: du bist nicht allein : c-base

text: andreas probst

Die Raumstation Unter Berlin Mitte

Geschichte...
Es war an einem verregneten Tag im August 1995, als in Berlin-Mitte der erste Hinweis entdeckt wird, daß die Geschichte der deutschen Hauptstadt völlig neu geschrieben werden muß. In einer Baugrube wird ein seltsam metallisch leuchtendes Objekt gefunden. Nähere Untersuchungen ergeben, daß es sich bei dem Fund um ein Teil einer 4 Milliarden Jahre alten hochentwickelten Kultur handelt. Das Trümmerstück mit der Aufschrift „The c-base project: be future compatible“ gehört zu einer riesigen Raumstation die unter dem Stadtzentrum von Berlin liegt. Vom 845,3 Meter durchmessenden Komplex ragt nur die heute als Fernsehturm genutzte Antenne aus dem Boden.

Die sich nun überstürzenden Ereignisse haben die Gründung des gemeinnützigen Verein c-base e.V. zur Folge, der sich die Rekonstruktion der Station und die Umsetzung zukunftsorientierter Ideen zum Ziel setzt. Kurz darauf beginnt eine zusammengestellte Crew im Hinterhof der Oranienburger Str. 2 auf einer Fläche von 270 m2 mit der Rekonstruktion einer Schleusensektion, die im Jahr 2000 abgeschlossen wird. Am 11. August 2000 beginnt die Phase 2 der Rekonstruktionsarbeiten, als in der Rungestraße 20 eine zweite Ausgrabungsstätte eröffnet wird. Die neu entdeckte Multimodulstation der c-base nimmt eine Fläche von 542 m2 ein.
Die Legende dieser zeitgeschichtlichen Revolution hat bisher folgendes ergeben. Die c-förmige Raumstation wird irgendwann im 3. Jahrtausend als Generationenraumschiff gebaut, das über eine „Einstein-Rosenbaum-Brücke“ zu einem jungen Planeten im Sternbild Cassiopeia versetzt werden soll, um ihn durch Terraforming bewohnbar zu machen. Doch beim Transfer kommt es zu einem Berechnungsfehler mit der Asimov-Konstanten. Dadurch wird die Station nicht räumlich, sondern zeitlich versetzt; sie springt 4,5 Milliarden Jahre in die Vergangenheit, ohne jemals den Erdorbit verlassen zu haben. Da der Bordrechner c-beam aus Kompatibilitätsgründen mit einem 32-Bit-System ausgestattet ist, das nur einen Zeitraum von 4,29 Milliarden Jahren erfassen kann, wird der Fehler von der Besatzung nicht bemerkt, die unbeirrt ihren Auftrag weiter verfolgt und mit dem Terraforming der jungen Erde beginnt. Obwohl die c-base mit dem „Möbiusband-Accumulator“ über eine unendliche Energiequelle verfügt, kommt es vor etwa 100.000 Jahren zu einer technischen Panne, worauf die Station abstürzt und langsam im märkischen Sand versinkt
Die ersten Erkenntnisse über die Station werden in einer Datenrettungssonde (Siri-Sonde) gewonnen, die außerhalb der Station angebracht ist und gegebenenfalls abgesprengt wird. So ergeben einige der entschlüsselten Daten einen ringförmigen Aufbau der c-base. Der besteht aus insgesamt sieben Ringen, die zum Teil nicht geschlossen sind und so die Form eines C ergeben. Diese und weitere Forschungen über den Aufbau einer bisher unbekannten Spezies lassen c-base e.V. zu einem Bestandteil der Berliner Subkultur werden.

Aktivitäten
Der c-base e.V. hat etwa 150 Mitglieder, die sich aus den verschiedensten kreativen Bereichen rekrutieren. Ein Schwerpunkt des Angebots sind Seminare zur Einführung in Computersysteme, Software und Webdesign, zur privaten und beruflichen Weiterbildung. Dazu gehören auch die Treffen des Chaos Computer Club (CCC) mit dem Rahmenprogramm „Art & Beauty“. Die Bereiche Kunst und Design sind durch Ausstellungen, Performances und Events repräsentiert. So wird auch das c-gate in aufwendiger Arbeit rekonstruiert, das Eingangsportal zum Freizeitbereich der c-base, das erstmals beim legendären Oxygen Club im E-Werk Berlin zum Einsatz kam. Weiters wurde eine c-beam- Datenrettungssonde im Keller des Podewil entdeckt und vor Zuschauern rekonstruiert. Weitere Aktivitäten sind Treffen der Rißzeichner zur rz-c-conference, Poetry-Slams, Turniere der Jugger-Sportgruppe oder die Fluxsound-Partys. Regelmäßig findet die offene c-lounge an jedem Donnerstag ab 18 Uhr statt, während sich die 3-D-Computergrafiker an jedem zweiten Mittwoch treffen. Über aktuelle Veranstaltungen informiert die Homepage.
In der Tatort-Folge „Tödliches Labyrinth“ (Erstausstrahlung am 12.12.1999 in der ARD) ermitteln die SFB-Kommissare Ritter und Hellmann unter anderem in der c-base, um den Mord an einem Hacker aufzuklären.
Science-Fiction-Fans müssen sich in der Öffentlichkeit und insbesondere vor Journalisten immer wieder von UFO-Gläubigen distanzieren. Die Leute von der c-base dagegen haben den Spieß umgedreht und fabulieren mit völlig ernster Miene über Fakten und Details der Raumstation im Untergrund von Berlin. Und im Gegensatz zu fanatischen Trekkies, die ihre Uniform anlegen und sich in ferne Welten träumen, können sie handfeste Beweise für ihre Story vorzeigen. Die c-base-Crew beschränkt sich nicht auf fröhliche Stammtischrunden, sondern setzt ihre Ideen tatsächlich um. In fleißiger und kreativer Arbeit werden die Räumlichkeiten der base gestaltet, die mit düsterem postindustriellen Dekor eine ungewöhnliche Mischung aus Jugendzentrum, Computerschulungs-Zentrum und Techno-Club darstellen. In diesem Ambiente mit einer ganz besonderen Atmosphäre ergeben sich wie von selbst Synergien zwischen den unterschiedlichsten künstlerischen und technischen Bereichen. Unter dem alle einenden Motto. Be Future Compatible gelingt es der c-base e.V. den Austausch zu fördern und die verschiedenen Interessierten zusammenzubringen.

: related links :

www.c-base.de
www.c-base.org