: marque :

picasso und der drum'n'bass

interview + text: thomas weber + shorty

Frauen sind seine Inspirationsquelle, die Funk-Götter seine Lehrmeister - doch der Ortswechsel sichert die stetige Frische… …Shorty und Thomas Weber mobilfunkten mit MARQUE, dem Stuttgarter aus Vorarlberg in der Zürcher Fußgängerzone wandelnd, während sie dem Treiben des FC Brigittenau zu folgen versuchten.

Es scheint so in der Natur der Sache zu liegen, daß Popmusiker selten auf eine erfolgreiche schulische Karriere zurückblicken können - einer der wenigen Punkte, die Marque mit dem klassischen Klischee verbinden. Von Anfang an eher Autodidakt und somit mehr Einzelgänger als Partytiger, brachte er es im zarten Alter von 15 zu einem Vertrag mit zwei Produzenten zur freien Nutzung des Studios. Die Unterschrift dafür gab dem vaterlosen Teenager seine Mutter, der er nicht nur dafür, sondern vor allem für den unbändigen Glauben an ihn in Zeiten Widerstands der Verwandtschaft dankt. Das "Go Karli Go"-Syndrom ("Gott, bitt` für uns, erspar` uns das Theater!", E.A.V. 1983).

Mit vier Jahren fand Marque am Dachboden ein imposantes Instrumente-Angebot seines Großvaters und ein paar Elvis-Tapes. Sein gutes Englisch verdankt er keiner profunden schulischen Bildung, sondern dem simplen Verlangen es dem King gleichzumachen. "Damals sang ich "Are You Lonesome Tonight" ohne ein einziges Wort verstehen zu können." Pure Klangmalerei.

Als solche kann man sein heutiges Schaffen auch bezeichnen. Der passionierte Fan von Stevie Wonder, Sly & The Family Stone - und damit logischerweise noch mehr Prince – ist fern von altvaterischer Ausarbeitung seiner nicht zu unterschätzenden Songwriter-Qualitäten. Marque komponiert auf verschiedenen Instrumenten "und so kommen auch verschiedene Stile heraus". Das Synklavier-Arbeiten eines Zappa wäre natürlich ein Wunsch, aber effektiv wird alles noch immer im Harddisc-Recording-Verfahren festgehalten und entwickelt. Die glückliche Fügung den Frequenzmeister Jon Kelly (Kate Bush, Chris Rea, Heather Nova, Beautiful South, Levellers), der eigentlich als Folk-Spezialist gehandelt wird, als Mixer zu gewinnen, ließ ihm auch die Möglichkeit, die rauhen Basic Tracks unbehandelt weiterzugeben. Daß in dem hochmodernen Endprodukt "Freedomland" (edel rec.) mächtige Anleihen der 80er zu orten sind, empfindet der sympathische Sechsundzwanzigjährige mehr als Kompliment denn als Unterstellung. So darf man durchaus auch denken, daß die Hitsingle "One To Make Her Happy" an die ganz ähnliche Melodieführung eines Nik Kershaw gemahnt.

Die erfolgreiche Verquickung von modernem Sound mit guten Songs in feiner Ausarbeitung hat ihm auch von Seiten der Plattenfirma eine "Priority Strategy" beschert – "Freedomland" ist auch schon für die nächste Convention als Thema für die USA vorgesehen. Was Marque auch gar nicht stört, obwohl er nicht wüßte, wie er in Tour- und Promotionplan so nebenbei den größten Plattenmarkt der Welt unterbringen sollte…

Der private Masterplan für die nächste Zeit sieht einiges vor: So möchte Marque in etwa eineinhalb Jahren nach London übersiedeln. "Ich brauche immer wieder Veränderung, damit alles in Bewegung bleibt!" Für diese Bewegung sorgen auch immer wieder emotionale Hochs und Tiefs – er ist "immer wieder einmal vergeben". Und bekanntlich ist dieses Gebiet noch immer der größte Ideenlieferant des Songwritertums. file under: lovesong.

No rest for the wicked! Für das nächste Album – das er schon mit Jänner 2001 fertig gestellt haben will – sind bereits 18 neue Songs im Recorder. Und das während der Promotiontour des aktuellen Albums "Freedomland"!
In puncto kreativem Output eifert er dem oft geschmähten Altmeister TAFKAP nach. Angeblich sind schon 360 fertige Titel in der wohl behüteten Schublade. Der geniale Zwerg hielt 1987 schon bei 2000.

Ein starker Einfluß auf seinem aktuellen Longplayer ist Drum`n`Bass, der den Sound modern aber nicht aufdringlich rüberkommen läßt. Das hat sich langsam entwickelt, denn schon längere Zeit bekam er aus seinem Umfeld aktuelle Strömungen mit. Doch mit dem Begreifen hat es dann doch eines kuriosen Umstandes bedurft. "Erst als ich mich intensiv mit der blauen Phase Picassos (Kubismus, Anm.) auseinander gesetzt habe, begann ich auch die Doubletime- und Halftime-Verschiebungen des Drum`n`Bass zu verstehen und zu schätzen."

So wollen wir Musikfreaks auf die Jahrhunderte der Malereientwicklung noch große Hoffnungen setzen, denn "it doesn`t mean a thing if you can`t make it swing".

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