Die
fünfte und finale Staffel der mehrfach preisgekrönten HBO-Serie
"Six Feet Under" zählt ohne Zweifel zu den fulminantesten emotionalen
Torturen der neueren TV-Geschichte. Gewährte Serien-Erfinder Alan Ball
seinen Figuren schon in der Vergangenheit kaum mehr als die Andeutung von
Glückseeligkeit, lässt er sie zum Abschied noch einmal so richtig
durch die Hölle gehen. Und den Zuseher gleich mit, agiert die Show doch
auf einem derart hohen inszenatorischen Niveau, dass es vor dem Schmerz einfach
kein Entrinnen gibt. Ein Triumph, an dem sich zukünftige TV-Produktionen
zu messen haben werden. R.I.P.
Das
selbst eine HBO-Show nicht davor gefeit ist, vor ihrer Zeit abgesetzt zu werden,
diese Erfahrung musste 2005 leider "Carnivale" machen. Eine Entscheidung,
die definitiv nicht auf qualitative Gründe zurückzuführen ist,
lieferte das Dust Bowl Drama doch einige der denkwürdigsten TV-Momente
des Jahres ab. Da von Creator Daniel Knauf als sechsstaffeliges Epos angelegt,
kam der Kampf zwischen Licht und Dunkel am Ende von "New Canaan, CA"
zwar zu einem abrupten Halt - was bleibt, ist jedoch eine der faszinierendsten
TV-Mythologien aller Zeiten, die optisch so manche Kino-Großproduktion
alt aussehen lässt.
Das
es auch im TV-Land tatsächlich so etwas wie Gerechtigkeit zu geben scheint,
zeigt sich am Beispiel von "Veronica Mars". Vom eigenen Sender anfangs
sträflich vernachlässigt, entwickelte sich die Show still und leise
zum Kritikerliebling der Saison 04/05, ein Umstand, der sich zwar nicht in
den Ratings niederschlug, UPN aber dazu veranlasste, der Show ein zweites
Jahr zuzugestehen. Serien-Erfinder Rob Thomas dankte es seinen Vorgesetzten
mit einem spektakulären Finale – ein Schwung, den er gemeinsam
mit Serienheldin Kristen Bell in Season 2 mitgenommen zu haben scheint, begeistert
"Veronica Mars" doch Woche für Woche aufs Neue.
Die Neuentdeckung
des Jahres kommt – surprise, surprise - aus dem Hause Showtime. Motiviert
durch den Erfolg von HBO, setzt man nun auch bei der Cable-Konkurrenz immer
öfter auf Qualität, ein Umdenkprozess, der in Form von "Weeds"
Blüten trägt. Angeführt von Mary-Louise Parker, überraschte
die Show mit einem im besten Sinn kruden Mix aus Humor und Drama, in deren
Mittelpunkt die überraschend zur Witwe gewordene Nancy Botwin steht,
die, um ihren Upper Middle Class Status halten zu können, damit beginnt,
in ihrem Suburb mit Gras zu dealen. An Kunden mangelt es nicht, an Komplikationen
noch weniger. Intelligente Unterhaltung, zurecht die mit einer Golden Globe
Nominierung honoriert wurde.
Eine
der größten Faszinationen von "Arrested Development"
liegt wohl darin, dass man sich immer wieder aufs Neue fragen muss, wie es
diese Show überhaupt On Air geschafft hat. Vom ersten Tag an mit katastrophalen
Einschaltquoten kämpfend, verdankt es Mitchell Hurwitz' popkulturelles
Wahnwitzsammelsurium in erster Linie den Emmy-Votern nicht direkt wieder vom
Sender geholt worden zu sein, was zur Folge gehabt hätte, dass der Menschheit
einige der heitersten TV-Stunden ever entgangen wären. Auch 2005 war
kein Qualitätsverlust auszumachen, ein Fakt, der von der Masse natürlich
wie gehabt geflissentlich ignoriert wurde, was die Einstellung der Serie 2006
ziemlich wahrscheinlich macht.
Das
schon ein einziges kleines Mosaiksteinchen den Unterschied zwischen einer
guten und einer großartigen Serie ausmachen kann, hat sich im Fall von
"Entourage" wieder einmal eindrucksvoll gezeigt. Zwar präsentierte
sich die Traumfabrik-Persiflage schon 2004 durchaus amüsant und voll
mit Insider-Gags gespickt, Watercooler-relevant wurde sie dennoch erst durch
die zentrale Integration der Figur des Ari Gold. Großartig gespielt
von Jeremy Piven, verwandelte der narzisstische Agent die HBO-Show fast im
Alleingang in eine der unterhaltsamsten TV-Angelegenheiten 2005, sein "Hug
It Out, Bitch" gehört in Hollywood jedenfalls mittlerweile zum tagtäglichen
Sprachgebrauch.
Seit
sich Matt Stone und Trey Parker bevorzugt auf dem Feld der Social Commentary
herumtreiben, geht in der Rechtsabteilung von Comedy Central die Angst um.
Mit gutem Recht, ist es den South Park Machern innerhalb der letzten 12 Monate
doch gelungen, der römisch-katholischen Kirche, Tom Cruise, den Republikanern,
den Demokraten, den Anonymen Alkoholikern, Little League Baseball und Scientology
mit Nachdruck ans Bein zu pinkeln. In anderen Worten: alles wie gehabt im
kleinen, ruhigen Bergstädtchen, was nach acht Jahren brachial-humoristischer
Dauerbereitschaft wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist.
Man musste
2005 nicht lange suchen, um den ultimativen TV-Letdown ausfindig zu machen,
es genügte schon dem internationalen Grummeln nach der Ausstrahlung des
ersten "Lost"-Finales zu folgen. Das sich die erfolgreichste (relevante)
Newcomer-Serie des letzten Jahres dennoch in dieser Liste befindet, verdankt
sie jenen Ereignissen, wegen derer sämtliche Verschwörungstheoretiker
dieser Welt vier lange Monate wie auf Nadeln saßen. In Form eines spannungsgeladenen
Triple-Pakets präsentierte sich der ABC-Hit gleich zu Beginn von Season
2 von seiner bis dato stärksten Seite, die Erwartungshaltung für
2006 ist somit offiziell hochgeschraubt.
Jene
die befürchteten, SciFi würde nach dem Ende der Star Trek Ära
zur Gänze von den Bildschirmen verschwinden, sahen sich angesichts neuer
Shows wie "Threshold", "Invasion" oder "Surface"
eines besseren belehrt. Was jedoch nichts daran ändern konnte, dass das
Banner der Qualität auch weiterhin von "Battlestar Galactica"
geschwungen wird, gelang es der Neuauflage des Space-Klassikers doch erneut
spielend, die Old School Anhänger-Fraktion mit unglaublichen Entgleisungen
wie herausgearbeiteten Figuren, komplexen Zusammenhängen und einer gehörigen
Portion Düsternis zu provozieren.
Verlautbart
ein US-Sender die Idee, eine britische Show adaptieren zu wollen, flattern
angesichts der noch wachen Erinnerung an das NBC-Remake von "Coupling"
zurecht die Nerven. Die Vorfreude auf "The Office (US)" hielt sich
deshalb erwartungsgemäß in engen Grenzen, ein Gefühl, das
durch die ersten Episoden nur bedingt geschwächt wurde. Sechs Monate
später - die Show ist nicht wiederzuerkennen. Die verkrampften Versuche
das Original 1:1 zu kopieren sind Geschichte, stattdessen steht die Show nun
auf eigenen, kreativen Beinen. Und siehe da, es funktioniert – die Charaktere
klicken, die Gags sitzen und fertig ist der Sitcom-Coup 2005!