:  bananafishbones  :
kommen um zu sündigen

text: florian bauer

"Wenn du eine Banane schälst", erklärt Sänger und Bassist Sebastian Horn gleich mal, "hast du ja diese Fäden da drinnen und das sind die Bananengräten. Und wenn du die trocknest und dann rauchst, dann soll man angeblich lustig werden. Mir ist aber nur schlecht geworden eigentlich!"

bananaAußer Sebastian sitzen noch sein Bruder Peter (Gitarre) und Florian Rein (Schlagzeug) in unserer gemütlichen Runde. Zwischendurch werden immer wieder köstliche Sachen zum Essen gebracht, Meeresfrüchte-Risotto und Lasagne verbreiten angenehme Gerüche und trotzdem spricht Sebastian immer wieder von Käsekrainern. Die drei aus Bad Tölz in Bayern sind halt doch bodenständig und auch die bösen Buben als die sie sich gerne stilisieren, sind sie nicht wirklich.
Daß es die Band seit mittlerweile fast acht Jahren gibt, würde eigentlich niemanden interessieren, wäre da nicht dieser eine C&A-Werbespot, der um Weihnachten auf und ab gespielt wurde. "Come To Sin" hieß der dazugehörende Song, der daraufhin schnell zu Hitehren kam und den Bananafishbones zu einem anständigen Plattenvertrag verhalf. Flo erzählt: "Das ist alles durch diesen Spot gekommen. Wir waren zuerst bei einem kleinem Label, das hat leider nicht so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben und dann kam auch unser Manager zum ersten Mal ins Spiel und der hatte dann innerhalb von kürzester Zeit alle möglichen Major-Deals an der Hand, weil die Single auch schon ganz gut im Radio lief." "Wir haben halt die Möglichkeit wahrgenommen," ergänzt Peter," wir haben halt gesagt, wenn’s geht, dann machen wir das. Ich finde man sollte nicht davor zurückscheuen, eigentlich jedes Medium wahrzunehmen, um halt bekannter zu werden, weil du ja dann unter Beweis stellen mußt, erst mal wenn du bekannter geworden bist, ob das was taugt, oder nicht taugt. Und das nicht zu machen aus irgendwelchen ethischen, moralischen Gründe, das find ich verlogen, weil im Grunde jede Band, die irgendwie über ein Label rauskommt, darauf angewiesen ist, daß sie Werbung hat, daß sie promotet wird undsoweiter, sonst läuft ja da überhaupt nichts."
Und man muß ihnen zugestehen, sie haben schon einen eigenwilligen Sound gefunden im Lauf der Jahre und sie sind erstaunlich experimentierfreudig für eine Band, die den Stempel "Werbe-Musik" aufgedrückt bekommen hat. Verschiedene Einflüsse verarbeiten sie auf der neuen Platte "Viva Conputa", von Country bis Grunge reicht die Palette. "Früher hab ich sehr viel Violent Femmes gehört," versucht Sebastian die Stilvielfalt zu erklären, "in der Neuzeit hab ich sehr viel Ween und Cake gehört und Eels, gerade Eels, auch als Drei-Mann-Band, sind sehr interessant, weil die einen unglaublich dichten Sound machen. Elliot Smith ist einer, der von seiner Fragilität, von dem wie der singt, da kann ich nur träumen davon. Und dann gib’s halt so viel geile Musik, meine Einstellung ist, daß in jeder Musikrichtung, von Pop bis Death Metal gibt’s 3 Prozent, die geil sind, weil da Seele dabei ist. Die muß du halt finden." "Meiner Ansicht nach, ist es so, daß es eben immer Leute gibt, die durch alle Stile wandern, wie Ween wirklich ein gutes Beispiel ist, die einfach hervorragende Songs abliefern. Aber es gibt auch genau das Gegenbeispiel, das ist kein Rezept für Qualität. Wenn du einen Hamburger mit einer Bouillabaisse vermischt, dann schmeckt das auch nicht toll." fügt Peter hinzu und schon sind wir wieder beim essen als die Topfenknödel geliefert werden.
fishMusikalisch können die Bananafishbones zwar nicht mit Grenzgängern wie Ween mithalten, zumindest in die Texte versucht Sebastian allerdings einen gewissen Tiefgang zu bringen. "Für mich als Texter ist Literatur an sich superwichtig," gibt sich Sebastian belesen, "da ist’s aber auch genau so wie in der Musik, es gibt einen wahnsinnig großen Prozentsatz von Scheiße, wo sich’s eigentlich nicht lohnt zu lesen, aber es gib auch unglaublich geiles Zeug. Was mich bis jetzt am meisten beeinflußt hat, war so Gustav Meyrink, der hat den Golem z.B. geschrieben und auch E. T. A. Hoffman, die Elixiere des Teufels, also das sind so eher die romantischen Sachen und dann mag ich gern die Illuminatus-Trilogie, die hat mir sehr viel Spaß gemacht, oder Castaneda find ich auch sehr amüsant. Dann mag ich auch so Typen wie den Meister Eckehart, das ist so ein Philosoph, 1320 oder wann der gelebt hat, und Märchen. Märchen übergreifend, die ganze Welt, weil Märchen einfach wie die Bibel und was weiß ich, ein ganz großer Pool von Informationen ist, versteckt in netten Geschichten." Und so einen nette Geschichte spiegelt auch "Urban Laughter" wider, das auf J. R. R. Tolkiens "Herr der Ringe" basiert. "Den Herrn der Ringe hab ich glaub ich siebenmal gelesen," erklärt Sebastian mit vollem Mund, "zweimal auf englisch und für mich ist das eins der tollsten Bücher für heranwachsende Menschen und mich hat’s beim öfteren lesen immer mehr genervt, daß einfach die Orks und alle immer eins auf den Deckel kriegen und nie irgendwie jetzt richtig Erfolg haben. Und deswegen hab ich mir gedacht, in meiner Geschichte läuft‘s mal umgekehrt und die Elfen und Menschen kriegen eins auf den Deckel. Am Ende läßt ja auch Tolkien das durch, daß das Elfenzeitalter vorbei ist und jetzt kommt das Menschenzeitalter. Und wenn du dich umschaust, unsere Städte und alles, da ist halt nicht mehr viel Platz für Elfen. Und in Irland und Island sind die einzigen Länder, wo wirklich noch Elfenkult betrieben wird, wo wirklich Straßen teilweise nicht gebaut werden dürfen, weil dort eben Elfenterritorium ist. Aber das gibt’s halt hier bei uns überhaupt nicht mehr." Ahja.

Das Gespräch driftet leicht ins Mystische ab, wird aber sofort wieder realistisch als die Sprache auf ihren Auftritt in Sarajevo kommt. "Das war sehr hart," erinnert sich der Sänger, "die Fahrt hin war schon, so 200, 300 Kilometer vor Sarajevo geht’s ja schon los, daß die ersten Häuser kaputt sind. Und da denkst dir schon, ja super. Aber toppen tut das natürlich Sarajevo, eine der wohl schönsten Städte Europas damals und du siehst halt einfach so 5 Meter Durchmesser Krater in so Wolkenkratzer, da kannst durchschauen. Und das ist so gespenstisch, also ich muß echt sagen, da ist mir nix mehr eingefallen. Außerdem war es so, daß die Bands dort damals wohl zum größten Teil Hardcore spielen, aber der ganz extremen Sorte, also das sind Jungs, die machen einen Krach, das findest in England oder nirgendwo findest das, so wie die draufhauen. Und dann kamen wir mit unserem Country und so und haben uns schon so gedacht, wie wir die spielen gehört haben, so UHUH, was machen wir denn hier. Aber man muß sagen, daß auch grad die weibliche Bevölkerung äußerst angetan war, auch mal Melodien zu hören und nicht jetzt nur Brett und durchbrüllen."
Die Melodien kamen auch in Wien gut an und die Bananafishbones überraschten mit einem recht interessanten Set. Der diplomierte Jazzdrummer behandelt ein äußerst reduziertes Schlagzeug, Peter jagt seine akustische Gitarre durch alle möglichen Effekte und erzielt damit einen Sound "den ein UFO oder eine Metalgitarre gern erzeugen würden" (courtesy of Sebsatian Horn) und Sebastians Stimme reicht von gutturalem Gröllen bis zu nasalem Country-Gejammer. Das Publikum, hauptsächlich von Come To Sin angelockt, schien etwas verwirrt ob dieser wilden Mischung. Insgesamt hinterließen sie einen recht zwiespältigen Eindruck, vor allem weil einer starken ersten Hälfte eine sehr langweilige zweite folgte. Es soll sich also jeder sein eigenes Bild machen. Nächste Gelegenheit: Anfang Juli beim Forestglade-Festival in Wiesen.