: john wesley harding
: vorbilder haben kein recht auf heiligenschein

text: shorty

John Wesley Harding ist einer der begabtesten Songwriter unserer Generation. Und im selben Maß einer der Unterbewertetsten. Mit "The Confessions of St. Ace", einem Konzeptalbum das überhaupt keines ist, könnte er es nun aber doch auch zu einer breiteren Akzeptanz bringen als nur beim "Boss". Shorty ließ er diesbezüglich keine Frage offen, aber dessen Mund dann doch.

Wesley Stace ist ein cooler Hund. Nicht im Sinne eines klassischen Helden der Musikbranche. Nix mit offenem Hemd und an jedem Finger entweder ein Groupie, eine Flasche oder ein coloriertes Zuckerl. Viel mehr ist er ein Schnittpunkt zwischen dem europäischen Freigeist in Verbindung mit der Offenheit und Weite des Landes zwischen Ozean und Pazifik und einer gehörigen Portion Stil. Eigentlich kommt er ja aus der "well educated area" von Hastings, dann zog es ihn für sechs Jahre nach San Francisco ("weil es europäisch ist und doch wo anders"), die letzten zwei Jahre schnupperte er in Seattle nach dem Sound der Zeit, nur um dann sein Album in Tennessee aufzunehmen. Seit Anfang Juni ist er in New York, "weil es hier so viele verschiedene Einflüsse gibt". Und der Liebe wegen.

"The Confessions of St. Ace" kann man getrost als Meisterwerk sehen. Nicht nur wegen seines hervorragenden Songwritings. Allein schon die Umstände des Entstehens heben es in eine höhere Kategorie. In nur zehn Tagen aufgenommen. In einem fremden Studio mit ihm fremden, exquisiten Musikern, die allein der Produzent Gary Burnette aussuchte, der wiederum vom Chef seiner Plattenfirma ausgesucht wurde. Und dem hat der gute John Wesley Harding, nach dem Song eines seiner Übergötter Bob Dylan benannt, doch auch schon vorher vertraut. Später dann noch viel mehr. So wurde Rob Seidenberg nachträglich dann auch zum Coproducer des Albums ernannt. Allein am ersten Tag wurden vier Nummern eingespielt, darunter das großartige "She’s a piece of work" oder der stimmige Opener "Humble Bee". Ohne großes Proben. Da muß man schon am Damm sein, doch.
Auf Tour klingt das schon ein wenig rockiger. Mehr Fender Rhodes? "Jaaaa, vieeeel mehr Fender Rhodes!" Und lacht sich eines mit durchaus männlichem Unterton, wie er überhaupt im Alltag absolut unvermutet mit härterer Stimme seine Sätze von sich gibt. Was ja einen Sänger als solchen auszeichnet. So hat er auch mit dem Namen der Stimme, die man mit ihm assoziiert seine Probleme. "Elvis Costello ist ja ein Meister seines Faches, und Lieder schreiben kann er noch immer wie ein Großer, aber das was er die letzten zehn Jahre mit seiner Stimme auf Vibrato gemacht hat, ist einfach zuviel. Das find ich nicht mehr so fein." Zur Erläuterung: sein von der Kritik hochgelobtes 1990er Album "Here Comes The Groom" spielte der Brite mit den Attractions ein, der legendären Band Costellos.
Und der Mann werkt schon am Nachfolger: 35 Songs hat er schon. Denn er schreibt laufend. So ist "Same Piece Of Air" während dem Soundcheck im Rockhaus zu Salzburg entstanden. Grüße soll ich ausrichten. Das Kommende soll leichter und dünner werden. So wie sein Lieblingstitel auf dem Aktuellen: "Too Much Into Nothing". Aber trotzdem nicht zu sehr wieder in die Traditional Folk Richtung. Das selbe Album zweimal zu machen ist einfach nicht sein Ziel. So wie er es nicht unbedingt nochmals mit einem Song auf eine Soundtrack schaffen muß, obwohl "I‘m Wrong About Everything" auf "High Fidelity" ihm sicher viel brachte.

By the way: eigentlich wurde unser Held als Wesley Stace geboren. Was den Titel des Albums erklären dürfte ohne es zu sehr in die Autobiographieecke stellen zu wollen. Nicht mal die ganz großen Vorbilder a la Springsteen, Dylan oder Costello haben bei ihm kein Recht auf Heiligenschein. Denn er erreicht sie schon.

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