nie machen. Niemals.

Seht ihr euch als Gegengewicht zu solchen Trends?

Lass es mich so versuchen: Nimm eine Band wie die Ramones. Die haben bis in die späten Achtziger ihr Ding strikt durchgezogen, als dieser Metal-Punk-Crossover groß war. Die Ramones blieben sich stets treu, auch wenn sie im Vergleich zu den angesagten Bands Peanuts verkauften. Dafür überlebten sie alle um Längen. Wir klingen zwar überhaupt nicht wie die Ramones, aber Bands wie sie sind es, die uns Inspiration geben. Oder Ween zum Beispiel. Die würden sich niemals für irgendwen ändern. Diese Attitude, Musik zu erforschen wie Ween es tun, ist weit einflussreicher für uns als der gerade angesagte neueste Trend.

: related links :

feel go(o)d hit of the winter (wellbuilt artikel 2kq04)
www.qotsa.com

www.stonerrock.com