:  eläkeläiset  :
spinnen die finnen

text: florian bauer

Als Eläkeläiset vor einigen Jahren mit ihren verrückten Coverversionen auftauchten, schüttelten einige nur belustigt die Köpfe, während sich andere mit Grauen abwandten. Von Gefallen kann bei den verrückten Finnen irgendwie nicht wirklich die Rede sein, eher geht es darum zu staunen wie viel Schwachsinn auf einem Haufen möglich ist. "Werbung, baby!" heißt die neue CD und die Lieder heißen z.B. Humpan alla, Tervetuloa mehtään, Kuusessa hevon,... alles klar? So nennen Eläkeläiset Songs von den Red Hot Chili Peppers, Guns N‘ Roses und Eric Clapton. Sie singen finnisch, spielen lustige Instrumente (Zieharmonika & Casioorgel) und machen Humppa. Was man darunter verstehen kann, erklärt mir anläßlich der Wien-Konzerte Schlagzeuger Kristian Voutilainen.

Eläkeläiset heißt ja die Pensionisten. Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?

Kristian: Als wir angefangen haben, wollten wir die Musik spielen, die die alten Leute in Finnland spielen. Wir nennen das Humppa. Die spielen das mit Anzügen und ein bißchen langsamer, aber irgendwie haben wir von diesem Punkt aus einen Stil entwickelt über die Jahre. Aber von da kommt das, Rock’n’Roll im alte-Leute-Stil zu spielen.

Und die Texte von den Coverversionen, sind die einfach übersetzt, oder ist da mehr dahinter?

Kristian: Nein, die haben mit den Originalversionen überhaupt nichts zu tun. Unsere Texte sind über Probleme, die alte Leute haben, oder früher zumindest, jetzt sind sie vielleicht eher über unsere eigenen Probleme.

Aber ihr seid doch noch gar nicht so alt, was wißt ihr über die Probleme von alten Leuten?

Kristian: Natürlich haben wir alle Großeltern und andere Verwandten, die man jeden Tag sieht, wenn man einkaufen geht.

Wie lang gibt es Eläkeläiset schon?

Kristian: Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir im Frühling 1993 angefangen und der erste Auftritt war im Juni.

Ihr habt ja dann sehr schnell einen guten Ruf bekommen?

Kristian: Eigentlich war das ja nur ein Seitenprojekt von einer Band namens Kumikameli, das angefangen hat ein eigenes Leben zu bekommen. Wir haben dann einen kleinen Kultstatus in Finnland und Schweden bekommen, nach dem Sommer 1993, wo wir zwischen 20 und 30 Gigs gespielt haben. Danach haben wir komplett aufgehört und wollten es eigentlich sein lassen. Aber nach einem halben Jahr sind wir irgendwie alle wieder zusammengekommen. 1995 haben wir Eläkeläiset ein zweites Mal begraben und haben gedacht, jetzt ist es wirklich vorbei, aber dann ist es in Deutschland losgegangen und jetzt sind wir wieder da und es ist wirklich gewachsen mittlerweile.

Wie schaut das mit der Auswahl der Coverversionen aus? Habt ihr auch eigenen Lieder?

Kristian: Nein, nicht wirklich. Wir haben das einmal probiert, aber das hat so unwirklich geklungen, eigene Songs zu machen und die dann in Humppa zu verwandeln. Die Coverversionen kommen einfach, da gibt’s kein spezielles System wie wir die auswählen. Wir hören einfach etwas und denken, das wäre eine gute Nummer. Die erste Regel ist, es muß einfach genug sein, vier Akkorde, wenn es mehr sind, werfen wir’s weg. Und wenn es funktioniert, nachdem wir es in Humppa verwandelt haben, nehmen wir es.

Was ist mit Finnland, daß dort nur verrückte Bands herkommen? Ich denke da an Leningrad Cowboys, Apocalyptica, Jimi Tenor,...

Kristian: Ich glaub in Finnland ist es genauso wie überall anders auch, aber es gibt eigentlich keine finnische Band, die wirklich Erfolg gehabt hätte. Es werden halt nur diese verrückten Bands bekannt. Es gibt überall verrückte Bands, aber die kriegen halt nicht diese Aufmerksamkeit, wie finnische Bands. Das hat vielleicht auch mit Aki Kaurismäkis Erfolg zu tun.

Ich mag sein Filme sehr gern.

Kristian: Ja, ich auch. Aber die sind nicht wirklich über Finnland. Das ist eine komische Kombination aus dem Finnland, wie es vor 20, 30 Jahren war und Kaurismäkis eigener Welt.

Aber diese trostlosen, tragischen Geschichten wirken schon sehr realistisch. Und für ihren Alkohol-Konsum sind die Finnen ja auch weithin bekannt...

Kristian: Ja, das ist schon so. Das ist, glaube ich, diese hart arbeitende Kultur. Du arbeitest, du arbeitest und du arbeitest. Und wenn du dann mal Zeit hast und ausspannen kannst, dann versuchst du, alles rauszuholen. Man macht einfach nicht dieses "ein bißchen Wein zum Essen-Ding". Du trinkst, wenn du trinkst und du arbeitest, wenn du nicht trinkst.

Aber warum ist das so anders im Vergleich zu Schweden? Schwedische Bands waren ja immer schon erfolgreich. Europe, Abba, Cardigans,...

Kristian: Das ist wieder dieser andere kulturelle Background. Schweden hat ja schon seit einigen hundert Jahren keinen Krieg mehr gehabt. Und dann schau dir mal Finnlands Geschichte an. Die dunklen Jahre unter dem Druck der Sowjetunion und so. Also wenn du nach Schweden gehst, ist das ganz anders. Es schaut zwar gleich aus, aber es ist ganz anders. Irgendwie lachen die Leute mehr und sind viel fröhlicher.

Auf "Werbung, Baby" sind 99 Tracks, die letzten 70 oder so sind aber von einer Formel 1-Übertragung. Was soll das?

Kristian: Das war so, als wir sie im Winter gemastert haben, haben wir uns einfach gedacht, laß uns was ganz blödes machen. Und dann haben wir einfach die Indexes gesetzt. Die Pointe ist, wenn jemand das auf Random Play hören will, dann ist das ganz lustig, weil die meiste Zeit dieser Motorenlärm ist und ab und zu dazwischen ist dann ein Song. Die Geräusche sind von einem Autorennen, weil wir ja alle große Mika Hakkinen-Fans sind.

Man sieht schon, man muß auf einiges gefaßt sein, läßt man sich auf Eläkeläiset ein. Und man darf auf keinen Fall versuchen sie ernst zu nehmen, sonst läuft man schnell Gefahr, den Glauben an das Gute zu verlieren. Aber mit einer Gewissen Portion Ironie läßt sich ja auch ein Songcontest ertragen. Und wer damit umgehen kann, der wird vielleicht auch an Eläkeläiset seinen Spaß haben.