: anthrax : rock´n´roll will always be there

text: martin winkler

Eigentlich kein Leichtes, in Zeiten wie diesen BUSH im Reisepass stehen zu haben und Amerikaner zu sein. Zu allem Überdrüber aber auch noch Leadsänger einer Band namens ANTHRAX – da hört sich doch der Spass auf!

John Bush wirkt eigentlich nicht wirklich verängstigt. Sitzt er doch seit Jahren im scheinbar sicheren Sattel dieser Speed-Metal Truppe aus der Gründerzeit der schnellen Musik, sozusagen.

Ein kurzer Rückblick: ANTHRAX formierten sich Anfang der 80er Jahre und erspielten sich ziemlich rasch einen Stammplatz in der Kategorie „sehr schnell gespielter Hardrock“. MTV hatte damals noch eine Nische übrig – der Videoclip zum Song „Madhouse“ lief mit heavy-rotation. (Die Sendung hiess übrigens „Monsters of Rock“ und wurde von einer gewissen Amanda Redington moderiert) Das dazugehörige Album „Spreading the Disease“ war durch die Bank ein gehöriger Knaller, kein Wunder also, dass ANTHRAX bald in Europa tourten (zusammen mit Overkill) und für Furore sorgten. Probleme mit der Plattenfirma und der Ausstieg von Sänger Joey Belladonna bescherten der Band allerdings einige Jahre später eine unfreiwillige Zwangspause, die mit der Verpflichtung von John Bush (ex-ARMORED SAINT) glücklicherweise ein überraschendes Ende fand ......

.....zurück in die Gegenwart. ANTHRAX haben ein neues Album, „We´ve come for you all“, am Start, und der Titel wird hier zum Programm erklärt, wenn man den überzeugten Brustton in J.B.´s (Telefon)-Stimme hört. Klar, fünf Jahre hat es bis zur Fertigstellung gedauert, da staut sich einiges an Aggression auf, vor allem dann, wenn es schon wieder Streitereien gegeben hat ....(mit wem wohl?) Klar, die Musikindustrie spart an allen Ecken und Enden (Napsters Erben lassen grüssen), da trifft es all jene, die vielleicht in den letzten Jahren nicht so viel verkauft haben, härter als die Megaseller.

Aber egal, die vier Tracks auf der vorliegenden Promo schwächeln keineswegs, das volle Werk bietet dann 14 Nummern. J.B. spricht zwar nicht vom „besten Album, das die Band je gemacht hat“, aber stolz ist er trotzdem. Lustig, als er im Zusammenhang mit der Musik seiner Band die Worte „Rock´n´Roll“ benutzt. Im Prinzip geht’s ja doch nur darum .... und daher bedeuten einige Jahre Wartezeit auch nicht den Untergang in unserer schnelllebigen Zeit. Sehr amerikanisch. Rock´n´Roll will always be there. Genauso wie ANTHRAX. Seine Jungs und er freuen sich schon sehr aufs LIVE-spielen, zum Glück gibt’s auch schon Termine ......(www.anthrax.com) und das europäische Publikum ist irgendwie fanatischer als das amerikanische! Europa war immer ein guter Markt für die Band...... Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Auch politisch. George W. Bush ist ihm nicht ganz geheuer, wenn der Krieg wirklich kommt, werde Amerika sein zweites Vietnam erleben. Hoffentlich bricht jener erst nach der ANTHRAX-Tour aus, lässt er mich noch wissen. Das mag er nämlich gar nicht, der J.B., wenn er wegen seinem Präsidenten nicht auf die Bühne gehen könnte! Da steckt wahrlich Kalkül dahinter, denn im Falle einer von den Amis ausgehenden Kriegshandlung hätten sie ja als Gegenschlag Milzbrand-Erreger zu befürchten..... und dann hört sich der Spass auf! ANTHRAX wären dann zwar (nicht nur) in aller Munde, aber ob diese Promotion wirklich sooooo gut ist? Übrigens, die „Osbournes“ findet er cool. Ozzy ist eben der Übervater, der dürfte sogar von der Bühne runterpissen. Wieder sehr ausgefuchst, Herr J.B.! Schließlich hat die Band ja schon Black-Sabbath gecovert (Reim!) – vielleicht stößt da die Eine oder die Andere drauf ..... Und über diesen gelungenen Umweg wären sie dann bei den Töchtern und Enkeltöchtern. Vielen Dank, JOHN BUSH!


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http://www.anthrax.com