"Blues ist die Wurzel jeglicher Musik. Ganz gleich ob Jazz, Balladen, Rock’n’Roll – alles kommt vom Blues. Auch wenn du noch soviel veränderst – wenn du auf den Punkt kommen willst erkennst du, daß Musik immer im Blues ihren Ursprung hat."
- John Lee Hooker

: don’t look back : john lee hooker † :

ein nachruf von andreas probst

John Lee Hooker starb am Morgen des 21. Juni friedlich im Schlaf. Der "Godfather des Blues" und "King of Boogie", wie ihn Carlos Santana treffend bezeichnete, wurde 83 Jahre alt und trat bis zu seinem Tod in seiner näheren kalifornischen Umgebung auf um die Menschen mit seiner einzigartigen Bluesmusik zu verzaubern. Was bleibt sind außer Erinnerungen an einen Mann mit großem Herzen und Liebe zu seinen Mitmenschen der unvergängliche Nachlaß seiner Musik.

Unvergessen wird die "American Folk Blues Festival" Tour sein, die Hooker Ende 1962 nach Deutschland und andere Teile Europas führt. Zum ersten Mal hat ein kleiner Kreis von Insidern die Möglichkeit zu erfahren, daß diese Art der Musik nicht in den tosenden Fluten des Mississippi oder den wogenden Baumwollfeldern Louisianas ertrunken ist, sondern als Big–City Sound nach wie vor mit Fleisch und Blut lebendig ist. Zum erlauchten Kreis dieser musikalischen Vorhut gehören außerdem Helen Humes, T–Bone Walker, Memphis Slim, Sonny Terry & Brownie Mc Ghee. Die europäischen Fans reagieren euphorisch auf den schroffen Geschichtenerzähler aus den fernen Südstaaten. Bands wie die Animals, Rolling Stones oder die Yardbirds lernen von Hooker, der dann 1965 mit der englischen von Tony Mc Phee gegründeten Band Groundhogs durch Europa zieht.
Geboren wird John Lee Hooher am 22. August 1917 in Clarksdale/Mississippi. Er wächst in einer großen Familie auf, wie es typisch ist für Schwarze jener Zeit, als das Leben der Landarbeiter dem eines Leibeigenen gleichkommt und viele Kinder für den Unterhalt der Familie zu sorgen haben. Sein Vater stirbt früh, so daß er auf der Farm seines Stiefvaters William Moore aufwächst, der ihm auch die ersten Gitarrengriffe beibringt und ihn ermutigt im Spiritualchor der Kirche mitzusingen. Als 14-Jähriger reißt John Lee von zu Hause aus, da er lieber in Kneipen und auf Farmerfesten simplen Folkblues vorträgt. Seine Vorbilder dabei sind u.a. Blind Lemon Jefferson, Blind Blake und Charley Patton. Kurzzeitig von der Familie zurückgeholt taucht der inzwischen 16jährige aber 1933 bei seiner Tante in Cincinnati/Ohio auf, verzichtet auf die Musik und arbeitet zwei Jahre in einer Fabrik um doch bald wieder mit Gospelgruppen durch die nähere Umgebung zu ziehen. 1943 geht Hooker nach Detroit und findet wie viele seiner Gesinnungsbrüder Arbeit in einem Ford–Automobilwerk,
Seine eigentliche kommerzielle Karriere beginnt 1948 mit der Plattenaufnahme von " Boogie Chillen" und " Wednesday Evening Blues". Nur mit seiner hochverstärkten Gitarre und von Eddie Kirkland begleitet, werden sie in den Ghettos von Chicago und Detroit zu einem überwältigenden Erfolg. Rasende Boogies, den Rhythmus mit seinen eisenbeschlagenen Schuhen unterstützend und langsame beschwörende Blues bilden das Repertoire. Er nimmt bald seine ersten Schallplatten in noch recht bedürftigen Studios auf, was sich aber dann in den 50er Jahren zu einer wahren Hooker Platten Schwemme ausweiten soll. Über 70 Singles auf 21 verschiedenen Labels und unter diversen Pseudonymen sind das Ergebnis. Diese Produktivität führt dazu, daß er 1960 zu den wenigen Bluesmusikern gehört, die zum 2. Newport Folk Festival eingeladen werden. Ein Jahr später führt ihn der Auftritt in einem New Yorker Folk Club mit Bob Dylan zusammen, der im Vorprogramm spielt. Ab den späten 60er Jahren sind regelmäßige Tourneen durch Nordamerika und Europa angesagt. Damit wächst auch Hookers Einfluß auf britische Musiker wie John Mayall oder Eric Burdon und amerikanische Nachwuchskünstler wie Johnny Winter und Canned Heat mit denen er 1971 sogar ein Doppelalbum einspielt. Nachdem innerhalb eines Monats zwei seiner besten Freunde und Verehrer, Jimi Hendrix (18.9.1970) und Janis Joplin (4.10.1970) an den Folgen ihres Drogenkonsums sterben und auch sein Sohn mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist, sagt Hooker: " Ich muß den Blues nicht erst suchen denn ich habe ihn im eigenen Haus". Zu Beginn der 80er lassen seine Aktivitäten etwas nach, dafür tritt die Zusammenarbeit mit Van Morrison und Charlie Musselwhite in den Vordergrund. Er taucht hin und wieder bei Blues Festivals auf um Mitte 1988 mit vergleichsweise jungen Musikern wie Carlos Santana, Robert Cray, George Thorogood, Los Lobos und wieder Canned Heat Studioaufnahmen zu produzieren. Als Ergebnis kommt im Sommer 1989 das einzigartige Album The Healer auf den Markt. Seine Vielfältigkeit stellt Hooker erneut durch die Zusammenarbeit bei Pete Townshends Rock-Musical-LP The Iron Man unter Beweis, deren Titelrolle er mit dem Song "I Eat Heavy Metal" überzeugend ausfüllt. Ein Grammy für " I’m In The Mood", ein Duett mit Bonnie Raitt und Filme mit den Blues Brothers unterstreichen den unbegrenzten Schaffensradius des Allrounders. Als Highlight bleibt da natürlich auch nicht die Aufnahme in die "Rock’n’Roll Hall of Fame" im Januar 1991 aus. Noch im Herbst des gleichen Jahres erscheint das mit illustrer Gästeliste wie Ry Cooder, Van Morrison, Robert Cray, Keith Richards, Nick Lowe u.a. aufgenommene Album Mr. Lucky, das von vielen Kritikern als Platte des Jahres bezeichnet wird. Der Erfolgskurve folgend bringt dem inzwischen 76jährigen im Februar 1996 die CD Chill Out mit Santana und Morrison einen weiteren Grammy für das beste traditionelle Bluesalbum ein. Ein Jahr darauf, nochmals im Studio, entsteht wieder in Zusammenarbeit mit Van Morrison das wunderbare Album Don’t Look Back mit dem Opener "Dimples" und neben dem Titelsong so einfühlsamen Morrison Co-Produktionen wie "The Healing Game", "Travellin‘ Blues" und "Rainy Day".
So hat nun ein erfülltes Leben sein Ende genommen, das immer unter dem Motto des "großherzigen Gebens" stand und dem auch die für ihn so schmerzliche Erfahrung der Scheidung von seiner Frau, die dennoch immer seine beste Freundin blieb, nicht aus der Bahn werfen konnte. Ein Dasein im Banne des Blues, ein Leben für die Musik, das in seiner warmen Genialität einmalig und unerreichbar bleiben wird.

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