:  queens of the stone age : 
einmal im jahr gibt’s schweinerock!

text: thomas weber

Der 25jährige Josh Homme geht mit seiner neuen Band QUEENS OF THE STONE AGE konsequent den verstaubten Weg weiter durch die Dünen, den sein ehemaliger Bandkollege John Garcia mit ihrer alten Band KYUSS nicht weitergehen wollte. Von ihrer Vorgängerband unterscheiden sich Q.O.T.S.A. kaum, trotzdem kommt man nie auf die Idee, daß Josh und seine beiden neuen Mitstreiter mit Sand in den Augen auf der Stelle treten könnten; auch wenn die Drei auf einem ihrer zahlreichen Trips irgendwo in der Steinzeit dreckiger, derber Gitarrensounds hängengeblieben zu sein scheinen. Daß das dennoch alles andere als unzeitgemäß klingt, damit dürfte unter anderem auch der Einfluß gewisser zu Hause kultivierbarer Substanzen zu tun haben, der die Zeit ohnehin an die Peripherie jeglichen Interesses drängt. Aufgedreht, reingekippt und hängengeblieben ist auch Thomas Weber, der sich von Josh und seinen Freunden in Wien auf ein paar Bier´ hat einladen lassen.

Ob QUEENS OF THE STONE AGE wie KYUSS klingen oder nicht, sich auf Diskussionen dieser Art einzulassen, darauf hat Josh, der als Sänger und Gitarrist maßgeblich für den Sound seiner neuen Band verantwortlich zeichnet, einfach keine Lust mehr. "Du findest, daß zwischen uns und KYUSS kein großer Unterschied ist, andere kommen zu mir und fragen mich, warum zwischen QUEENS und KYUSS Welten liegen. Ich habe mich damit abgefunden, daß jeder Musik anders wahrnimmt, besonders unsere. Erst heute kam ein Typ aus Ungarn zu mir, der hat gemeint: `Ihr klingt wie frühe Nirvana. Was denkst Du darüber?´ Willst Du wissen, was ich zu ihm gesagt habe? Ich hab` gemeint: Du hörst die frühen Nirvana, deshalb klingen wir für Dich wie die frühen Nirvana." Daß es aber eine gehörige Portion Gemeinsamkeiten gibt zwischen seiner alten und seiner jetzigen Band, das streitet er aber auch nicht ab. "KYUSS und QUEENS sind extrem linear, es gibt eine gerade Linie zwischen dem Anfang der einen Band und zur Gegenwart; dazwischen ist aber ein Loch von drei Jahren, nämlich von dem Zeitpunkt an, an dem wir mit KYUSS Schluß gemacht haben und dem Beginn unserer neuen Band. Außerdem: ich singe nicht wie John, und auf dem nächsten Album wird Nick die Hälfte der Songs übernehmen. Er ist erst zu uns gestoßen als die Platte schon fertig eingespielt war. Nicks Stimme wird den Unterschied noch größer machen. Wir haben jetzt auch ein E-Piano und alles mögliche andere, die Musik die wir machen ist immer noch Heavy Rock`n`Roll und daran wird sich aller Voraussicht nach auch nichts ändern.
Ich habe auch überhaupt nichts dagegen, daß alle unsere Musik Desert Rock nennen. Immerhin ist diese Bezeichnung ziemlich vage, zumindest umfaßt sie Bands, die nicht gleich klingen, hinter denen aber die selbe Idee steckt, sagen wir mal: The Earthlings, Queens Of The Stone Age, Masters Of Reality und John Garcias neue Band, die UNIDA heißen."
Wüstenrock und Drogenrock, die Teilmenge aus diesen beiden Bezeichnungen heißt Queens of The Stone Age. Bei der Bezeichnung Desert Rock denken die meisten wohl zuerst an Hitze und Staub, als nächste Assoziation kommt dann aber der Gedanke, daß es in der Wüste bei Nacht verdammt kalt ist. Darauf angesprochen freut sich Josh umso mehr. "Siehst Du! Was ich liebe ist vagueness, Unbestimmtheit, Verschwommenheit, denn das heißt dann, daß es Platz für Bewegung gibt. In diesem Zusammenhang ist Bestimmtheit gleichzusetzen mit in die Ecke gedrängt sein. Deswegen mag ich die Bezeichnung Desert Rock genauso wie Motor Music, das definiert ja nichts anderes als die Musik, die Du beim Autofahren hörst, die kannst Du aber genauso gut beim Zähne putzen hören. Auf diese Weise ist jeder zufrieden. Ich kann so machen, was ich will. Wir sind keine wichtige Band, wir werden nichts verändern, keiner von uns käme auf die Idee, so einen Schwachsinn zu glauben. Aber für einige Menschen, nicht für alle, für einige Menschen, für die sind wir ein Ausweg, ein Fluchtmittel und Entspannung. Das ist es schließlich, was Musik ist, so oder so. Welche Musik Du hörst, das sagt nur etwas darüber aus, auf welche Art Du aus der Realität flüchtest, sonst gar nichts.Du kannst nur Musik hören, für kurze Zeit ganz aus der Realität verschwinden, Du kannst aber auch beim Geschirr waschen, beim Bügeln, beim Zimmer ausmalen Musik hören, weil das was Du machst ganz einfach Scheiße ist, langweilig. Wer auch immer sich das als erster ausgedacht hat: Respekt, eine gute Idee, eine der besten sogar. Musik bringt Dich in irgendeine Stimmung, auf andere Gedanken oder verstärkt Stimmungen, in diese oder jene Richtung. Und wenn einigen Menschen die Richtung von Queens Of The Stone Age gefällt, dann freut uns das."
Stimmungen. Die Musik von Q.O.T.S.A. erinnert stimmungsmäßig an Nick Caves Roman "Und die Eselin sah den Engel", eine Geschichte die in ungefähr dem selben Umfeld spielt, in dem die Musik von Q.O.T.S.A.geboren wird, wenn auch ein paar hundert Kilometer davon entfert. Das Buch von Cave hat Josh aber noch nicht gelesen. "Eine Freundin von mir hat es mir aber empfohlen und geborgt. Ich liebe die Musik von Nick Cave, seine Texte. Ich glaube geistig bin ich irgendwie mit ihm verwandt. Das Buch liegt im Tourbus ungefähr in der Mitte der Bücher, die zu lesen ich mir vorgenommen habe. Bei mir dauert das aber alles relativ lang, weil ich alles immer zweimal lesen muß, Musik zumindest zweimal hören muß."
Zwei, dreimal Hören, diese Chance muß man dem Debütalbum von Q.O.T.S.A. auch geben, spätestens dann aber wird es von mal zu mal jedesmal wachsen. "Danke, daß Du zugibst, daß es auch Dir so gegangen ist. Das einzige mit dem man Queens Of The Stone Age vergleichen kann, das ist nun einmal KYUSS. Dazu muß man aber eben drei Jahre zurück denken. Wir wissen, daß unsere Fans, und nicht nur die, gewisse Erwartungen in uns gesetzt haben. Dumm wären wir, wüßten wir das nicht! Viele erwarten jetzt sofort den Kick ins Gesicht, beim ersten Mal Hören. Aber so war auch KYUSS nie, auch wenn sich das die Leute jetzt einreden. Das ist die Verherrlichung der Zeit, wenn auch zu Recht!"