: sick of it all : noch lange nicht die schnauze voll

text: werner schröttner

Ungeachtet der Tatsache, daß die Halbwertszeit von Bands innerhalb der Hardcoreszene für gewöhnlich sehr kurz ist, veröffentlichten Sick Of It All vor kurzem ihr sechstes full-length Album "Yours Truly", mit dem sie eindrucksvoll beweisen, daß sie ihr Ablaufdatum noch nicht überschritten haben, und trotz ihrer 15jährigen Bandgeschichte nach wie vor zu einem Aushängeschild der NYHC-Szene gehören. Schlagzeuger Armand Majidi im Gespräch.

Seit der Bandgründung im Jahre 1986, die in die Hochblüte des US-amerikanischen Hardcore-Genres fiel, ging es für Sick Of It All beständig aufwärts. Wie soviele andere Bands dieser Zeit auch, schafften sie zwar den Sprung auf ein Majorlabel wurden aber nach kurzer Zeit, um genau zu sein nach dem "Scratch The Surface" und dem "Built To Last" Album, aufgrund von mangelnden Verkaufszahlen wieder gedroppt. Armand betonte extra die Zufriedenheit der Band mit dem jetzigen Label Fat Wreck Chords, da die Leute dort, "sich nicht nur um Verkaufszahlen kümmern, und wenn diese nicht stimmen einfach die Promotion einstellen. Bei Fat Wreck müssen wir keine Aktionäre, die sich sowieso einen Dreck um die Musik kümmern, zufriedenstellen. Dieses Label ist sicherlich das beste mit dem wir bisher zusammengearbeitet haben." Diese Aussage über die neue Plattenfirma wird noch dadurch verstärkt, daß nach dem 1999er Album "Call To Arms", mit "Yours Truly" schon der zweite Longplayer dort erschienen ist.

Melodien und treibender Chorus als Erfolgsrezept

Auf die Zufriedenheit mit dem neuen Material angesprochen, gab Armand zur Antwort, daß die gesamte Band davon überzeugt ist, daß "die neuen Songs einfach die besten sind, die wir bisher geschrieben haben. Die einzelnen Lieder sind von der Struktur her stärker als bisher und dadurch auch besser anzuhören. Außerdem zeigen wir uns in gewisser Weise offener gegenüber Melodien." Nachgefragt nach der treibenden Kraft für den größeren Einfluß der Melodien stellte sich heraus, daß Armand selbst, obwohl er eigentlich hinter dem Schlagzeug sitzt, größtenteils dafür verantwortlich ist, "ich habe in letzter Zeit viele melodische Sachen gehört. Dann sind mir einfach einige Ideen gekommen, ich habe auf der Gitarre einen passenden Chorus gefunden und den dann einfach den anderen vorgespielt. Lou [Koller; Sänger - Anm.] der seine Prioritäten immer auf einen treibenden Chorus setzt gefielen die Sachen sofort und gemeinsam überzeugten wir schließlich noch die anderen beiden."

Ode an die Fans

Wie man nicht unschwer vermuten kann richtet sich der Titel des neuen Albums an die Fans, die Sick Of It All auf ihren zahlreichen Tourneen über den gesamten Erdball tatkräftig unterstützt haben, sodaß sie nahezu immer in ausverkauften Hallen spielen, was bei durchschnittlich 7 - 9 Monaten on Road pro Jahr, einen nicht zu verachtenden Erfolg darstellt. Auf die besten Orte für Konzerte angesprochen gab sich Armand diplomatisch, "Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, da Leute in der Szene kommen und gehen. So war unser bester Auftritt im Jahr 1994 in Buenos Aires und bspw. im Jahr 1999 in Island, da Hardcore dort noch so eine neue Szene ist, daß wir die Aufregung und die Begeisterung der Fans richtig spüren konnten. Aber in Deutschland, Holland, Belgien und Japan zu spielen ist für uns eigentlich jedes Mal sehr angenehm." Auf die Frage wie er zu den zahlreichen Fans stehen würde, die sich den Drachen, das Symbol von Sick Of It All, tätowieren lassen würden, antwortete er, "es ist zwar eine etwas verrückte Art uns zu schmeicheln, aber wir finden es natürlich toll, daß uns so Respekt gezollt wird. Wir wollten immer schon eine große Fotogallerie mit all den Tattoos anlegen, aber irgendwie sind wir nie dazu gekommen."

George W. Bush sucks

Neben der Musik steht des weiteren Politik bei Sick Of It All hoch im Kurs. Auf die Frage nach der Zufriedenheit mit dem neuen US-amerikanischen Präsidenten antwortete Armand kurz und prägnant, "George W. Bush sucks", fügte nach einer kurzen Pause aber noch hinzu, "eigentlich sind sich beide großen Parteien in den USA sehr ähnlich und somit sind sie nahezu gleich schlecht. Für mich war es klar, daß ich nur Ralph Nader wählen konnte. Dieser Mann fasziniert mich einfach. Er hat so wie wir alle in der Band sozusagen auch eine &Mac226;Hardcore Attitude‘." Wer sich von dieser Einstellung und der schweißtreibenden Live-Show von Sick Of It All überzeugen möchte, der sollte sich ihr Konzert im Rahmen der Deconstruction Tour am 5. Juni in der Wiener Arena nicht entgehen lassen.



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