text: florian bauer

: bombshell rocks : schwedenbomben
Schweden überrascht immer wieder. Nach hochkarätigen Pop-Acts (ABBA, Roxette) und grottenschlechten Rockbands (Europe), kam irgendwann eine Welle von ganz unterhaltsamen Punkbands (No Fun At All, Millencollin) aus dem hohen Norden. Mit Marten (voc.) und Mathias (bass) von Bomshell Rocks sitzen mir die jüngste Ausprägung schwedischen Ska-Punks gegenüber, die in der Arena ihr erstes Album "Street Art Gallery" (Sidekicks) präsentierten.

Wir sitzen gemütlich am Tisch, Marten und Mathias sind sehr engagierte Interview-Partner, auch wenn sie etwas nervös wirken. Aber Bombshell Rocks befinden sich auf ihrer ersten großen Europa-Tournee im Vorprogramm von 59 Times The Pain. Ein bißchen Aufregung ist ihnen da schon zuzubilligen.

Und wie fühlst du dich zwei Stunden vor der Show?
Marten: Aaah, es ist eine sehr große Bühne und eine sehr große Halle. Das ist die größte auf dieser Tour bis jetzt. Wir haben hauptsächlich kleine Clubs gespielt, ich werde glaub ich ziemlich nervös sein. Noch nicht jetzt, aber eine Stunde vor unserem Auftritt.

Wo seid ihr eigentlich her?
Marten: Wir kommen aus einer Stadt namens Västeräs. Das ist eine sehr kleine Stadt in der Nähe von Örebro.

Wann habt ihr begonnen, Musik zu machen?
Marten: Wir haben im September/Oktober 1995 angefangen. Das war eigentlich nur die Fortführung einer anderen Band, die aus den gleichen Leuten wie Bombshell Rocks bestanden hat. Die hat auch 3 Akkorde-Punk gespielt, weil es für uns natürlicher war, einfachere Musik zu machen.

Sind Bands wie Social Distortion ein großer Einfluß für euch?
Marten: Ja, für mich schon. Ich schreibe ja einige Songs und die sind auf jeden Fall von Social Distortion beeinflußt.

Kannst du uns erzählen, wie du die Songs schreibst?
Marten: Das ist von Song zu Song verschieden. Manchmal schreibe ich den ganzen Song auf einmal, manchmal schreibe ich nur einen Teil. Meistens schreibe ich und einer der beiden Gitarristen die Songs. Manchmal haben die einen ganzen Songs und ich schreibe dann die Lyrics dazu.

In deinen Texten ist ja sehr viel Wut und Haß. Wo kommt das her?
Marten: Ich mag das Wort Haß nicht, weil Haß ist es was die Welt zugrunde richtet. Aber manchmal ist es hart, nicht zu hassen. Ich ziehe Wut vor, weil Wut ist es, was ich durch meine Musik herauslassen möchte. Wut lasse ich auch heraus, wenn ich meine Texte schreibe. Ich werde beeinflußt durch die Sachen um mich herum, die Dinge, die ich selber sehe oder beim fernsehen, Dinge, die ich höre. Das bringt mich zum schreiben.

Fühlst du dich besser danach?
Marten: Ich hab mich gut gefühlt, nachdem ich die zwölf Texte für das Album geschrieben hab. Ich war so leer danach, ich hätte nicht eine einzige Zeile mehr schreiben können.

Und wie war das mit der englischen Sprache?
Marten: Ich hab schon öfters ins Wörterbuch geschaut. Es war halt immer ein Satz auf schwedisch, den ich dann übersetzt hab.

Aber in Schweden kann man prinzipiell sehr gut englisch. Die Filme haben dort auch keine Untertitel oder Synchronisation, oder?
Mathias: Ja, das ist ein sehr guter Weg, englisch zu lernen. Beim Fernsehen lernt man sehr viel.
Marten: Viele Bands kommen nach Schweden und wundern sich, warum wir so gut englisch können.

Was glaubt ihr warum Schweden, musikalisch gesehen, so wichtig ist?
Marten: Keine Idee. Es gibt halt außer Stockholm keine großen Städte. Und in diesen kleinen Städten kann man nicht viel tun, außer Musik zu machen. Ich hab auch so angefangen, ich meine, ich bin nicht so sportlich, zumindest nicht immer. Also hab ich halt Musik gemacht. Und viele junge Leute sind halt auch sehr von Underground-Bewegungen angezogen.

War es schwer einen Plattenvertrag zu bekommen?
Marten: Wir haben einige Jahre gebraucht, also es ist ziemlich schwer für eine Band in Schweden, einen guten Plattenvertrag zu bekommen. Es gibt so viele DIY-Plattenfirmen.

Sidekicks ist ja ein Label von Burning Heart-Records.
Marten: Das ist einfach das beste Label in Schweden. Die haben denselben Vertrieb wie Burning Heart und jetzt hat Epitaph die Hälfte gekauft und die werden Burning Hearts America machen. Wir werden also auch in den USA veröffentlicht. Es ist das perfekte Label für uns.

Und ihr wollt auch dort touren?
Marten und Mathias: Das hoffen wir!!
Mathias: Wir haben schon was gehört von einer Amerika-Tour, aber das ist noch nicht fix.
Marten: Es ist einfach ein Traum von uns auf Amerika-Tour zu gehen: Ich weiß zwar nicht, wie es ist, dort zu spielen, aber einfach mal hinzukommen wäre schon großartig.

Könnt ihr von der Musik leben?
Marten: Nein, bis jetzt nicht, aber wir hoffen, daß das einmal geht. Wir wollen einfach so viel Musik machen wie möglich und wir haben keine Jobs. Das ist das Tolle am touren. Die Tage gehen einfach vorbei, du mußt dich nicht so kümmern. Du kommst viel herum, kannst jeden Tag spielen, schläfst und am nächsten Tag spielst du in der nächsten Stadt.

Wie alt seid ihr?
Marten: 21
Mathias: 24 ich bin der älteste, der jüngste ist 19.

Dann gibt’s ja einen Generationenkonflikt in der Band?
Mathias: Nein, wir haben alle dasselbe Gemüt.
Marten: (lacht) Das Gemüt eines dreijährigen! Du mußt das Gemüt eines dreijährigen haben, um Musik zu machen und auf Tour zu gehen. Nein, wir sind schon eine relativ junge Band.

Ist es einfacher Alkohol zu kriegen, wenn man in einer Band ist? In Schweden ist es ja sehr schwer.
Marten: Ja, wir kriegen jeden Tag Alkohol!
Mathias: In Schweden ist es schon schwer. Du mußt 18 in den Pubs sein und 20 wenn du Alkohol im Supermarkt kaufen willst.

Warum ist das so?
Mathias: Keine Ahnung

Ihr habt ja trotzdem nicht weniger Aggression in Schweden. Wir kriegen das hier ja oft im Fernsehen mit, z.B. den Bandenkrieg zwischen Hell`s Angels und Bandidos.
Marten: Ja, das ist komisch. Wir kriegen davon eigentlich gar nichts mit, wir sehen das in Schweden auch immer nur im Fernsehen.

Ist auch besser so, das im Fernsehen zu sehen, als direkt auf der Straße!
Mathias: Auf jeden Fall.

Zwei Stunden später bringen sie die ganz gut gefüllte Halle zum rocken. Man merkt ihnen zwar noch ein bißchen die mangelnde Routine an, was am Spaßfaktor der schnellen Fetzer nichts ändert. Marten läuft unermüdlich auf der Bühne hin- und her und wenn sie erst genug Konzerte in den Knochen haben, darf man ruhig auch größeres von ihnen erwarten.
Die CD "Street Art Gallery" jedenfalls zeigt einen sehr guten Einblick in die Welt von Bombshell Rocks. Zwar nicht unbedingt sehr innovativer Ska Punk wird hier geboten, aber "Street Art Gallery" überzeugt auf der ganzen Linie. Gute Melodien, gepaart mit der entsprechenden Härte und Geschwindigkeit und nettem Harmoniegesang sorgen schon für äußerst unterhaltsame Momente. (flo)