: jeans team : hi punks! break dance!

text: manuel fronhofer

Wer im Rahmen einer Ausstellung namens "Polariot" kleine Taschen mit "Jeansbärten" und "Cordletten" unters Volk bringt, kann kein schlechter Mensch sein. Und da das Jeans Team als Mitbegründer der Galerie Berlintokyo die genannten Behältnisse überdies noch mit Polaroids ihrer nächtlichen Posertouren durch Berlin füllte, sei der Band an dieser Stelle ein Sympathiebonus zugestanden, der vor kurzem in "Ding Dong", ihrem Debütalbum, entsprechende Rechtfertigung fand. Wellbuilt im Gespräch mit Berlins Band der Stunde.

Kaum eine deutsche Stadt hat auf Grund ihrer Geschichte ein größeres Potenzial dazu, Schmelztiegel für die unterschiedlichsten kulturellen Strömungen zu sein, als Berlin. Europas deutlichste Schnittstelle zwischen Ost und West zeigt sich nach wie vor als ein Ort des Aufbruchs und des Wandels und es scheint aus dieser Perspektive kaum zu verwundern, dass die größte Baustelle der Welt auch zunehmend populärkulturell Interessantes zum Vorschein bringt. Wegweisend in dieser Hinsicht sind mit Sicherheit die beiden Labels Bungalow und Kitty-Yo. Letzteres war im Jahr 2000 neben außerordentlich guten Alben von Peaches und Gonzales auch für "Ding Dong", den Debütlangspieler des Jeans Teams, verantwortlich.
In Insiderkreisen war dieser Erstling bereits langerwartet, schließlich formierte sich das Jeans Team erstmals im Jahre 1996 - damals allerdings nur um das Duo Reimo und Franz. Vervollständigt wurde die Band zwei Jahre später, als Henning und Gunther hinzustießen. Die Arbeit an einem Album wurde jedoch noch etwas vertagt: "Wir haben sehr viele andere Sachen nebenher gemacht", erklärt Franz "einerseits die Galerie Berlintokyo, die wir mitbegründet haben. Dann noch das Spielkreis-Label und schließlich unser eigenes Label, Nadel Eins... An dieser Stelle war dann schon so viel Zeit verstrichen, dass wir gesagt haben, wir machen alles, was die Produktion anbelangt, alleine, gehen nicht ins Studio, sondern nehmen alles selbst auf, um diese Dinge entsprechend zu lernen." Das Sammeln von Erfahrungen, der Versuch, die Studiotechnik selbst in den Griff zu bekommen, die damit verbundene Unabhängigkeit und Freiheit im Umgang mit dem Aufnahmeprozess standen also im Vordergrund, eine dadurch verursachte Verzögerung in der Fertigstellung wurde gerne in Kauf genommen.
Und diese Geduld wurde mehr als belohnt, denn das Einzige, das "Ding Dong" als Erstling entlarvt, ist seine stellenweise recht ungewöhnlich umgesetzte, aber immer wieder vorhandene jugendliche Ungestümheit. Dies von einem Album zu behaupten, welches von einer fünfeinhalbminütigen Traurigkeit namens "Das Lied der Liebe" eröffnet wird, mutet zwar verfehlt an, aber das Jeans Team findet eben seine eigenen Wege, um kräftig loszurocken: Minimalistisch à la Trio, elektronisch verquer, aber regelmäßig einer gewissen Punkästhetik verpflichtet.
All das bewerkstelligt das Jeans Team mit Equipment, welches höchstens für Nostalgiker unter den Instrumentensammlern interessant zu sein scheint. Franz: "Viele dieser Gerätschaften, die wir da benutzen, sind im Grunde ja wertlos... Wenn du in einen Musikladen gehst und sagst: Hier, das will ich verkaufen, dann zeigen die dir den Vogel und sagen: Das kannst du zur Müllkippe bringen und wegschmeißen oder auf den Flohmarkt. Aber all diese Instrumente haben eine Seele und die besteht darin, dass man mit diesen Instrumenten irgendwann etwas machen kann, das man damit manchmal vielleicht auch gar nicht machen können sollte. Und in so was verliebt man sich natürlich... Das ist wie eine Charaktereigenschaft bei einem Menschen."
Eine charmante Sicht der Dinge, möchte man meinen, doch der Charme dieser Band erschöpft sich lange nicht in verschrobenen Tüfteleien mit Sounds, das Jeans Team ist nämlich immer auch als Gesamtkunstwerk zu verstehen: "Die Leute fragen regelmäßig, ob das mehr ist als nur eine Band", erklärt Gunther "aber wir geben uns halt einfach nur Mühe bei unseren Live-Auftritten. Wir kümmern uns einfach um alles, Videos, Licht, etc. Und es gibt genug Bands, die bauen bloß ihren Marshall auf und fangen an zu spielen. Wir hingegen versuchen den gesamten Abend zu gestalten." "Wobei es dabei für uns selbst ja eigentlich nur darum geht, Spaß zu haben", wirft Henning ein. "Und es macht eben weniger Spaß, fünfmal hintereinander in dem gleichen Club zu spielen. Wenn man aber selbst richtig Spaß hat und immer was Neues macht, dann kommt das auch entsprechend rüber..."
Ein nachvollziehbarer Schluss, der die Probe aufs Exempel auch durchaus zu bestehen vermag, das Jeans Team weiß nämlich nicht nur auf Platte zu überzeugen: Im hellen Licht der bandeigenen Leuchtreklame werden live - alles andere als statisch - Instrumente und Positionen getauscht. Mit beinahe jedem Song ergeben sich neue Konstellationen, beinahe jeder Song offenbart ein weiteres, kleines Geheimnis in Sachen eigenwilliger Klangerzeugung - die Bühne wird im wahrsten Sinne des Wortes zum Spielplatz. Die dabei freiwerdenden Energien verleihen den Songs derart Nachdruck, dass es kaum verwundert, wenn Labelkollegin Peaches vollen Ernstes meint, die "Nerds" vom Jeans Team hätten ihr einiges zum Thema Rock’n’Roll beigebracht, denn die eigentlich ruhig und verhalten wirkenden Jungs namens Reimo, Franz, Henning und Gunther stellen live selbst eine dermaßen explizit agierende Künstlerin wie die 33-jährige Kanadierin in den Schatten. Aber eigentlich nicht nur live...


: related links :

www.jeansteam.de
www.kitty-yo.de