: firemen of love : sweatmaster

text: benjamin sterbenz

Sweatmaster aus Finnland sind altruistisch. Da es eiskalt ist, sogar die Saunas einfrieren, spielen sie Lieder, um erstrangig die Körper, und nebenbei auch die Rock-Herzen, zu erwärmen.

Turku im Süden Finnlands – hässlich wie alle Städte im Land. Bei minus 25 Grad fällt das aber nicht auf, selbst die Einheimischen meiden die Straßen und versammeln sich in Lokalen. In einem davon, dem Cosmic Comic Kaffe in einem der Einkaufszentren, wartet Sasu, der Sänger von Sweatmaster, geduldig auf seinen Gesprächspartner - welcher die spiegelglatten Strassen etwas unterschätzt hat...

Gleich nebenan ist ein Plattengeschäft, und ein paar Shops weiter noch eines – in beiden Läden ist das neue Sweatmaster Album Sharp Cut ausverkauft. An sich Grund zur Freude, doch Sasu ist viel zu schüchtern und zurückhalten, um Euphorie auszustrahlen. Die Band, bestehend aus Sasu Mykkänen (Sänger/Bassist), Matti Kallio (Drummer) und Mikko Luukko (Gitarisst), spielt um Spaß zu haben und weil sie Musik lieben. In den Lieder toben sie sich aus und lassen bei Konzerten die Sau raus – ganz konträr zu ihrem wirklichen Leben. Ihre Hitsingle I am a demon and I love rock ’n’ roll bringt das auf den Punkt. (Die extravagante Betonung des rrrrr wurde von Iggy Pops Versuch einen finnischen Radio Jingle zu sprechen inspiriert) Während sie spielen sind sie besessen und bedienen sich aller Klischees des Genres, erzählen vor allem von Sex und Frauen. Nüchtern betrachtet, dass gibt Sasu zu, ist das alles eigentlich ein bisschen peinlich – aber es gehört eben dazu. Beim Texten der Lieder versucht er daher alles mit einem Augenzwinkern zu sehen und ein wenig Ironie ins Spiel zu bringen. Ganz im Gegensatz zu ihren Landsleuten Flaming Sideburns. Die leben R ’n’ R und sind stolz auf ihre Alkoholexzesse (und Rülpsorgien). Sweatmaster verbindet mit den Sideburns eigentlich nur eine gemeinsame Tour durch Finnland. Die ist aber so gut angekommen, dass die Stars sich für die Newcomer stark machten und den Deal mit dem dänischen Bad Afro Label ermöglichten – denn ohne Beziehungen geht in Finnland gar nichts. Die erste Tour ins Ausland ging nach Deutschland (mit Disgrace) und England (mit The Darkness). Gerade im United Kingdom war die Resonanz sehr positiv. John Peel war sehr angetan und auf XFM Radio war die Demon – EP Platte der Woche. Und dann gab es da noch dieses unbekannte mysteriöse Mädchen, das keinen der Londoner Gigs verpasste.

Als Sasu über den Sweatmaster Sound zu erzählen beginnt, kann er ein Grinsen nicht unterdrücken. In der Presse wird AC/DC, James Brown, The Hives, MC5, Pebbles, Nuggets, u.a. zitiert und der Sänger freut sich, dass alle Probleme haben die Band einzuordnen – ein gutes Zeichen, wie er meint.
In einer kleinen Stadt wie Turku ist es nicht verwunderlich, dass sich die Bandmitglieder schon länger kennen. Sänger und Gitarrist spielten vor Jahren in einer Stoner Band (Fassbinder). Sasu, Kyuss Fan erster Stunde, blieb dem Stoner treu. Mikko zog es Richtung Punk/Hardcore, bevor er gemeinsam mit Drummer Matti die Band Sweat gründete. (Als man das erste Demoband aus dem Studio holte, waren dieses mit Sweat MASTER beschriftet – ein glücklicher Zufall). Als Sasu des passiven Stoner Sounds überdrüssig wurde, kontaktierte er seine alten Freunde, und seitdem besteht die Band, deren Namen genau die richtigen Assoziationen weckt. Da das Trio perfekt harmoniert und klein, aber fein bleiben möchte, wird sich am bestehenden Line Up so schnell nichts ändern.

Pläne für die nächste Tour werden schon geschmiedet und neben dem skandinavischen Raum und Deutschland stehen diesmal auch die Niederlande auf dem Programm. Bevorzugt soll mit Bands anderer Genres getourt werden, wobei Peaches ganz oben auf der Wunschliste steht - denn laut Sasu ist die Thematik ja dieselbe...

Auf die abschließende Frage warum Finnland besonders gut rockt, hat der Sänger keine Antwort. Eigentlich gibt es nur wenige R ’n’ R Bands, und die, die es gibt, sind halt zufällig gut (Flaming Sideburns, Boomhauer, Sunride). Warum weiß er nicht und offen gesagt, ist es ihm auch ganz egal.

: related link :

http://go.to/sweatmaster