: über den backen gehen :
christoph & lollo - schispringerlieder

Musiziert haben sie schon immer - mit der Gitarre auf der Schullandwoche im Zimmer oder so. Warum sie auf das Thema Schispringer gestoßen sind, wissen Christoph & Lollo selbst eigentlich nicht so recht. Doch wie das alles auf sie zugekommen ist – denn prinzipiell kommt dieses und jedes, ergo alles, auf die beiden Zivildiener aus Wien zu, haben sie Michael Koscher beim gemütlichen small talk erzählt.

Fußball interessiert uns eigentlich genauso wie Schispringen. Nur ist das völlig anders: Fußball wird in der Mannschaft gespielt. Der Schispringer ist auf sich allein gestellt. Deshalb sind die beiden Wiener Barden, mit dem Faible für alte Songs von Georg Danzer – aber genauso für Dub und Jungle, also zu zweit; Lollo spielt die Gitarre (Wenn man wirklich gut ist wie die Gitarrenhelden beim Gitarrenspielen und die Freddie Mercurys beim Singen, dann ist es einem ja auch viel wert, wenn die Arbeit gutgeheißen wird; weil dann steckt ja viel Arbeit dahinter - von einem selbst. Da muß man ja dann überheblich werden.) und Christoph den Live-Performer? Nein, ich bin der Garfunkel.
Bei der nordischen Schi-WM in Ramsau haben Christoph & Lollo ein Konzert gegeben. Ob sie dort einige Schispringer getroffen haben? Schispringer kennen wir eigentlich keinen persönlich. Vom Jens Weißflog haben wir einmal eine Autogrammkarte bekommen; näher sind wir noch nicht an einen Schispringer herangekommen.
In der Ramsau haben wir uns eigentlich nichts angeschaut. Wir waren Schifahren
[Anm.: Also eher Alpinisten als Nordische] Christoph: Ich hab schon einmal Langlaufen probiert, Schispringen noch nicht. Aber Sport ist superanstrengend. Früher in der Schule hatten wir jede Woche zwei Stunden Turnen; das merkt man, wie einem das fehlt. Ich habe jetzt noch Muskelkater, weil ich dem Hund da letztens [Anm.: vor einigen Tagen] nachgelaufen bin.
So wenig sportlich sich Christoph & Lollo auch verkaufen, so toll präsentieren sie sich auf der Bühne. Und das weiß auch Scotti vom Kulturverein Vakuum in Innsbruck, der die beiden schon dreimal zum Springen am Berg Isel geholt hat und dort im "Bierstindl" auftreten ließ.
Angefangen hat alles damit, daß wir irgendwann gelesen haben, es gibt ein Studio, wo man gratis aufnehmen kann. Im Rausch war vorher schon "Schenk Frantisek Jez doch ein Lebkuchenherz. Wir sind dann auch dorthin gegangen - wir wollten immer schon ein Tonstudio von innen sehen. Da waren halt viele so Bands – so Heavy Metal und so. Es wurde dort so ein Sampler zusammengestellt; auf die CD sind wir natürlich nicht draufgekommen – nur die ganzen richtigen Musikanten. Aber wir haben eine Single bekommen. Die haben wir dann zu Salon Helga geschickt und dann dauernd gespielt. Irgendwann haben sie Stermann und Grissemann dann in Berlin verloren. Und von FM4 kannte Scotti auch die Christoph und Lollo und regte die fast schon zur Institution erhobenen Berg Isel-Konzerte an. Mit der Ausstrahlung eines dieser Konzerte wurde also von Stermann und Grissemann der Grundstein zur Produktion der CD gelegt, mit der man nun die Schispringerlieder auch in den eigenen vier Wänden hören kann. Nein, unsere Lieder sind nicht subtil. Sie sind nebenbei entstanden und nicht durchkonstruiert.
Durchkonstruiert sind also die Lieder über tschechische, slowenische und japanische Schispringer nicht. Man könnte doch auch Lieder über österreichische Schispringer nicht durchkonstruieren?
Die Namen von den Slawen oder überhaupt von den Nichtösterreichern viel lustiger als die von den Österreichern. Das ist jetzt ganz klar, daß wir keine Lieder über Österreicher singen. Das g’hört so! Die Sportler des eigenen Landes müssen vielleicht selber oder mit anderen – so wie der Toni Polster. Ich glaub‘, einen Einzelsportler, der selber singt, den gibt’s überhaupt nicht.. Und was ist mit dem Hansi Orsolics?
Ob er auch gesungen hat, wissen Christoph & Lollo nicht. Daß er aber einer der besten Schispringer überhaupt war, das erzählen sie im letzten cut auf der CD: Birger Ruud. Es war ein Lied da, wo einem Toten nachgetrauert wird – also die Melodie war da, und jetzt hat man eben einen toten Schispringer gebraucht. Es war irrsinnig schwer, weil irgendwie leben alle Schispringer noch. Birger Ruud hat alles gewonnen – angefangen mit Abfahrt, Slalom und so. Er hat sehr viele Goldmedaillen gewonnen. Dann ist er umgestiegen auf Schispringen, obwohl der norwegische Verband dagegen war. Er wurde dann zum größten Schispringer von Norwegen. Irgendwie hat er alles gewonnen. Im Krieg war er im KZ. Nach dem Krieg ist er dann noch einmal Olympiasieger geworden. Wenn der Krieg nicht gewesen wäre, hätte er noch viel mehr gewonnen. Er hat sogar Geschwister gehabt – die waren fast so gut wie er.
Toni Innauer hat während der WM in Ramsau zu den Lieder von Christoph & Lollo im Profil Stellung genommen. In der durchwegs positiven Kritik meint jedoch der nordische Direktor, daß es besser wäre, die Schispringer würden die Lieder nicht hören. Wir wissen nicht, ob sich Schispringer ärgern, wenn sie unsere Lieder hören. Unser oberstes Prinzip war immer: Nur nichts zahlen müssen.
Und zahlen wollten die beiden auch nichts für Proberäume:
Geprobt haben wir in einem winzigem Kellerabteil, im Sommer im Wohnmobil und am Parkplatz vom Horrstadion.
Natürlich bleibt es in Zukunft nicht bei Proben, denn live können Christoph & Lollo ihre Zuseher mindestens so in den Bann ziehen wie echte Schispringer.
Christoph und Lollo spielen am 28. 3. Live im Wiener B72