blick nach vorn : : ohne zorn

text: tobias matkowitz

Anders als der Name andeutet, beschäftigen sich Sepultura in ihrem neuen Album "Nation" mit globalen Visionen. Auch die bandinterne Krise nach dem Abgang von Frontman Max Cavalera und dem eher enttäuschenden Vorgänger "Against" scheint nunmehr überwunden. Im wellbuilt-Interview bestätigt Sepultura-Urgestein Andreas Kisser diesen Eindruck.

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Lange Jahre gehörte die 1984 ins Leben gerufenen Brasilianer Sepultura zu den angesagtesten Combos im Metal-Bereich. Max Cavalera (Gesang), sein Bruder Igor (Drums), Andreas Kisser (Gitarre) und Paolo Pinto Jr. (Bass) erspielten sich mit ihrer ersten weltweiten Veröffentlichung "Beneath The Remains" Ende der 80er Jahre gleich auch weltweit eine begeisterte Fangemeinde. In ihre Mixtur aus Heavy Metal, Death Metal und Hardcore ließen sie auf den folgenden Alben "Arise", "Chaos AD" und "Roots" auch traditionelle Musik ihrer südamerikanischen Heimat mit einfließen. Mit diesen "tribal elements" konnten sie ihre Fangemeinde weiter vergrößern - rund um den Globus wurden Sepultura gefeiert. Und als einzige Band des härteren Genres schafften sie auch den Sprung in die internationalen Hochglanzpostillen.

Einen Bruch gan es, als Frontman Max (der inzwischen mit seiner neuen Band Soulfly erfolgreich zwei Alben veröffentlichte) die Band im Dezember 1996 verließ. Mit ihrem neuen Sänger Derrick Greene (vorher bei Alpha Jerk und Outface) veröffentlichten Sepultura 1998 das Album "Against". Es stellte zwar eine Fortsetzung des bandtypischen Stils dar, auch was die Integration verschiedenster Elemente angeht (man arbeitete beispielsweise mit japanischen Kodo-Trommlern), enttäucshte aber vor allem auf der kompositorischen Ebene.

Nachdem die Vier 2000 an der "Tattoo The Earth" Festival-Tour (mit zeitgeistigeren Bands wie Slipknot oder Sevendust) teilnahmen und heuer auf dem riesigen "Rock In Rio"-Festival bereits vor 150.000 Landsleuten rockten, erscheint am 19. März das neue Album "Nation". Es ist - eben auch kompositorisch - um einiges ansprechender und ausgereifter als der Vorgänger. Auch einige Guest Musicians tauchen auf "Nation" auf. Den Song "Valtio" spielten Sepultura etwa mit den Finnen Apocalyptica ein, für "Politricks" holten sie sich Ex-Dead Kennedy Jello Biafra ins Studio, für "Human Cause" den Hatebreed-Sänger Jamey Jasta und für "Tribe To A Nation" die Dub-Reggae-Legende Dr. Israel – um nur einige zu nennen. Wellbuilt interviewte Sepultura-Urgestein Andreas Kisser zum neuen Album und dem Status Quo der Band.





wellbuilt: Ihr habt euch zum ersten Mal seit "Beneath The Remains" dazu entschlossen, wieder in Brasilien aufzunehmen. Warum?

andreas: Weil wir uns zu Hause wohl fühlen und es inzwischen auch wirklich gute Studios in Brasilien gibt, speziell in Rio de Janeiro.

wellbuilt: Worin siehst du die größten Unterschiede zu "Against"?

andreas: Da gibt es eine ganze Menge. Vor allem versteht es Derrick inzwischen viel besser, auch zu singen, nicht nur zu schreien. Außerdem ist unser eigenes Leben jetzt viel besser organisiert...

wellbuilt: Laut Infoblatt des Labels handelt "Nation" davon, wie die Menschheit als freie Nation, also ohne Grenzen zusammenlebt. Drehen sich alle Lyrics um dieses Leitthema?

andreas: Ja, die Texte haben schon alle mit diesem Konzept zu tun. Es geht um die utopische Nation, ohne Grenzen, ohne Kriege, ohne Waffen und mit der Freiheit des religiösen Glaubens und einem generellen Verständnis füreinander. Man kann sich das schwer vorstellen, da es diesen Zustand nie gab, und er auch heute unmöglich ist. Aber diese positive Vision hat uns jedenfalls inspiriert, Musik zu schreiben.

wellbuilt: Ihr habt "Politricks" mit Jello Biafra aufgenommen. War das für euch in irgendeiner Weise besonders, oder ist Jello nur einer von vielen Gästen?

andreas: Alle unsere Gastmusiker sind auf ihre Art besondere Persönlichkeiten, jeder von ihnen bringt viel neue Energie in unsere Musik...

wellbuilt: Wie kam es denn zu all diesen Kollaborationen. Habt ihr die auf "Nation" vertretenen Künstler alle schon eimal vorher getroffen?

andreas: Die meisten von ihnen sind gute alte Freunde. Die einzigen, die wir vorher nicht kannten, waren Dr. Israel und Krztoff von Bile. Aber auch mit ihnen war die Zusammenarbeit großartig und sehr sehr inspirierend.

wellbuilt: Wart ihr mit dem Erfolg von "Against" als erster Platte nach dem Ausscheiden von Max zufrieden?

andreas: Ja. Das Album hatte vor allem den Sinn, die Band zusammenzuhalten und gemeinsam etwas Neues aufzubauen. Und in dieser Hinsicht war "Against" ein großer Erfolg für uns.

wellbuilt: Laß mich zwei Fragen zu Soulfly stellen. Was hältst du vom letzten Soulfly-Album? Einige Leute meinen ja, Soulfly sei nur eine billige Kopie von alten, erfolgreichen Sepultura-Sachen...

andreas: Ich denke das Album war okay, aber ich verstehe immer noch nicht, was für Musik Soulfly machen. Soulfly haben keine Ientität - alles klingt recht konfus. Es wird einige Zeit dauern, etwas Originelles zu schaffen.

wellbuilt: Glaubst du, daß Max viele Fans mit sich genommen hat, die jetzt lieber Soulfly hören als Sepultura?

andreas: Ich denke, die Fans haben sich rund um die Welt aufgesplittet. Mancherorts stehen sie mehr auf uns, anderswo mehr auf Soulfly. Aber "Against" reflektierte auch wirklich nicht das, was Sepultura immer noch zu leisten fähig ist... Ich glaube "Nation" ist viel besser, in jeder Hinsicht.

wellbuilt: Wie wares, die "Tattoo The Earth"-Tour mit den verrückten Jungs von Slipknot und all den anderen zu spielen?

andreas: Es war eine großartige Festival-Tournee. Wir hatten die Chance, neue Songs live zu testen und vor vielen Kids zu spielen, die uns vorher nie gesehen hatten.

wellbuilt: Werdet ihr im Sommer auf europäischen Festivals zu sehen sein?

andreas: Ja, bestimmt, aber da ist noch nichts bestätigt...

: related links :

www.sepultura.com.br
www.absolutmetal.com/sepultura.htm