: jimmy somerville :
geschichten von einem ganz normalen leben

text: florian bauer

Sein hoher, falsettartiger Gesang hat ihn berühmt gemacht. Hits wie "Smalltown Boy", "Why?" (mit Bronski Beat), "Don’t Leave Me This Way" (mit den Communards), "You Make Me Feel (Mighty Real) und "It Hurts So Good" (Solo) werden vielen noch im Ohr sein. Jetzt meldet sich Jimmy Somerville nach vierjähriger Abstinenz zurück. Das neue Album heißt "Manage The Damage", erscheint am 7. Juni und bietet wieder Dance-Pop vom Feinsten.

"Ich hab hauptsächlich gelebt in den letzten vier Jahren," läßt Jimmy schmatzend durch’s Telephon wissen, "außerdem meine Plattenfirma gewechselt, mit Freunden an einem Film gearbeitet und sowas. Nichts besonderes eigentlich." Das Album hat er mit seiner Mitbewohnerin Sally Herbert in seinem Home Studio aufgenommen. "Die Zusammenarbeit mit ihr war sehr gut, weil wir so gute Freunde sind. Es war eine sehr inspirierende Periode und wir hatten eine tolle Zeit. Die Aufnahmen haben zweieinhalb Monate gedauert, aber die Songs sind teilweise schon mehrere Jahre alt. Es ist eine gute Mischung geworden." Eine gute Mischung ist auch der gesamte Sound des Albums, das sehr 80er Jahre-mäßig klingt. "Das ist eine lustige Sache, weil die meisten neuen Trends sind sehr von den 80ern beeinflußt, das Album ist also sehr zeitgemäß. Ich hasse z.B. Drum’n’Bass, das ist schrecklich! Das meiste ist einfach Scheiße. Ich höre sehr viel verschiedene Musik und hab deswegen auch sehr vielfältige Einflüsse. Ich mag Leute wie Beck oder viel von Goldie, ich hab da keinen besonderen Geschmack, das hängt einfach davon ab, wie ich die Musik oder den Song mag."
Neben der Musik ist der bekennende Schwule auch sehr für sein soziales Engagement bekannt. "Im Moment beschäftige ich mich hauptsächlich mit meinem Leben. Das ist wichtig genug. Aber auf dem Cover der Single "Something To Live For" sind z.B. Fußball-Fans, die AIDS-Medikamente auf ihre Dressen gedruckt haben. Wir wollten damit einfach Aufmerksamkeit erregen. Fußball ist ja größer als Religion bei uns. Die Idee war, das auf die Dressen zu drucken, um ein Bild zu schaffen, das die Leute anschauen und denken, um was geht’s da, was passiert hier? Aber ansonsten sind die Songs alle über mich, wie ich mich fühle, gefühlsmäßig und psychologisch, was ich um mich herum sehe, was ich lese, wovor ich angst habe. Es sind eigentlich Geschichten von einem ganz normalen Leben." Und diese Geschichten werden wieder sehr schnell die Dancehalls dieser Welt füllen. Eingängig, groovig und absolut tanzbar präsentiert sich Jimmy Somerville wie gewohnt. "Ja, es schaut gut aus, die Single läuft in Deutschland sehr gut. Ich hoffe schon auf einen Erfolg."
Im September / Oktober geht Jimmy Somerville auf Tour. Ob ihn die auch nach Österreich führen wird, ist bis jetzt nicht bekannt. Auf jeden Fall wird er sie Solo bestreiten, Pläne die Communards oder Bronski Beat wiederzuerwecken gibt es nicht: "No! No! No! Not even for the love of god", wie er das so schön ausdrückt. (flo)