:  sebadoh's lo-fi rock  :
alles andere als am puls der zeit

text: thomas weber

Ein bißchen Gerechtigkeit dürfte es doch geben, denn auch wenn SEBADOH musikalisch alles andere als am sogenannten "Puls der Zeit" liegen, scheint der Band rund um Lou Barlow (ex-Dinosaur Jr.) mit ihrem siebenten, schlicht "The Sebadoh" betitelten Album endlich der Erfolg beschieden zu sein, der über bloße Achtung und wohlwollenden Respekt hinausgeht. Mit Recht, findet auch Thomas Weber, der mit Russ Pollard, dem neuen Mann mit dem Hintern hinterm Schlagzeug, telephoniert hat.

Russ, auf dem neuem SEBADOH-Album gibt es nicht nur erstmals mehr von Jason Loewenstein geschriebene Nummern als von Lou Barlow, sondern auch einen Song, den Du geschrieben hast. Auf welche Weise unterscheidet sich "Break Free" von Lou`s oder Jason`s Nummern?

Erst einmal würde ich sagen, habe ich mich selbst für mich noch nicht als richtiger, sagen wir einmal: Songwriter etabliert. Bis jetzt habe ich ganz einfach die meiste Zeit in einer Band als Schlagzeuger verbracht. Aber ich bin ja nicht nur als Drummer in die Band gekommen, das hat sich alles ganz zufällig entwickelt. Mit meiner vorigen Band "The Web", einer experimentellen Jazz-Rock Combo haben wir für SEBADOH in Kentucky den Abend eröffnet. Das Publikum hat uns gehaßt, sie haben uns sogar ausgebuht, aber Jason fand unsere Musik gut. So kamen wir ins Gespräch. Mit Lou hatte ich vorerst keinen Kontakt. Als SEBADOH dann in Louisville waren, brachte Jason Lou ein paar Mal mit in meine Wohnung. Wir haben einfach nur gesprochen, sind herumgelungert, haben Musik gehört. Irgendwann haben wir uns so gut verstanden, daß wir das Gefühl hatten, gemeinsam zu spielen. Alles weitere kannst Du Dir vorstellen. Um zurück zu Deiner Frage zu kommen: Für mich war ganz klar, daß ich mehr zu unserer Musik beitragen wollte, als nur Schlagzeug zu spielen. Ich kann ja auch noch Klavier, Horn und ein paar andere Instrumente.

Wenn ich jetzt einmal sage, daß zum Beispiel "Love Is Stronger" ein typischer Lou Barlow-Song ist, dann könnte Deine Nummer - entschuldige, aber außer "Break Free" und der Single B-Seite kenne ich ja nichts von Dir - also: "Break Free" könnte genauso ein Song von Neil Young sein. Er erinnert mich sehr stark an sein Mirrorball-Album.

Wirklich? Dazu muß ich vielleicht sagen, daß Neil Young einer meiner absoluten Lieblingsmusiker und Songwriter ist. Zumindest in der Kategorie popsong artist. Er hat mich ganz sicher stark beeinflußt, wenn auch eher seine früheren Alben. Ich wußte aber nicht, daß man das heraushören kann.

Ich habe einmal gelesen, daß Lou und Jason während sie im Studio aufnehmen immer wahnsinnig viel Musik hören. Einmal ausgehend von der Annahme, daß das dann auch das gerade im Entstehen begriffene Album beeinflußt: welche Musik habt ihr diesmal im Studio gehört?

Während der Aufnahmen zu "The Sebadoh" haben wir viel Folk Music gehört, vor allem Hank Williams. Sonst hören wir aber alle alles mögliche. Lou steht im Moment total auf 60ies Psychedelic Rock, Music Machine und so. Jason hört überhaupt fast alles, was man irgendwie mit Rock in Verbindung bringen könnte. Ich höre, na ja, Neil Young, Miles Davis und John Coltrane, um ein paar ganz große Namen zu nennen.

In Großbritannien hat "Flame", die erste Single aus "The Sebadoh", ja gehörig eingeschlagen (Top 30, Anm.). Welchen Status haben SEBADOH eigentlich in Amerika?

Daß "Flame" in England so gut aufgenommen wurd, das hat uns schon sehr überrascht. Wir sind ja nicht unbedingt eine Band die soundmäßig am Zeitgeist liegt. In England hatten wir gute Reviews, toll aufgenommene Live-Shows und wir sind sogar eingeladen worden die TOP OF THE POPS zu spielen. Das hat uns zwar gefreut, aber wir sind uns natürlich dessen bewußt, daß die englische Musikszene bzw der englische Markt nichts anderes ist als eine riesige hype machine. Obwohl unser Label in Englad, DOMINO Records, sicher auch verdammt gute Arbeit geleistet hat; die Leute von DOMINO wissen, wie man in Großbritannien eine Band groß macht, they know how to feed the hype machine.
Alles ist auf Geschwindigkeit aufgebaut in England, dauernd eine single of the week, ein album of the week; die warten jetzt natürlich gierig auf die nächste Single. Wir sind uns aber noch nicht darüber einig, welche Nummer als zweite Single ausgekoppelt wird.
In Amerika, um auf Deine Frage zurückzukommen, spielen wir zum Beispiel in New York, Boston oder L.A. immer zwei Abende in Folge. Durchschnittlich kommen in den anderen Städten so an die fünfhundert Leute zu unseren Gigs. "The Sebadoh" wird in Amerika, genau wie in Europa, erst am 22.Februar veröffentlicht; diesbezüglich haben wir also noch keine Reaktionen aufs neue Album.

Glaubst Du wird "The Sebadoh" in den Staaten anders aufgenommen werden als hier in Europa?

Ziemlich sicher; in Europa verändert sich momentan viel mehr. Gitarrenmusik wird hier im Moment nicht als Musik anerkannt. Alles schielt nur auf Drum`n`Bass. Wir haben das auf unserer Promotour durch Deutschland sehr gemerkt. Vor allem in Köln und Berlin waren die Leute unserer Musik gegenüber schon sehr überheblich und snobbish. Wir verwenden auch Computer, klar, aber nur, um die Aufnahmen zu beschleunigen. "The Sebadoh" ist vollkommen analog aufgenommen, nur durch den Computer konnten wir mehr Mixes machen und vergleichen und abwägen.

Euer Cover, kannst Du mir sagen, was die Zeichnung darstellen soll? Einen Penis?

Nein, Penis ist es ganz sicher keiner, although it looks pretty sexual. Ich würde einmal sagen, daß es ein sublimes unifying symbol ist, mehr nicht.

Gibt es irgendetwas, was Du in bezug auf euer neues Album loswerden willst?

Nicht direkt. Du machst das Interview für ein e-zine hast Du gesagt? Dann sag doch den Leuten, daß sie auch auf unserer Homepage vorbeischauen sollen: http://www.sebadoh.com