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text: paul litschauer

FSK: deutsche Indie Veteranen mit ihrer Sicht von zeitgenössischer Musik.
TEL AVIV titelt sich ihre neue Scheibe, was übersetzt ALT/NEULAND heißt. Auf disko b haben sie mit ihrer letzten Maxi und der aktuellen CD im wahrsten Sinne "neues" Terrain betreten, auch wenn es doch ganz nahe liegt, wie sich zeigt...
Vor ihrem Wien Konzert im B72 gab uns Sängerin / Violinbassspielerin Michaela Merian ein aufschlussreiches Interview.

fsak pizza

Wie kommt ihr als Band zum Elektroniklabel Disko B?
Wir sind auf Sub Up Records, das ist eigentlich das Mutterlabel von disko b. Sub Up, entstand aus dem Optimal Plattenladen, der neben Independent auch Techno und derartiges führt, und so veröffentlichen wir dann je nach Stil entweder auf Sub Up oder auf disko b.
Disko B hat sich in den letzten Jahren ganz schön entwickelt, vom Absatz her, es hat ja auch seinen eigenen Club in München, den Ultraschall, und daher die besten Kontakte zu DJs.
Vor 2 Jahren haben wir Instrumentalstücke begonnen, die stilistisch sehr an Disko B angelehnt waren. Dann war die Idee, das als Maxi da reinzutun. Das hat sich als sehr gut erwiesen, da sich viele Leute, die von uns nichts wissen, das als Disko B Platte gekauft haben, das so konusumiert haben, und auch zu unserer Musik gestossen sind.
Diese instrumentalen Stücke finden sich neben euren neuen Songs auch auf der CD. Sind die alle live gespielt?
Es hat sich so ergeben, da wir ja eine Band sind und nicht den Leuten, die im Homestudio am Computer rumbasteln Konkurrenz machen wollen. Unsere Qualität und unser Spaß ist ja, daß wir seit Jahren zusammenspielen. Die Platte ist live gespielt, in Takes, nur der Gesang ist drübergelegt.
Eine rein stilistische Annäherung an die Elektronik?
Bis auf den DX7, wir versuchen das immer Auszureizen mit dem was wir spielen können. Und es fließt immer das ein, was wir gerade gerne hören.
Mario Thaler, euer Produzent, soll ja ziemlich eigenwillig sein, seine eigenen Vorstellungen durchbringen wollen.
Er war bei uns einfach der 6. Mann an Bord, wir haben immer alles gemeinsam entschieden... Was natürlich ziemlich kompliziert sein kann, wenn einer sagt: das war nicht gut genug, dann müssen wir das alles nochmal einspielen... und so war der Mario Thaler eben eine wichtige 6. Person dabei.
19 Jahre Bandgeschichte, da fällt ihr doch irgendwie in die Geburtszeit der NDW rein? Also diese neue, deutschsparchige Musik, ich meine nicht unbedingt den späteren Hitparadenbegriff davon...
Ja genau, da hat‘s auch bei uns angefangen, einige hatten auf der Kunstakademie studiert, und alle beginnen plötzlich Musik zu machen, jeder hat irgendwas ausgepackt. Es war auch nicht wichtig, daß man etwas gut spielen kann. Ich würde sagen es war schon absolut rockfreie Musik damals, wir hatten z.B. 10 Jahre lang keinen Schlagzeuger, weil wir vom Konzept her nicht wollten, daß wer auf der Bühne schwitzt, so etwa wie KRAFTWERK.
Grauzone fallen mir da ein.
Ja die haben wir auch sehr verehrt, mit denen haben wir auch gemeinsam gespielt in Basel, und aus eigentlich der Ecke kommt das, alles war Underground, kleine Independentlabels.
Wir haben damals eine kleine Zeitung gemacht, die hieß MODE UND VERZWEIFLUNG, da waren Fotos und Texte, und als alle begannen Musik zu machen, haben wir das auch getan.
Wir sind nun seit dem Anfang in der Urbesetzung zusammen, bis auf den Schlagzeuger, der ist 1991 dazugestoßen und spielt auch bei den MERRICKS. Davor hatten wir im Laufe der Zeit verschiedenste Drumcomputer, zuerst so einen "Alleinunterhalterding", dann einen Roland TR, der heute in der Elektronik ja Kultstatus hat, bis zu einem ALESIS, der dann schon die Originalsamples drinnengehabt hat. Der Karl spielt bei uns ja wirklich am diffizilsten, komplizierte Sachen, im Prinzip überhaupt kein Rock Schlagzeug, sondern Sachen, die man sonst programmiert.