: scycs :
wir sind keine boygroup mit gitarren

text: florian bauer

SCYCS gelten als die Newcomer des Jahres in Deutschland. Der 5er aus Magdburg startete vor allem auf Grund der Daily Soap "Unter Uns", wo SCYCS mitspielten, voll durch. "Next November" und "Grounded" wurden zu veritablen Hits, aber trotzdem schaffen sie es nicht ganz das Image von Tenniestars abzulegen. Dazu haben Features in Bravo und ähnlichen Machwerken natürlich das ihre beigetragen. Daß sie durchaus ernstgenommen werden wollen, erklären Stefan Michme (Voc.), Zwiebel (Guit.), Dirk Alstein (Bass), Tom Michme (Keyboards) und Marko Baumbach (Drums) beim Interview im Planet Music, wo sie das Album "Pay TV" vorstellten.

Erzählt mir mal was über die Gründung von SCYCS.

Stefan: Das ist eigentlich ganz schnell erzählt. Seit sechs Jahren gibt’s die Band, Tom und ich sind Brüder, haben zusammen in ner Band gespielt, Zwiebel kam dazu als nächster. Das war dann lange Zeit der kreative Dreier, der das was SCYCS waren vorangetrieben hat. Wir hatten nur halt immer Probleme mit unserer Rhythmusgruppe, teil waren die spielerisch nicht gut die Leute, die mit uns zusammen waren und dann hat's menschlich mal wieder nicht funktioniert. Und dann hat sich über verschiedene glückliche Fügungen es zugetragen, daß wir Marko und Dirk kennengelernt haben. D.h. Marko haben wir kennengelernt, der hat dann bald bei uns gespielt und Dirk haben wir abgeworben, eingekauft, viel zu teuer eingekauft von ner anderen Band. Und das gute war halt, daß das menschlich sehr gut funktioniert hat und daß wir all das was uns jetzt gerade passiert und was in der letzten Zeit passiert ist, sehr gut verkraften können. Wie du siehst, wir sitzen hier entspannt rum. Tom schläft schon...

Und dann war dieser Musikwettbewerb...

Stefan: Ja, der F6-Music-Award, da sind wir ganz gut angekommen, waren in Berlin im Finale die Lieblinge des Publikums und sind aber von der Jury, weil wir als nicht kommerziell genug galten, nur als zweite Band eingestuft worden. Es gab ein Höllenaufsehen, ziemlich viel gute Presse, es gab einen guten Kontakt...

Wer hat gewonnen?

Stefan: Eine Band, die sich mittlerweile aufgelöst hat, weil sie keinen kommerziellen Erfolg hatten. (lacht) Es macht mir Spaß das zu erzählen. Fritz Rau haben wir kennengelernt, viele Leute aus dem Musikbusiness haben wir kennengelernt, und das hat uns dann halt ziemlich gut vorangebracht. Und dann gings halt weiter. Wir haben ein bißchen Geld gewonnen bei diesem Award, haben das klug eingesetzt, haben ne Demo-CD aufgenommen mit der Ur-Version von Next November.

Das war da schon drauf?

Stefan: Ja, die Ur-Version, bei Mario Thaler haben wir das produziert unten in Weilheim und die CD ist dann in die Hände von Leuten geraten, die jetzt unser Management machen, die wiederum kannten einen Menschen, der sich seinen Traum erfüllen wollte und mal eine alternative Rock-Band in so ner Soap probieren wollte, ob man da was etablieren kann. Und dann ging das immer so weiter, Schlag auf Schlag, zack, zack, zack.

Und dann wart ihr bei Unter Uns. Wie war das?

Stefan: Lustig irgendwie. Wir haben es als das hingenommen, als das es gedacht war. Einerseits als Instrument um bekannt zu werden und andererseits aber auch als Riesenspaß. Wir haben die Leute ja auch relativ verarscht. Wir sind alles, aber keine Boygroup mit Gitarren.

Du hast ja sogar eine richtige Rolle bekommen...

Stefan: Naja, Zwiebel ja auch, also wir beide haben auch Oscar-Nominierungen bekommen für die beste weibliche Hauptrolle.

Aber du durftest in der Serie ja dann sogar eine Liebesbeziehung haben. Was war da mit Ute?

Stefan: Wie was war mit Ute? Ich hab halt mit Ute gefickt!!

Und werdet ihr da öfters von Fans angesprochen, die glauben, daß das wirklich alles so war?

Stefan: Ja, klar. Gerade vorgestern hat wieder einer pausenlos Ute gebrüllt und sowas, im Konzert. Da mach ich mich dann drüber lustig, weil wer in ein Rockkonzert geht und auf Grund des Engagements einer Band in einer Soap, dann nur darauf abzielt, der tut mir einfach nur leid. Das kann ich nicht nachempfinden. Damit müssen wir umgehen, das ist ok. Und vorgestern hat sich der Typ sogar dann hinterher entschuldigt und wollte dann mit uns Bier trinken auf einmal. Aber in Wirklichkeit hat sich dann herausgestellt, daß er nur Utes Telefonnummer haben wollte.

Ist es ein Problem für euch, daß ihr so als Teeniestars angesehen werdet? Weil das Image hab ihr ja draufgedrückt bekommen, wie geht ihr damit um?

Stefan: Gar nicht. Wir sind wie wir sind und jeder der in unserem Konzert war, gerade gestern in Salzburg war das wieder ein grandioses Beispiel, die ganze Rockhouse-Crew hat halt gesagt, da kommt ne Boygroup irgendwie, die mit Gitarren Tanzeinlagen liefert, oder was weiß ich. Und nach dem Konzert haben wir mit denen standesgemäß viel Alkohol konsumiert und sie haben gesagt, es war eins der besten Konzerte, das sie seit langem im Rockhouse gesehen haben. Und das ist in Ordnung. Jeder, der uns einmal live gesehen hat, hat alles was mit Boygroup und Soap und diesen ganzen Schnickschnack und Teeniequatsch zu tun hat, vergessen. Das gute ist, daß die Teenies uns trotzdem gut finden, obwohl wir keine Teeniestars sind.

Ich stells mir irgendwie schwierig vor, weil niemand nimmt euch ernst und die müßt ihr erst überzeugen...

Stefan: Das machen wir aber auch, das wußten wir auch. Deshalb sind wir jetzt auch auf so einer Mördertour, also ein halbes Jahr fast Nonstop unterwegs, in Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein. Das machen wir deshalb, damit die Leute sehen, was uns aus macht.

Um was geht’s in deinen Texten? Wie kommst du drauf?

Stefan: Ich renn halt so rum mit offenen Augen und beobachte Menschen und beobachte Situationen und Dinge und versuch immer möglichst abstrakte Wortspiele zu finden, die so eine Situation beschreiben, oder auch nur bedingt beschreiben, also nicht offensichtlich. Und diese Phrasen schlepp ich halt so mit mir rum und wenn die Jungs dann das Riff spielen, von dem ich glaube, das es dazu paßt oder das in mir meine alte Idee wieder hervorholt oder so, dann sing ich halt einfach drauf und dann sind die Texte auch schon fertig. Hauptsächlich wirklich so autobiographischer Kram, was mir passiert ist, was ich gesehen hab und sonst irgendwas.

Ziemlich herbstlich sind die Texte...

Stefan: Das stimmt. Ist auch mein Lieblingsmonat. Inspiriert mich, weiß auch nicht warum. Also wir sind so ein alberner Haufen, und Fragen die so nach tief innen gehen, da machen wir lieber Albereien. Wir öffnen uns halt auf der Bühne und mit der Musik und so. Aber drüber reden und erklären, wir können’s sowieso nicht erklären. Die meisten Leute fragen auch immer, warum es so herbstlich und melancholisch klingt, obwohl wir eigentlich so ein alberner Haufen sind. Wir können’s nicht erklären. Geht nicht, wir versuchen es mittlerweile auch nicht mehr. Außer ich manchmal, aber dann fang ich so an zu stottern wie jetzt.

Die Background-Sängerin auf der CD ist von den Lemonbabies?

Stefan: Ja, die Julia.

Wie hat sich das ergeben?

Stefan: Wir wollten die kennenlernen und dann haben wir sie angerufen und gefragt, ob sie mit uns allen mal Sex haben will und dann hat sie gesagt, na klar, kein Problem, aber nur wenn sie dafür singen darf auf unserer Platte...aber das war nicht so. Nein, die Julia ist eine ganz liebe, und unser Produzent, der Thommy Hein, hat auch mit den Lemonbabies zusammengearbeitet, und als es darum ging, daß wir eventuell an der einen oder anderen Stelle Frauengesang haben wollten, haben wir halt die Julia angerufen und sie hat halt sehr gut mitgesungen und hat halt extrem schnell die Songs erfaßt und hat ihre Gesangsmelodien auch selbst erarbeitet. Das war schon ganz cool.

Das ist jetzt die erste größere Tour von euch?

Stefan: Ich glaube, es gibt kaum eine Tour, die noch größer sein könnte als diese. Wir waren halt schon öfter, wir haben im Herbst zu Next November eine kleine Tour gehabt, 3 Wochen, und wir haben auch schon vor Urzeiten, so vor vier Jahren, die sogenannte Voll-für-den-Arsch-Tour gemacht. Die war auch lustig.
Zwiebel: Die haben wir uns halt selbst zusammengebookt, da hatten wir noch kein Management, keine Booking-Agentur, gar nix. Da hatten wir einen alten VW-Bus, wo alles drin war und wir auch und so sind wir durch die Länder gezogen.

Und wie ist das so für euch? Ich stell’s mir anstrengend vor.

Stefan: Cool! Ist schon ganz cool, wir sehen heute auch wieder nichts von Wien, du kommst halt rum irgendwie, aber du siehst nichts, das ist ulkig. Außer gestern in Salzburg, hatten wir wirklich mal ein paar Stunden Zeit, und da haben wir voll einen auf Kultur gemacht und danach war das auch schon wieder zuviel für uns. Nee, war ganz schön. Und anstrengend, ja, klar ist es anstrengend und du bist nicht zu hause und sonst irgendwas, aber wir haben uns jetzt dran gewöhnt.

Viele freie Tage habt ihr nicht?

Stefan: Nee. Will noch jemand freie Tage?
Zwiebel: Mittlerweile ist es so, wenn mal drei Tage zu hause ist, wird man schon juckig, man hat sich so dran gewöhnt.
Stefan: Ich hab auch den Eindruck, die haben uns mit Absicht abhängig gemacht von diesem Leben.

Also ihr seid schon süchtig nach dem Rockstardom?

Stefan: Es ist ja nicht Rockstar. Rockstar ist eher, in der Limousine vor fahren und nichts selber machen. Wir machen alles auf einem sehr kleinen und familiären Level. Und es ist halt wirklich auch Arbeit und schwitzen jeden abend und so und es ist ok.
Zwiebel: selbst auf- und abbauen jeden abend und der ganze Schnickschnack und das machen wir.
Stefan: Da sind die Leute immer sehr angenehm überrascht. Und es ist in Ordnung für uns.

Was habt ihr für Publikum? Wie schaut das aus?

Stefan: So eine Mischung, irgendwie. Gestern in Salzburg war nur älteres, musikinteressiertes Publikum da und in Deutschland ist das so eine Mischung. Na klar sind da Teenies auch, wegen dieser Soap noch. Aber es werden immer ältere Leute auch, geben wir mal ne Schätzung ab, zwischen 15 und 35 ist alles dabei.

Die Bananafishbones haben erzählt, daß ihr in München früher spielen mußtet, obwohl ihr die größte Band wart, damit die Kids rechtzeitig ins Bett kommen.

Stefan: (lacht) Die ärgern uns, die Schweine! Aber die sind nett.
Dirk: Das liegt aber auch daran, daß wir nicht so Unterschiede ziehen. Die Bananafishbones haben eine super Show gemacht, die haben wir uns auch angesehen, hat uns allen gefallen. Ob wir nun als letzte spielen oder nicht, das hat uns nichts ausgemacht. Das waren im Grunde drei gleichberechtigte Bands, die da auf Familienurlaub waren.

Sebastian, der Sänger der Bananfishbones, hat gemeint, ihr hättet das größere Publikumsanziehungsvermögen.

Stefan: Wir haben eher Publikumsausziehungsvermögen!

Wie schaut das mit dem Sponsoring von eurer CD aus? Weil da soviele Firmen drauf und drin stehen.

Stefan: Wir werden halt von vielen Firmen unterstützt, das ist ja mittlerweile Gang und Gebe. Wir schämen uns dafür nicht, das ist in Ordnung, das ist ja ein Teil des Geschäftes. Wir kriegen Klamotten von ein paar Firmen, das ist ok, wir verstehen zwar nicht warum, aber...Und daß halt Instrumente endorsed werden, ist ja ganz üblich. Daß RTL draufsteht dagegen haben wir uns auch gewehrt, weil auf die sind wir mittlerweile nicht mehr so gut zu sprechen.

Und vorne der Sticker drauf...

Stefan: Da sind wir verarscht worden, das fanden wir auch scheiße. Als wir das das erste Mal gesehen haben, haben wir sie weggeschmissen, die CD. Aber letztendlich ist das wahrscheinlich kein Grund, die CD nicht zu kaufen, da kann man einfach drauf scheißen.
Zwiebel: Das hört jetzt ab den nächsten Sachen auf, das geht jetzt bis zum Album mit RTL, dann ist RTL raus. Wir haben uns halt damals mit denen eingelassen und jetzt müssen wir halt das in Kauf nehmen.

Und Puma...

Stefan: Ja, das ist aber auch ok, von denen kriegen wir Klamotten, dann kann man die auch draufschreiben.
Zwiebel: SPL-Geräte stehen noch drauf.
Stefan: Das sind halt Geräte, mit denen wir im Studio sehr gut gearbeitet haben und die sich eigentlich kein Schwein leisten könnte, die haben uns die zur Verfügung gestellt.
Zwiebel: Bei uns steht aber eher wenig drin an Endorsment, wenn man andere CDs sieht, da steht Drummer spielt Paiste, Yamaha, tralala, Gitarrist spielt Fender.

Habt ihr auch irgendwelche Angebote bekommen, Musik zu eine Werbespot zu machen?

Stefan: Nö, aber da hätt ich echt Bock drauf, muß ich ehrlich sagen.

So ein Levi’s Spot?

Stefan: Also da haben wir auch schon drüber geredet, weil wir mit denen grad im intensiven Kotakt sind. Das fänd ich cool, schäm ich mich nicht für. Weil ich mittlerweile Werbung, auch Dirk und die andern, als mittlerweile Kunstprodukt sehe oder Kulturprodukt. Und es ist Bestandteil eines jeden Leben und jeder hat damit mehr zu tun wahrscheinlich als es vor sich selbst zugibt. Und das stell ich mit gut vor. Aber wenn, dann wahrscheinlich den Werbespot auch selber konzipieren also selber das Script und nen Vorschlag machen und dann die passende Musik dazu machen.

Ist ja mittlerweile auch ein wichtiges Sprungbrett geworden für Bands.

Stefan: ja, aber das brauchen wir ja nicht mehr, wir hatten ein viel tolleres Sprungbrett. Ich hab mit Ute gevögelt und schon waren wir berühmt.

Und was macht ihr nächsten November?

Stefan: (lacht) Da sind wir doch schon tot. Nein, entweder sind wir auf Tour oder wir werden im Studio sitzen oder auf irgendeiner kleinen Farm und neues Zeug schreiben.

Keine großen Pläne für den Next November?

Stefan: Ach, wir sind ja nicht Leute von großen Plänen, wir haben viele Ziele und so was. Im November sind wir vielleicht sogar in Japan, weil die Plattenfirma will das auch in Japan veröffentlichen. Jetzt ist es ja nur in Deutschland, Österreich, Schweiz draußen, im Mai kommt noch Skandinavien, Italien und Spanien dazu. Und UK!! Und wenn ich mir vorstell, daß 50 Leute in UK unser Album kaufen, dann wird ich mich bei Erhalt dieser Nachricht in eine Ecke zurückziehen und onanieren.