:  frank black  :
garage days revisited

text: florian bauer

Der alte Pixies-Haudegen hat sich wieder einmal ein paar Tage ins Studio begeben und mit seinen Catholics ein Album hingerotzt, das Pistolero heißt und genau das bietet, was man sich von ihm erwartet: rauher, ungeschliffener, unprätentiöser Rock’n’Roll, straight from the heart.

Pistolero ist das fünfte Frank Black-Solo-Album, das zweite, das er mit den Catholics aufgenommen hat. Mit den Catholics hat er ein paar begnadete Session-Cracks gefunden, die sich dem Egozentriker perfekt unterordnen. Tun sie das nicht, werden sie einfach ausgewechselt, so wie der Gitarrist Lyle Workman. "Lyle und ich hatten einen Riesenkrack und ich hab ihn einfach rausgeschmissen!" feixt Frank Black aus Los Angeles durchs Telefon, "Nein, Spaß beiseite. Er wollte nicht touren, sondern einfach in Los Angeles bleiben und als Musiker arbeiten, also mußten wir einen neuen Gitarristen finden." Mit Rich Gilbert hatte man schnell Ersatz am Stromruder. "Rich klingt viel zorniger, viel aggressiver als Lyle. Ich denke, das ist auf Pistolero deutlich zu hören. Was den optimalen Leadgitarristen-Sound betrifft, so habe ich keine konkrete Vorstellung davon, wie der wohl klingen könnte. Jeder Gitarrist, mit dem ich in der Vergangenheit gearbeitet habe, selbst bei den Pixies damals, hat seinen ureigenen Sound mit in meine Musik eingebracht. Das einzige was ich sagen kann, ist, ob ein Gitarrist paßt oder nicht. Und Rich paßt ganz hervorragend zu meiner Vorstellung des optimalen Catholics-Sounds, auch wenn er sehr anders klingt als Lyle. Seine Gitarrenarbeit ist sehr viel ursprünglicher und eruptiver, zugleich aber auch kopflastiger und intelligenter als Lyle. Vielleicht könnte man es so vergleichen: Während Lyle mehr der grundsolide, technisch einwandfreie Handwerker ist, der seinen Job von der Pike auf gelernt hat, ist Rich mehr der expressionistische Künstler, der mit wenig Mitteln und einem großen Gespür für die richtigen Akzente einen größtmöglichen Effekt erzielt und die richtigen Impulse an der richtigen Stelle gibt." behauptet Frank. Pistolero wurde wie schon die erste Catholics-Platte live im Studio auf zwei Spuren gebannt. Auf diese Art klingen die Platten sehr ungeschliffen und man fühlt sich an eine Garagen-Band erinnert. "Das stimmt," lacht Frank, "es ist ein sehr guter, rauher Sound, nicht unbedingt Lo-Fi, einfach rauh. Außerdem haben wir einen guten Spirit im Studio, weil wir alle zusammen spielen müssen, alles ist live wie in einem Nightclub, das ist eine bestimmte Atmosphäre der Aufregung, die man nicht hat wenn man Multitrack aufnimmt." Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist auch der Kostenfaktor. "Das Abmischen fällt weg und man muß alle Entscheidungen sofort treffen und dadurch geht alles schneller. Einige Leute sehen das vielleicht als Nachteil, alles sofort entscheiden zu müssen, aber ich verkaufe ja keine Millionen Platten, ich kann’s mir nicht leisten Wochen und Wochen im Studio zu verbringen. Also ist das für mich sehr ökonomisch." erklärt er seine Rückbesinnung.
In einem anderen Bereich ist Frank Black allerdings sehr zukunftsorientiert. Als einer der ersten Künstler stellt er seine Platten im Internet zum Download gegen Gebühr zur Verfügung. Bei www.goodnoise.com gibt’s für 99 cent pro Track das Album im mp3-Format. "Ich bin zwar nicht so ein Internet-Genie, aber ich finde das eine gute Sache." erklärt er, "Die Plattenfirmen sollen sich nicht so aufregen über die mp3s, das kommt davon, weil sie die CDs so teuer verkaufen! Ich glaube aber, daß Plattenfirmen immer existieren werden. Sie werden vielleicht weniger Geld an einem Künstler verdienen können und der Künstler selber wird vielleicht ein bißchen mehr verdienen. Ich glaub nicht, daß sie vollkommen verschwinden werden, weil man braucht einfach einen Mittelsmann. Einige Künstler schaffen es vielleicht, organisiert genug zu sein, ihr eigenes Unternehmen zu haben, aber viele Künstler können das nicht. Ich zum Beispiel könnte das nicht, weil ich das auch nicht will. Ich möchte keinen Server betreiben und mich um die Kreditkarten-Abrechnung kümmern und die Mailing-Liste auf dem neuesten Stand halten. Das will ich alles nicht machen müssen." Also keine Angst, liebe Plattenfirmen, Onkel Frank glaubt an euch!
In den nächsten Monaten kommt Frank Black mit seinen Catholics auf Tour nach Europa. Österreich-Dates sind leider keine geplant. (flo)