:  aeronauten : wenn wien dreisilbig wäre...

text: thomas weber

Während sie in ihrer Heimat eher als absolute Außenseiter im Musikbusiness gelten, feiern die Schweizer AERONAUTEN ihre "größten" Erfolge in Deutschland und Österreich. Wenn sie auch musikalisch in dieselbe Kerbe schlagen wie der Großteil der Hamburger Bands, profitieren sie doch dort wie da von einer Art Exotenbonus. Mit ihrem letzten Album "Honolulu" setzen sie genau dort an ...

"Honolulu, das soll nichts heißen und es kann alles heißen," verwischt Bläser und Saxophonist Motte gleich jegliche Vermutungen. "Für uns war nur klar: wir können den Albumtitel nicht vom Inhalt der Texte ableiten, wir können nicht sagen ERGO oder SCHEISSE. Das sagen ja die Texte schon, die sind ja sehr ichbezogen, viel mehr als früher noch, darum auch viel undurchsichtiger, offener, weniger konkret. Wir wollten auch nicht den Titel eines Liedes als Albumtitel verwenden, weil wir keinen Titel irgendwie hervorheben wollten.
Emotional gesehen geht "Honolulu" von Mir-gehts-scheisse bis super! und ins Sunshine-Reggae-mäßige. Honolulu, für einige ist das die Jamaica-Gitarre, ewiger Sommer. Trotzdem ist Honolulu ein Ort den man eigentlich nicht kennt, von dem man keine Vorstellungen hat. Einige denken an Elvis Presley-Filme, ich dachte zuerst an Dick & Doof, von denen gibt´s nämlich eine ganz witzige Episode in Honolulu. Hier in Wien aber hat ein Journalist recherchiert und herausgefunden, daß Honolulu ursprünglich soviel bedeuten soll wie "geschützte Bucht", so gesehen finde ich es sogar lustig, es gäbe ja sogar Sinn. So haben wir es uns aber nicht überlegt. Honolulu, das ist ein Ort, den es nicht gibt, oder den es gibt oder den es geben soll. So ähnlich wie in der Nummer "Schaffhausen ist eine Illusion", das ist ja auch nicht wirklich Schaffhausen, das eine Illusion ist. Das kann irgendein Ort sein, und das könnte Wien sein, wenn es dreisilbig wäre
." Mistelbach, Hollywood, Eisenstadt und vielleicht sogar ganz Vorarlberg, Illusion, Illusion, Illusion. Alles ist Illusion, kann Illusion sein, eben auch Schaffhausen. Und trotzdem wären die Aeronauten ohne ihren Schweizer Background so nicht denkbar, und ohne ihr Hamburger Label L`Age D`Or auch nicht. "Wenn Du Leute bevor sie zu uns auf ein Konzert kommen fragst, woher wir kommen, ich bin mir sicher, daß neunzig Prozent glauben, daß wir aus Hamburg stammen. Das liegt einerseits sicher daran, daß Oliver sehr akzentfrei singt; (Miteinander reden wir ja schwyzerdytsch). Andererseits liegt das aber sicher auch an unserem Label. Wir haben zwar schon sehr lange Kontakte nach Hamburg, aber ohne L`Age D`Or hätte das sicher gar nicht so gut funktioniert, die halfen uns ganz einfach Fuß zu fassen und Auftritte in guten Clubs zu bekommen." Ohne L`Age D`Or wäre wahrscheinlich der Sprung heraus aus der Schweiz nicht so leicht gelungen, da die Schweiz nicht wirklich an eigenständiger Musik abseits herkömmlicher Volksmusik und abseits der Mundartschiene interessiert scheint. "Unser Sänger GUZ hat mit einer seiner Soloplatten zwar einmal auf die Titelseite im Kulturteil der Neuen Zürcher Zeitung gebracht, was zwar gleich eine ganzseitige Story war, aber das war natürlich eine Ausnahme. Auch wenn das Medieninteresse schon da ist, also auch in der Schweiz hatten wir schon immer gute Presse, verhältnismäßig aber wenig verkaufte Platten. Das liegt aber sicher auch daran, daß es in der Schweiz keine Musikpresse gibt, die ist schlicht inexistent. Zwei, drei Zeitschriften gibt es zwar, die versuchen, diese Lücke aufzufüllen, was sich außer beim TOASTER aber nicht durchgesetzt hat. Das Problem ist da sicher auch die Sprache. Also es gibt in der deutschsprachigen Schweiz vier "große" Städte, Basel, Bern, Winterthur und Luzern. Die sind aber am ehesten vergleichbar mit Linz, Graz oder Innsbruck. Das heißt, der Markt ist nicht wirklich groß. Auch für die Musik der Aeronauten nicht."