: manu chao : marley auf latinroots :

text: shorty

Im Geiste der Radiohörer ist Manu Chao ein Jüngling. Ein Newcomer dank seinem Schunkelhit "Clandestino". Doch falsch. Doch eigentlich gehört der 40jährige schon zu den älteren Hasen im Musik-Business. Ein Portrait anlässlich seiner sommerlichen Live-Auftritte.

Als Manu mit seinen legendären Mannen von Mano Negra vor Jahren im Vorprogramm von Jesus Messerschmidt aufgeigte, warnte der Veranstalter noch den Hauptact, heute besonders "anzah`n" zu müssen. Die unbekannte Truppe werde mit Sicherheit eine Höllenshow auf die Bühne bringen, hieß es damals. Und der Ruf, der Manu Negra vorauseilte, sollte sich als wahr erweisen. Mit furiosen Auftritten machte sich die französische Truppe mit Manu als schreibendem Sänger langsam, aber sicher einen Namen. Und verkaufte in zehn Jahren mehr als drei Millionen Alben, zwei Drittel davon in Frankreich, den Rest fast ausschließlich nach Auftritten im Rest der Welt.

2001 lächelt Manu mehr denn je. Kein Wunder, sein Sologang "Clandestino" verkaufte sich zwei Millionen Mal. Diesmal bereits halbe halbe aufgeteilt zwischen seiner Heimat und dem Rest der Welt. Das Album, wie Manu, ein klassischer "Spätstarter" ? bereits 1998 veröffentlicht, doch erst die von Stars wie Madonna oder Michael Stipe (R.E.M.) in Interviews immer wieder erwähnte Begeisterung über die Platte brachte "Clandestino" an die Musiköffentlichkeit. Und machte das Album letzten Sommer zur Überraschung des Jahres.

War ja auch eine wirre Mischung. Aber nichts gegen den Strudel der Ereignisse die einen der jetzt erschienene Nachfolger "Proxima Estacion: Esperanza" erleben lässt.
Wieder ein Konglomerat aus Kollagen verschiedenster Kulturen und Sprachen, in die sich manchmal sogar komplette Songs schwindeln. Eine komplette Stunde sommerliche Radiotauglichkeit, 45 Minuten in 17 Tracks. Das heißt nicht Teile. Denn "Proxima Estacion: Esperanza" ist ein Stream gespickt mit Ansagern, Telefonsamles, allen möglichen Ambient-Geräuschen und Gesprächen zwischen Mutter und Kind.
Ohne Manus Vision zu kennen, wird die große Erkenntnis jedoch ausbleiben: Mitte der 90er Jahre gründete er in seiner ursprünglichen Heimat Santo Domingo (Spanien) "Radio Bemba". Seine Ton gewordene Vorstellung von Multikulturalität, genießt dort (wie überhaupt so ziemlich alles was er je gemacht hat) mittlerweile Kultstatus.

Um diese in Interviews immer wieder erwähnte Vision konstant verfolgen zu können, gab er auch erstmals sein Wahlnomadentum auf ? und ließ sich in Barcelona nieder. Was ihn aber trotzdem nicht daran hindert beständig zu forschen und reisen. Derzeit gehört Südamerika, Afrika und der Vordere Orient zu seinen Sounddestinationen. Dementsprechend auch das auf dem neuen Longplayer vertretene Sprach-Sammelsurium: Portunol, Arabisch, Spanisch, Englisch und natürlich Französisch. Und seine Multilingualität eröffnet Manu Chao absolute Meinungsfreiheit. Auch Mainstreamradios stoßen sich nicht an Vorlieben wie Frauen, Nacht, Berge, Meer, Marihuana und Kolumbianer, ...e me gustas tù. Que hora son mi corazon? Nur die letzten beiden Leidenschaften unterscheiden den guten Mann also von Freddy Quinn.

: related links :

www.manuchao.net
- wirr wie es sein soll

Live am 14. Juli am Groovequake Festival in Wiesen!
www.wiesen.at