: plädoyer gegen : daft punk :

text: ernest meyer

Wir erinnern uns: Vor ein paar Jahren geisterte eine seltsame Meldung durch die Kommerzpresse. Eine Entdeckung war gemacht worden. Die französischen "Daft Punk" hätten den Retro-House entdeckt, Rhythmen wie Donna Summer Ende der 1970er, Super-Bässe undsoweiterundsofort...

Man besprach ausführlich den Erstling "Homeworks". Der war ja auch recht nett, man denke nur an "Around the world". Danach verschwanden die Zwei Daft Punks wieder von der Bildfläche, offenbar suhlte man sich unter den hastig geernten Lorbeeren.

Das neue Album bringt nichts neues, die "Housey Beats" sind geblieben, doch selbst abgenudeltste Dance-Loops wurden produktionstechnisch ausgereizt, CD-Walkman-konform. Man könnte auch sagen, das neue Album ist "über"produziert. Eine gängige Kindermelodie kombiniert mit eckigen Housebeats jagt die nächste. Die Singleauskopplung "One more time" rennt schon seit längerem - auf sämtliche Danceorientierten Radiostationen und ärgert uns jedesmal wieder aufs neue ob dieser "Kinderstimmen". Diese softwareverzerrten Kinderstimmen erinnern an die Radiomusik von "Demolition Man" (Film). Die Menschen der Zukunft hören nämlich außschließlich 60ies US Werbe-Jingles, bei welchen liebliche Kinderstimmen zu hören sind (würg!). Man nennt das dann "Mini-Songs", veranstaltet Hitparaden und sieht zu, wie die lieben Kleinen Verkaufs-Regale leeren, denn als Zielgruppe kommen für diesen unerhört oberflächlichen Käse wohl nur mehr die unmündigen 9jährigen in Frage. Als Werbegag haben sich Daft Punk, ach wie nett!, in Roboter verwandelt und erzählen den gelangweilten Interviewpartnern Schauergeschichten von Studiobränden und verwüsteten Demo-Tapes etc. Und schafften es damit nicht nur in Postillen wie Spex, sondern vor einigen Wochen gar aufs Cover der Wiener Stadtzeitung "Falter"...

Warum werfen dann selbst hartgesottene "Indie-Fans" das Handtuch und schunkeln verträumt dazu? (auch wenn andere zuschauen). Alles wieder nur ein Marketing-Spektakel? Kein geheimes Konzept? Also: Bessere Beats bieten zahlreiche französische Dance-Compilations, aber vielleicht hat ja wer den ganzen Käse auch auf mp3 Format. Das klingt zwar auch nicht besser, ist aber gratis.

Ich hoffe, daß sich aus dieser zutiefst entbehrlichen geschmacklichen Verirrung kein Trend ableiten läßt, sonst werden die nächsten Monate im Radio kaum auszuhalten sein...


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