: henry rollins : alles andere als wortkarg

text: thomas weber

Henry Rollins ist eine Legende. Nicht nur optisch geht er ohne weiteres als Spartakus der Musikwelt durch. Auch wenn sich seine musikalischen Schaffen in letzter Zeit etwas zu sehr wiederholt – mit seinen Buch- und Spoken Word-Projekten begeistert der sinister witzige Kalifornier nach wie vor. Jetzt erscheint mit "A Rollins In The Wry" eine bereits 1999 in LA aufgenommene Spoken Word-Session auf CD.

Popkultur funktioniert international. Und auch wenn Henry Rollins zurecht einmal als "Ikone der US-Gegenkultur" (Sueddeutsche Zeitung) bezeichnet wurde, Teil der Popkultur ist er trotzdem – oder gerade deswegen. Und genau hier, im weiten Feld der Popkultur, sind auch seine Anekdoten und Geschichten angesiedelt, die jetzt wieder einmal gesammelt auf CD erscheinen. "A Rollins In The Wry" nennt sich die Zusammenstellung, die bereits im Sommer 1999 live in einem Club in Rollins Heimatstadt Los Angeles aufgenommen wurde.

Vermutlich gerade einmal mit stichwortartigen Notizen ausgestattet begann Rollins im "Luna Park" vor versammelter Hörerschaft zu fabulieren. Aus seinem Leben, aus seinem durchaus abwechslungsreichen Alltag, aus dem Tourleben. Fanbriefe (etwa der des tschechischen Rollins Band-Jüngers Boris) werden genauso (kritisch, aber immer liebevoll) seziert, wie die als deklarierter Fan besuchten Auftritte von Rollins Lieblingsband Black Sabbath. Und auch das bei Rollins offensichtlich immer noch auftretende mulmige Gefühl beim Kaufen von Kondomen beschäftigt den guten Mann. Kein Wunder, meint er doch einmal, "fünfundzwanzig Jahre hindurch 18 gewesen zu sein". Das geht sich zwar rein rechnerisch noch nicht ganz aus... Egal. Hinter Aussagen wie diesen steckt zwar eine gehörige Portion abgeklärter Zynismus, doch seine Punk-Attitude, seine Hard-Core-Herangehensweise hat Rollins nicht nur musikalisch nie aufgegeben. "Punk Rock`s First Renaissance Man" nannte ihn der englischsprachige Playboy deshalb ganz treffend im Interview anlässlich seines vierzigsten Geburtstags.

Auf dem Cover von "A Rollins In The Wry" stiehlt sich ein gezeichneter HR-Superman mit caesareskem Lorbeerkranz aus der Affaire. Hinter ihm brennt, ganz oben auf dem unbesteigbaren Berg, die Akropolis. Die Portalüberschrift "Death To Poets" umzüngelt von Flammen. Und Superman Henry Rollins, der sich genau genommen nicht aus der Affaire stiehlt, sondern mit stolz herausgestreckter Brust, sucht mit dem starren Blick eines Volkstribuns das Weite – nicht flüchtend, sondern mit den Augen. Einmal mehr sieht sich Rollins als weitsichtiger, vielleicht gar visionärer Volkstribun. Als Redner und Erzähler, der ohne weiters auf abgehobene rhetorische Stilmittel verzichten kann, als einer, der aufsteht und zu erzählen beginnt. Das kann - rein improvisatorisch - zwar manchmal ins Auge gehen, langweilig wird es jedoch nie.


: related links :

http://www.playboy.com/arts-entertainment/comversation/rollins/02.html
Henry Rollins im ausführlichen Playboy-Interview

www.spv.de

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