: nar malik : noch immer kein "ende des zynismus" absehbar

text: thomas weber

Fast schon wäre an dieser Stelle ein wehmütiger Nachruf auf Nar Malik gestanden, eine der, wenn nicht die verkannteste Band Österreichs. Und fast könnte man sagen, daß es der Zufall so wollte, denn gerade als sich die Nachricht vom lange befürchteten, offiziellen Split Nar Maliks verbreitet hatte, wurde die Meldung auch schon wieder zurückgezogen. Nar Malik leben! Und weil auch noch ihre neuen Nummern mehr als nur überzeugen, traf sich Thomas Weber mit Sänger und Gitarrist Thomas Geldmacher - und freut(e) sich wie ein kleines Kind.

Fiele es etwas mehr musikhörenden Menschen leichter, wirklich kantige Gitarrenmusik und anspruchsvolle Texte miteinander vereinbaren zu können, würden sich ein paar Menschen mehr dieser Herausforderung stellen, - Nar Malik wären längst berühmt. Doch leider: nichts als Konjunktive. Denn was auf internationaler (eigentlich also: englischsprachiger) Ebene manchmal sehr wohl funktioniert, wird bei Nar Malik noch dadurch erschwert, daß sie auf Deutsch singen und daß sich die Band jeglichem (dem Erfolg zweifelsohne förderlichen) Image verweigern. Und dabei bräuchte nur irgendein wichtiges Zeitgeist-Magazin (z.B. SPEX oder Visions oder ...) einmal (zuerst einmal erkennen und dann) erklären, wie uncool cool diese Band eigentlich ist...
Doch noch besteht Hoffnung, daß das vielleicht einmal passieren könnte. Denn erstens setzt sich nach vier Alben jetzt erstmals ein Manager (eigentlich ja eine Managerin) für Nar Malik ein, zweitens sind die (annähernd zehn) neuen Songs facettenreicher als alle anderen zuvor, und drittens sind Nar Malik gerade dabei, die Schranken des oft immer noch puristischen Rock-Umfelds zumindest teilweise zu überwinden. "Unsere Managerin, die uns, da sind wir wirklich sehr froh, den für uns unguten Teil der Arbeit abnimmt, die ist gerade dabei, unser potentielles Publikumsspektrum zu erweitern. Es ist ja durchaus vorstellbar, daß wir - vor allem in den Bundesländern - in Jazz-Kneipen auftreten. Das wäre natürlich extrem spannend. Nachdem wir die Rock-Schiene ja ohnehin nur zu einem sehr geringen Teil bedienen und wir eh immer zwischen allen Stühlen gesessen sind, spricht nichts dagegen, einmal in solchen Lokalen aufzutreten, um zu schauen, was passiert. Vielleicht werden wir ja auch mit Bomben und Granaten einfahren, weil wir sicher nicht die größten Instrumentalisten sind und jetzt irgendwelche Charlie Ratzer-Gitarrensoli auspacken werden, aber ich kann mir das Umfeld eigentlich ganz gut vorstellen. Ein Jazzpublikum ist vielleicht doch eher gewöhnt, zuzuhören und weniger abzutanzen. Wenn´s nicht funktioniert, dann haben wir´s zumindest probiert, dann war´s ein Versuch.", gibt sich Thomas relativ optimistisch.
Straighter Rock-Sound ist ohnehin schon lange nicht mehr Nar Maliks Sache (auch wenn alte, nahezu Schweinerock-Nummern live immer noch gefallen) und auch seit ihrem letzten Album ("Feuer dem König", GASH Records 1997) haben sie sich immer mehr vom zuletzt doch noch relativ klassischen Indie-Rock-Umfeld wegbewegt. "Zum Teil haben sich unsere neuen Nummern relativ zufällig in Richtung Easy Listening bewegt. Es ist ganz einfach fad, dauernd Songs auf e, a und h zu machen. Zwar gibt es viele gute Songs auf e, a und h, aber heute ist es halt schwierig gute Songs auf e, a und h zu machen." Daran hat nach einer längeren Zeit ohne Schlagzeuger laut Thomas auch der Schlagzeuger Christoph Aschauer großen Anteil, der erstmals im Zusammenhang mit Nar Malik auftaucht. "Der Christoph spielt zwar zum Beispiel in der Chelsea All-Star Band, verweigert sich aber eigentlich jeglichem Band-Kontext. Christoph spielt zwar mit uns, er legt aber Wert darauf, daß er nicht der Drummer von Nar Malik ist. Wir haben keine Probleme damit, das zu respektieren."
Nummern, die von Thomas und Bassist Martin Gastl ursprünglich gar nicht fürs Schlagzeug gedacht waren (da der ehemalige Drummer seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile nach Amerika verlegt hat), gehen auf einmal in bislang für Nar Malik kaum denkbare Richtungen.
"Mit Christoph haben sich auf einmal Dimensionen in den Songs aufgetan. Die Nummern waren ja anfangs, weil nicht fürs Schlagzeug gedacht, keine Rocknummern. Die haben ganz einfach zu zweit ganz gut funktioniert. Christoph hat dann bei Proben eigentlich Latin Beats drunter gelegt, ein anderes Mal dann wieder Dub Reggae Beats oder Ska. Das sind alles Dinge die wir uns für die Songs überhaupt nicht vorgestellt haben, die aber sehr gut kommen.
Christoph ist ein extrem sensibler Schlagzeuger. Das Schlagzeug wird bei ihm fast melodietragend. Er hat unserem Sound wünschenswerte neue Dimensionen hinzugefügt.
Spannend also, zumal Nar Malik songmäßig beinahe ein ganzes Album fertig haben.