:  moondog :

zwischen traum und komposition

text: space.captain

Moondog und Ernst Fuchs

Zwei Ereignisse im Leben des noch jungen Louis Hardin sind prägend für die musikalische Richtung,
die er später als "Moondog" gehen wird.

Sein Vater, ein Prediger, der oft mit Indianern zusammenkommt und es dem Fünfjährigen ermöglicht auf dem Schoß eines Medizinmannes den Sonnentanz zu erfahren. Dann im Alter von sechzehn, als in seiner Hand eine Dynamitpatrone explodiert und ihm das Augenlicht nimmt.
Thomas Louis Hardin wird 1916 in Maryland, Kansas geboren. Fasziniert vom Klang der Indianertrommeln lernt er Schlagzeug, besucht dann aber wegen seines Unfalls die Blindenschule in Iowa und studiert hier Violine, Piano und Orgel. Chorgesang und Harmonielehre runden die Ausbildung ab. 1943, mittlerweile 27 Jahre, geht Hardin nach New York. In der Metropole hofft er ein Publikum für seine Musik und Gedichte zu finden. Der Reiz der Straße mit ihren Alltagsgeräuschen offenbart ihm die Sphären von Stadt und Natur als musikalisches Moment.
Keine neue Gestaltung soll geschaffen werden, sondern alte Formen bewahrt. Obwohl sich Moondog strengen Regeln musikalischer Formen unterwirft, verwirklicht er in seiner Musik und seinem Erscheinungsbild unbedingten Individualismus. "Wenn die Regel lautet, daß jede Regel das ist, um gebrochen zu werden, dann breche ich genau diese Regel und sage: Die Regeln dürfen nicht gebrochen werden."
Der Komponist Moodog wird oft als Protagonist der Minimalisten gesehen. Phil Glass oder Terry Riley fühlen sich von ihm beeinflußt. Auch der Ruf, Vorläufer von New Age Tonalitäten zu sein, hängt ihm nach. Ebenso werden seine Bekanntschaften mit dem Saxophonisten Charlie Parker, den Dirigenten Artur Rodzinski, Arturo Toscanini und Leonard Bernstein oder dem Komponisten Igor Strawinski strapaziert, die jedoch nur bescheidene Erfolge in Form von Aufführungen und Schallplattenproduktionen bringen.
In seinen kompositorischen Mitteln bekennt sich Moondog zu einem strengen, in der europäischen Musik verwurzeltem Klassizismus. Dennoch ist es immer sein Bestreben Tonkunst nicht klassisch klingen zu lassen. "Es gibt etwas in meiner Natur, das am besten in der strengsten Form gedeiht, und Musik in ihrer strengsten Form ist ein Kanon. Poesie in ihrer strengsten Form ist ein Couplet. Diese beiden Formen sprechen mich am meisten an, da ich eine 'Freiheit in Knechtschaft' habe. Die Begrenzung ist eine strikte Form und innerhalb der Grenzen besitze ich Freiheit." 1974 wird Hardin vom Hessischen Rundfunk zu zwei Konzerten eingeladen. Durch Umstände begünstigt beschließt er in Deutschland zu bleiben und lebt mehr oder weniger zurückgezogen im Ruhrgebiet. Hier erscheint 1992 seine CD "Elpmas", auf der er sich erstmals der vorher vehement abgelehnten Elektronik bedient. Das bisher letzte Album des "Königs des Kontrapunktes" erscheint 1995 und ist zusammen mit London Saxophonic und London Brass aufgenommen. "Big Band" ist manchmal finster und düster, aber meistens hell und positiv klingender Big Band Swing. Es folgt eine Zeit mit Ideen für ein neues Album und die Vertonung seiner Texte. Eine Konzerttournee im Sommer 1999 wird live mitgeschnitten. Es soll seine letzte sein.

Bis zum Schluß lebt der nun 83-jährige für seine Musik. Im September stirbt Thomas Louis Hardin. Die Aufnahmen der letzten Auftritte erscheinen nun zum ersten Todestag im September 2000 als Album.
Durch Komponisten wie Moondog lebt und wirkt der kosmische Gedanke der Musik in vieltausendjähriger Tradition verwurzelt bis in die jüngste Gegenwart hinein und wird auch in Zukunft weiterhin unbewußt hinter allen hörbaren Erscheinungen echter tönender Kunst stehen.

Discographie Moondog
Moondog (Prestige) 1991
More Moondog (Prestige) 1991
Moondog & Moondog (CBS) 1990
Moondog in Europe (Kopf Records) 1989
H'Art Songs (Kopf Records) 1989
A New Sound Of An Old Instrument (Kopf Records) 1989
Elpmas (Kopf Records) 1991
Sax Pax For A Sax (Kopf Records) 1994
Big Band (Trimba Music) 1995.