: duran duran :

hollywood kauft vergangenheit mit zukunft

interview + text: shorty

Die Zeit der feuchten Höschen geht zur Neige. Das wissen Duran Duran längst. Die drei Herren können dabei aber ganz gelassen bleiben, denn die gehorteten Mengen sichern auch heute noch den Fortbestand des tropischen Regenwaldes. Zart - bittere Geschichten durfte Shorty vernehmen.

Sie haben die erste SuperSoundSingle gemacht, waren die erste große Videoband und "Electric Barbarella" war der erste digital verkaufte Song per download. Und mit 60 Millionen verkauften Scheiben muß man es sowieso nicht mehr so billig geben wie die Youngsters. Seit "The Reflex" verkaufen Duran Duran weltweit gut, auch in den Staaten. Auch ihr zwölftes Album mit dem selbstironischen Titel "Pop Trash" wird nicht in den Regalen einschlafen, denn die drei Herren sind schon mit Promoarbeit über dem Teich ( traditionell guter Boden ) eingedeckt, mehr als für die letzten Werke. Man will nämlich beim neuen Label Hollywood Records ( J ) einen guten Einstand haben, nachdem die Luft beim vorigen Dienstgeber ausgegangen war. Der Multirecordsdeal beschert dem Trio weite Freiräume und dem Disney Tochterunternehmen ( das Center ist auch tatsächlich gegenüber dem Disney Headquarter) einen weitern großen Namen. Auf der Liste finden sich auch schon Queen & Brian May, Los Lobos, Fastball, Jennifer Paige, Fishbone oder die angesagten Simon Says wie auch einiges vom Dancesektor. Und mit dem potenten Papa im Rücken soll noch einiges geholt werden.

Wie eben auch die Herren von der europäischen Insel. 1979 in Birmingham gegründet, waren die Fünf von Anfang an im Blickpunkt, nur Stephen Duffy hatte den schwarzen Peter, da er Solo ging und tapfer seine Genialität im kleinen auslebte. Der charismatische Simon Le Bon paßte aber auch gut und dann ging es bös ab. Hits, Hits und Hits. Echte Weltstars. 1996 bekommt der nicht so fähige Schlagwerker Roger Taylor drogenbedingte Perönlichkeitsprobleme und muß in Frührente, der umso mehr begabte Andy Taylor will wieder mehr Distortion an der Gitarre und geht Solo gen wilden Westen. Ersatz wird der Oberfreak Warren (nein nicht Zevon) Cuccurullo, 1990 dann auch als offizielles Bandmitglied. Er, Ex-Gitarrero von Zappa und den kompett unterbewerteten Missing Persons (mit den Bozzio’s), ist der heutige heutige Partner von Nick Rhodes im Spiel. Als TV MANIA fungieren sie nicht nur für Duran Duran als Produzenten, die state of the art Fetischisten machen mit dem eigenen Lo Fi Label Gesamtkonzeptarbeiten, also die komplette Multimediaschiene mit Installationen samt Videos und Netz und nicht zuletzt dem Sound. Obwohl ihnen ihr aus dem Ei gepelltes Aussehen samt Modellheirat und Jet Set Leben noch lange - und im Nachgeschmack auch noch heute - im Weg stand, künstlerisch akzeptiert zu werden, ist ihnen nicht abzusprechen, sich über die Jahre merklich zu einer ernsthaften Klasseband entwickelt zu haben. Ob Funk, Depri oder Poprock hat sich immer eine gewisse Eigenständigkeit gehalten.
1996 kam dann die amicale Trennung von letzten Schneidermeister der Urpartie, John Taylor wollte auch Solo auf Ambient gehen.

Im kleinen, aber sehr feinen Homestudio von Cuccurullo (so nennt er das, wo in unseren Breiten sich so mancher verstecken muß, der seines als Topvenue sieht) wurden die 12 Tracks im Sinne
einer realen Popband mit englischem Hintergrund ins Detail ausgearbeitet, ohne sie zu Bombast verkommen zu lassen. Eines dieser Werke, wo man am Anfang "schön, aber kommt jetzt was" sagt und trotzdem am nächsten Tag mit der Melodie aufwacht - Musik von Bestand eben. Ein greifbarerer Output als der wohl für die Zeit zu sehr im 80er Retro verankerte Vorgänger "Medazzaland". Psychedelische Nummern wechseln sich mit Lagerfeuerklampfe und hymnischen Abgesängen der abstrusen Begebenheiten dieser Welt, genauso wie straighter Rock samt nicht ganz so geraden Tönen seinen Platz hat.
Auf die große Remixparade wird diesmal bewußt verzichtet, man will daß die Lieder für sich stehen, und will das auch dürfen. Obwohl man durchaus auch schon selbst mehrere Versionen in der Lade hat, soll der Output als ein Ding gesehen werden, und nicht wie soviele Platten der letzten Zeit nur dank der Bearbeitung zu mehr Ohren finden.
Während im Studio praktisch alles im Alleingang zustande kam, relaxt ohne Zeitdruck gebastelt, hat man sich für die zahlreichen Gigs das feines Rhythmusgespann Milla b / Travers dr von der Berkley University geholt. Schon 1999 ist eine kleine Tournee in großen Venues gut gelaufen, die auch wirklich Spaß gemacht hat. Zahlreiche Clubgigs als Promotiontour, aber auch volle Bedienung sind nun geplant. So wird das "House of Blues" ( wir haben ja auch das Rockhouse…) eine Woche beschallt, im Herbst soll schon größeres laufen. Aber obwohl es jetzt mal die USA sind, natürlich auch aufgrund des neuen Labels, will man unbedingt als britische Band gesehen werden. Was Rhodes auch damit bestätigt, intuitiv in London immer die beste Mixtur für die Songs zu finden und das nun strikter fortführen zu wollen.
Obwohl die gerade in den Staaten forciert sprießenden Tributes schmeicheln und man auch großteils gefallen an den Versionen findet, wird umso mehr die "für alles und jeden" Haltung mancher Labels mißbilligt. Die eigene Sache ("Thank You", 1995) sei da schon aus einer anderen Haltung heraus richtig und wahr gewesen.
Das die Zukunft der Industrie im Netz liegt, ist allen klar, aber man will auch im Regal präsent bleiben, denn noch ist der Weg für einen großen Namen nicht richtig. Eigene Soloprodukte sind aber auch schon als Versuchsballons gestartet und eigentlich besser gelaufen, als erwartet. Es ist halt wie beim Pokern – wer als erster zeigt hat oft schon durch das Feidl unterm Tisch verloren, aber nach 20 Jahren im Biz ist man auch ein guter Zocker mit einem Aug auf die Kelllnerin und viel Zeit.

www.duranduran.com ist sehr bald fertig, aber es soll halt alle stückln spielen und dabei auch noch ausschauen.